Für das Drehbuch „Rathaussturm“ dienten viele Filmzitate und -titel als Vorlage
Bürgermeister Faust entmachtet
Linz. War am Vortag beim Jubiläumsbiwak der Linzer Marktplatz noch voller Narren gewesen, so herrscht am Sonntagmittag gespenstige Leere vor dem verrammelten Rathaus. In das hatte sich Bürgermeister Hans Georg Faust mit seinen Bütteln zurückgezogen, um das mit Film-Titeln und -Zitaten gespickte Drehbuch für den bevorstehenden Rathaussturm der bunten Corps noch einmal durchzuspielen. Dabei war ihm, seinem Namen und ehemaligen Beruf entsprechend, die Rolle als Doc Ironfaust zugedacht worden, seines Zeichens Sheriff der Bunten Stadt am Rheno River. Als Deputy standen ihm Tommy the Kid Balasius zur Seite, während sich dessen Kollegen Old Flippo Wölbert und Admiral Mike Snyder auffällig zurückhielten. Auch die Fäustlinge aus dem City-Saloon, eine Rolle, die von Mitgliedern des Stadtrats übernommen wurde, standen ihm zur Seite, wohingegen er auf die trinkgewaltige French Connection aus Pornic nicht bauen konnte, da die es sich erfahrungsgemäß zurückhielt, um es sich mit keiner Seite zu verderben.
„Zeig’ dich, Doc, komm raus!“
„In dem Nest ist ja kein Schwanz zu sehen. Du, Prince Tobi und Dein Derek-Clan, hatten uns Fässer sprudelnden Kölschs und ein El Dorado mit vielen Nuggets versprochen“, maulte KG-Präsidentin Yvonne Adams-van Beek als Cat Ballou aus „Hängen sollst du in Wyoming“, die blau-weiße Raubkatze als Anführerin der bunten gegnerischen Banden, die längst dem Marktplatz bevölkerten. Vom Narrenführer erfuhr sie, dass die Stadt von Doc Ironfaust beherrscht würde, einem gnadenlosen Killer, an dessen Stiefeln jede Menge Blut klebe. „Für ein paar Dollar mehr bin auch ich erbarmungslos. Die rechte und die linke Hand des Teufels weiß ich bei mir! Mit Dir also ’Vier Fäuste für ein Halleluja‘!“, so Tobi I., um dann lauthals zu fordern: „Zeig dich, Doc, komm raus!“
War zu Beginn des Spektakels schon „Jill’s Theme“ zu hören gewesen, so öffnete sich nun langsam das Rathaus zu dem wohl bekanntesten Film-Track von „Spiel mir das Lied vom Tod“, der „Mundharmonika“-Melodie. Heraus kamen Doc Ironfaust und, einen krummen Hund zwischen den Lippen, Tommy the Kid. „Nimm die Spur des schwarzen Falken und mach´ die Fliege“, forderte der Herr der Stadt Cat Ballou auf, bevor er sich an die Tollität wandte. „Prince Tobi Derek mit den fremden Federn, ich könnte Dich wie einen faulen Apfel zerquetschen“, bewies er, wie schnell aus einem Hessen ein richtiger Strünzer werden kann. „Ein Derek ist stets Herr der Dinge und der Ringe!“, erwiderte die Tollität gelassen, auch wenn die Stadtsoldaten nun Position bezogen, die Tobi jedoch als „Ritter der Kokosnuss“ verspottete.
„Keine Gnade mehr bei Hinrichtungen und sagt Weihnachten ab! Ich krieg noch ´nen Tobisuchtsanfall“, wütete der Doc, während die Tollität seine „Reifeprüfung“ mit der unumgänglichen Schlüsselszene ankündigte. „Ihr wisst nicht, was Ihr tut! Ich bin der König der Welt! Wir machen Schlüsseldienst bis zur Fahrt in die Hölle“, tobte der Stadtchef, während der Prinz mit „Manche mögen´s heiß: Adios Gringo!“ zum Angriff blies.
Tobi I. reckte den Schlüssel der Stadt triumphierend in die Höhe
„Erinnert Euch an Alamo. Kämpfet tapfer, hart und froh!“, ermunterte Doc daraufhin seine Stadtsoldaten, erzielte damit aber genau die gegenteilige Wirkung. Zu genau erinnerte sie sich, dass es selbst dem großen John Wayne nicht gelungen war, die Mission gegen die Truppen des mexikanischen Diktators Santa Anna erfolgreich zu verteidigen. Da sich außerdem Tobi I. als Prinz der bunten Fastelovendfamillich erwiesen hatte, leisteten die Linzer Stadtsoldaten seinen Heerscharen so gut wie keinen Widerstand, sodass Doc Ironfaust im Handumdrehen zur Melodie von „I shot the sheriff“ überwältigt war und die Tollität den Schlüssel der Stadt triumphierende in die Höhe reckten konnte. Kaum hatte sich der Pulverdampf verzogen, wandte sich der neue Herrscher der Stadt an seine Büttel: „So, ihr Galgenvögel: Ihr seht, Euer Doc war hohl wie eine Blechtrommel. Hängt ihn höher!“ Allerdings musste der Galgen warten. „Rauchende Colts sind eine stärkere Waffe als die Faust im Nacken“, gestand der Unterlegen kleinlaut ein. „Deine Truppe ist vom Winde verweht! Man hört nur noch das Schweigen der Lämmer“, höhnte der Prinz. „Verflucht, verdammt und Halleluja! Hier helfen nicht mal Vier für ein Ave Maria! Die Stunde der Aasgeier ist gekommen! Lass´ uns den Streit eintüten, Gras über die Sache wachsen und eine Friedenspfeife rauchen“, versuchte er Tobi I. umzustimmen. Mit Erfolg: „Irgendwann, möglicherweise aber auch nie, werde ich dich bitten, mir eine kleine Gefälligkeit zu erweisen“, nahm dieser eine Anleihe beim Paten Don Vito Corleone. Das veranlasste Cat Ballou, dem Barbesitzer Rick aus „Casablanca“ folgend an den „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ zu glauben, sodass der Doc, sich an Humphrey Bogart erinnernd, sie betörte: „Ich schau Dir in die Augen, Kleines!“
Den Stadtschlüssel hatte Tobi I. zumindest für die nächsten drei Tage fest im Griff.
