Der Stadtrat begrüßte die von den Planern aufgelisteten Maßnahmen für Privatleute und die Kommune
Das Projekt „Belebungen der Linzer Altstadt“ ist einen Schritt weitergekommen
Linz. Die Stadt Linz ist im Vorjahr in das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm, „Historische Stadtbereiche“, aufgenommen worden, das Immobilienbesitzern bei umfassenden Sanierungsmaßnahmen in der Altstadt Fördermittel in Höhe von maximal 30.000 Euro bei einer Gesamtförderung für private Maßnahmen von rund 2,5 Millionen Euro in Aussicht stellt sowie weitere 2 Millionen Euro für kommunale Sanierungsarbeiten.
Daraufhin war das Bopparder Planungsbüro „Stadt-Land-plus“, mit der Durchführung vorbereitender Untersuchungen zur Erstellung des „Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes“ (ISEK) beauftragt worden. „Nach zwei Bürgerversammlungen, Expertengesprächen und einer Befragung der Grundstückeigentümer in der Altstadt erfolgte Anfang September eine Besichtigung der Gebäude im Untersuchungsgebiet mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, sodass vom Planungsbüro eine Übersicht über die Ziele und Maßnahmen der Altstadtsanierung erstellt werden konnte“, berichtete Stadtbürgermeister Hans Georg Faust auf der jüngsten Sitzung des Linzer Stadtrates Mitte voriger Woche.
Diese Liste mit Maßnahmen zur Stärkung des historischen Stadtkerns als Wohn- und Arbeitsstandort sowie als touristisches Ziel und zur Verbesserung der Verkehrssituation habe er mit den Projektgruppen der Initiative „Linz gestalten – Leben in der Altstadt“ besprochen. „Wir habe uns darauf verständigt, dass drei Arbeitskreise (AK) mit maximal acht bis zehn Personen gebildet werden, in denen Mitglieder der entsprechenden Projektgruppen mitarbeiten“, erklärte der Stadtchef. So sollen Aktivisten der Projektgruppe Altstadt/Mariensäule/Pulverturm im AK „Städtebaukonzept“, Mitglieder der Projektgruppe Tourismus im AK „Handel, Gewerbe und Tourismus!“ sowie der „Linzer Salon“ und die Jungbibliothekarinnen im AK „städtisches Gemeinwesen“ vertreten sein. Zur Seite gestellt als fachliche Begleiter würden ihnen zudem Elke Hürter-Wagner vom Bürgerservice der Linzer Verwaltung und Joachim Reifert vom Bauamt. „Das ISEK fasst als Voraussetzung für eine Förderung alle Themenbereich der Innenstadtentwicklung, also auch soziale Komponenten, zusammen und betrachtet darüber hinaus auch die Gesamtstadt wie ihre überörtlichen Bezüge“, erinnerte Hans Georg Faust.
Bürger sollen mit eingebundenwerden
Mit einer der wesentlichsten Punkte sei die Einbindung der Bürger in den Erneuerungsprozess, der die Altstadt zu einem attraktiven Standort für Wohnen, Arbeiten, Kultur und Tourismus gestalten soll. Dabei soll die Barrierefreiheit in den Planungen eine besondere Berücksichtigung finden. Mitglieder der AK könnten nicht nur an Ausschusssitzungen teilnehmen, sondern hätten dort auch Rederecht, zumindest wenn es um ihr Aufgabengebiet gehe.
„Das von ‚Stadt-Land-plus’ vorgelegte Konzept hört sich toll an, aber wir brauchen doch vor allem hinsichtlich der Frage einer Sanierungsfinanzierung weiterhin eine kompetente Begleitung durch das Büro“, forderte Michael Rücker. Die Aufgabe der Planer sei erfüllt, sobald die Formalien erbracht worden seien. „Dafür bekommen wir einen Sanierungsmanager als Unterstützung, eine Halbtagsstelle, die von der ADD gefördert wird“, berichtete Heinz Scholl, der das Projekt bei der Verwaltung betreut.
„Mit der Vorlage dieses Konzepts haben wir einen wesentlichen Schritt nach vorne gemacht. Die Marke von Linz sind die Fachwerkhäuser. Allerdings muss diese kulturelle Besonderheit einer Fachwerk-Altstadt zukunftsfähig als Wohn- und Arbeitsstandort saniert werden“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Lehmann. Geklärt werden müsse dabei, wie und in welcher Höhe Einzelmaßnahmen gefördert werden könnten. Anhaltspunkte für eine Sanierung könnte etwa ein „Musterhaus“ Privatinvestoren bieten, in dem Fachfirmen ihre Kompetenz praktisch unter Beweis stellen könnten sowie mittels Vorträgen und Beratungen. Zu überlegen sei zudem, ob die Stadt nicht Mitglied in der bundesweiten Vereinigung „Fachwerkstädte“ werden sollte, in der 33 deutsche Städte seit 2009 zu einer Fachwerk-Biennale einladen würden, gab er zu bedenken.
„Wichtig für das Erscheinungsbild der Stadt ist zudem die Integration eines Vollsortimenters auf dem Parkdeck, eine Aufwertung der Mühlengasse durch einen Planungsworkshop mit den Anliegern sowie generell eine Aufwertung der Portale vor allem vom Neutor aus und eine deutlichere Hervorhebung, dass der Rheinsteig durch Linz verläuft“, hob Dieter Lehmann neben der Entwicklung eines „Corporate designs“ hervor. Vor allem dieses sei richtungsweisend für alle folgenden Maßnahmen, bei denen alle Bürger eingebunden werden müsste, da sonst der immense Kraftakt nicht zu stemmen sei.
Volle Zustimmung erhielt Dieter Lehmann von seinem CDU-Kollegen, Jürgen Pappendorf. Auch dieser forderte, alle Bürger ins Boot zu holen, die bereit seien mitzuarbeiten. „Vieles ist für uns noch theoretisch und neu, sodass wir alle noch in der Praxis dazulernen müssen“, sagte er voraus.
Aufgaben der Ratsmitglieder
Aufgabe der Ratsmitglieder sei es, Vorschläge der drei Arbeitskreise zu kanalisieren und diese Planungen der ADD zur Genehmigung vorzulegen, um diesen Fahrplan dann in den kommenden zwölf Jahren abzuarbeiten, so Heinz Scholl. Eine Übersicht hinsichtlich der entsprechenden Kostenfinanzierung müsse dann jedes Jahr fortgeschrieben werden, wobei Änderungen, die dem Ziel, Leben in die Altstadt zu bringen, gerecht werden, jederzeit neu eingearbeitet werden könnten. „Das ISEK ist keine Wünsch-Dir-was-Aktion. Wir müssen uns hinsichtlich beschränkter Fördermittel schon auf das Wesentliche konzentrieren. Daneben können weiterführende Projekte wie etwa vor Monaten bereits die Sanierung der Mariensäule natürlich über Spenden realisiert werden“, hob Hans Georg Faust hervor, bevor die Mandatsträger ihm bescheinigten, die von Stadt-Land-plus aufgelisteten Ziele und Maßnahmen zum Städtebauförderungsprogramm wohlwollend zur Kenntnis genommen zu haben.
