Zum 12. Sommerlager hatte der Breitbacher Attila in den Park der Oberen Burg eingeladen
Clans und Hunnenhorden reisten nach Rheinbreitbach
Rheinbreitbach. Die „Geißel der Christenheit“, die Steppenreiter der 1. Breitbacher Hunnenhorde um ihren Attila, Dieter Schmelzer, waren bereits am Donnerstag im Tor zum Siebengebirge eingefallen, um im Park der Oberen Burg ihr zwölftes Sommerlager aufzubauen. „Beeilt Euch, damit unsere Jurten bezugsfertig sind, bevor der große Regen kommt“, befahl das „Väterchen“ seinen Vasallen und Sklaven, während er mit Vater Munschuk, Berater Edikon, Fürst Belisar und Heerführer Dogan von der Fürstentafel unter dem Pavillon aus das Treiben im Lager begutachtete. Das stand keine Minute zu früh, denn prompt setzte am Abend heftiger Regen ein, der sich auch am Freitag sintflutartig über den Park ergoss. Da blieb den in Felle gehüllten Hunnen nichts anderes übrig, als in runden Stoffbehausungen auszuharren, über deren Eingängen bleiche Schädelknochen von Wisenten und anderem Hörner tragendem Getier von erfolgreichen Jagden erzählten.
Tanz um die Feuerbecken
„Die vier Windgötter sind uns mal wieder nicht besonders gewogen“, murmelte die Schamanin Ayami. Wenn man mit den Hunnenstämmen, die von der Breitbacher Horde dieses Jahr heimgesucht worden waren, feiern wollte, musste sie sich etwas einfallen lassen. „Wenn es Dir nicht gelingen sollte, die bösen Geister vom Platz zu vertreiben, landest Du auf dem Scheiterhaufen oder Du lernst mein riesiges Katanenschwert kennen, das mir die Flittarder Hunnen vor Jahren geschenkt haben“, drohte ihr Attila am frühen Samstagvormittag angesichts der dunklen Wolken über dem Rheintal. Geheimnisvolle Beschwörungsformeln raunend tanzte Ayami um die Feuerbecken, aus denen schwarzer Rauch gen Himmel stieg. So zog sie Tribal, den Gott des Feuers, auf ihre Seite, der seinerseits, den Göttern Tengri und Etügen sei Dank, die Windgötter besänftigen konnte, sodass sich schon kurze Zeit später die strahlende Sonne am blauen Himmel zeigte.
Zahlreiche Gäste
Und schon kündigten dumpfe Gongklänge das Nahen der ersten Gäste an. Die „Herren der Pferde“ von der 1. Bonner Hunnenhorde erwiesen dem Breitbacher Attila an der Fürstentafel ebenso ihre Reverenz wie die „Bonner Löwen“, die Siegburger Hornpötter und die Jüngerather Horde. Nicht nur die Unkeler Hunnen sowie die Mittelrhein-Hunnen aus dem nahen Erpel waren angereist. Aus Aachen hatte Kaiser Karl seine Ritter von den „Moulenshöher Jonge“ nach Rheinbreitbach geschickt, damit seine Pfalz von den Hunnen nicht so geplündert und gebrandschatzt würde wie etwa Metz, Reims oder gar das ferne Aquilea jenseits des hohen Gebirges. „Auch unsere Völser Freunde aus dem platten Land der vielarmigen Mühlen haben wieder Vulkane umrundet und ihren geliebten Berg des Drachen überquert, nur um Dir, o Herr der Weiten, zu huldigen“, schmeichelte Ayami ihrem Attila.
Der wollte sich vor allem den edlen Rittern und den zartbesaiteten Burgfrauen als kultivierter Gastgeber präsentieren und hatte Apsara Habiba vom Tribalstamm „Dana Morrigan“ um einen Auftritt des Duos „Fantasia Orientica“ gebeten. Und schon schlängelte sich die rassige Shalimar Sherif beim „Butterfly-Schleiertanz“ auf dem roten Teppich vor der Fürstentafel, bevor ihre Kollegin, die furchterregende Kriegerin Nourani Gamai, beim Säbeltanz rasierklingenscharfe Messer in der grellen Sonne gefährlich aufblitzen ließ. Volle Aufmerksamkeit im weiten Rund genoss wenig später auch die junge Reiterin, die mit zwei mächtigen Rappen von der Höhe ins Rheintal gekommen war, um dort ihre Dressurkünste zu präsentieren.
Abendliche Unterhaltung
Met und Odins-Bräu flossen in Strömen unter den breiten Schirmen, die den Gästen an langen Tafeln im Park Schatten boten. Und auch Räucherwerk mit gewursteten oder unter den Sätteln mürbe gerittenen Fleischstücken wurde den weitgereisten Gästen bis in die späte Nacht angeboten. Während die Eingeborenen vergeblich dem Erfolg einer Cascada-Sängerin im fernen Malmö entgegenfieberten, übernahmen im Sommerlager die Ritter die abendliche Unterhaltung. Zwar hatte sie ihren Minnesänger Kaiser Karl überlassen müssen, dafür aber sorgte ein Burgfräulein mit glockenheller Stimme für frühmittelalterliche Stimmung.
„Es ist schon bedauerlich, dass quasi keine Leute aus dem Tor zum Siebengebirge unser Lager besucht haben. Viele scheinen immer noch extreme Berührungsängste mit uns Hunnen zu haben. Dabei müsste man vom Parkfest oder von der fünften Jahreszeit der Masken und Hofnarren doch wissen, das sich das mit dem Martialischen bei uns mehr als in Grenzen hält“, erklärte Fürst Edikon am Sonntagnachmittag, während die Hunnenclan-Gäste begannen, ihre Jurten abzubauen.
