Die Unkeler Stefan-Andres-Realschule lud zur Präsentation eines Geschichtsprojekts ein
Der 8. Mai gemahnt zum Frieden
Klasse 10.1 hatte sich mit den letzten Monaten vor Ende des Zweiten Weltkriegs auseinandergesetzt
Unkel. Zur Präsentation des Geschichtsprojekts der Klasse 10.1 hatte die Unkeler Stefan-Andres-Realschule plus am vergangenen Freitagvormittag in den Konferenzraum eingeladen. An neun Stationen hatten die Realschüler dort mit einer Zeittafel angefangen, die vom „D-Day“, der Landung der Alliierten im Juni 1944, über das missglückte Attentat auf Hitler am 20. Juni und die Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 bis hin zum Selbstmord des „Führers“ am 29. oder 30. April sowie der Kapitulation und dem Kriegsende auf den Tag genau vor 70 Jahren, am 8. Mai, reichte.
An dieses Datum erinnerten die Schüler mit der Rede von Richard von Weizsäcker, die der damalige Bundespräsident zum 40. Jahrestag gehalten hatte. „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“, hatte der Christdemokrat damals erklärt.
„Es ist nicht eben besonders leicht, junge Menschen für Geschichte zu begeistern“, räumte Rektorin Bettina Stenz ein, die in der Klasse Deutsch und Geschichte unterrichtet. Dieses dunkelste Thema deutscher Vergangenheit dürfe jedoch nicht in Vergessenheit geraten. Dabei werde es immer schwerer, Schüler zu motivieren, sich mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mit ihren Verbrechen auseinanderzusetzen, zumal 70 Jahre nach Kriegsende die Zahl der Zeitzeugen sinke.
„Das Schreckliche soll sich nicht wiederholen“
„Wir wollen mit Hilfe des Projekts vor allem jüngere Schüler informieren, was damals passiert ist und so dazu beitragen, dass sich so etwas Schreckliches hier nicht wiederholt“, erklärte Timo Döndürmez am Stand mit Informationen über die Atombomben, die am 6. und 9. August 1945 über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Deutschland lebe zwar seit 70 Jahren in Frieden, Bundeswehrsoldaten seien aber in Afghanistan im Einsatz gewesen. „Aktuell macht mir die Situation in der Ukraine große Sorgen, weil ich nicht abschätzen kann, wie sich das da alles entwickelt“, erklärte der 14-Jährige.
Da waren längst die ersten Besucher-Klassen zur Besichtigung in den Konferenzraum gekommen. Sie gingen eher gelassen an den von einem Beamer auf die große Leinwand projizierten Bildern ausgebombter Städte vorbei, auf denen Frauen sich zwischen Schutthalden hindurch einen Weg mit Kannen bahnten, mit denen sie Trinkwasser von einem Laster zu ihren Notunterkünften transportierten. „Auch die Bilder von den Bomben, die auf eine Stadt herabfallen und diese in Schutt und Asche legen, berühren die wenigsten Schüler, die - wenn nicht durch verrohende Computer-Spiele - so doch durch die täglichen Nachrichten an grausame Bilder wie jetzt aus Nepal gewohnt sind“, beklagte die Klassenlehrerin der 10.1., Petra Dias, die Desensibilisierung der Jugendlichen.
Eine ganz andere Erfahrung hat Nicole Müller gemacht, die ihren Eindruck von der Kriegszeit mittels eigener Fotos vermittelte, die sie in Auschwitz-Birkenau, gemacht hatte. „Im Herbst 2014 haben wir während eines viertägigen Polenaufenthalts mit dem Jugendrotkreuz Nordrhein auch das Konzentrationslager besucht“, berichtete sie. Sie habe ganz bewusst viele Fotos gemacht, um sich abzulenken und so vor dem emotionalen Eindruck zu schützen, denn die ganze Atmosphäre sei extrem bedrückend gewesen. „Man kann sich gar nicht vorstellen, dass dort rund 1,1 Millionen Menschen von den über 5,6 Millionen Holocaust-Opfern ermordet worden sind“, so die Schülerin.
Luftschutzbunker und Flugplatz interessierten die Jungen
Die Jungen umlagerten vor allem den ehemaligen Stadtarchivar Rudolf Vollmer. Dieser holte einzelne Gruppen zum Besuch des gut erhaltenen Unkeler Luftschutzbunkers unter dem Ratssaal ab, nicht ohne ihnen vorher mit Hilfe von alten Fotografien die kurze Geschichte des Rheinbreitbacher Flugplatzes näher zu bringen. Die hängt indirekt mit der erfolgreichen Rheinüberquerung der US-Armee über die ehemalige Ludendorffbrücke zusammen, die Anna Lea Monter en miniature nachgebaut hatte. „Ich wollte, dass von diesem für das vorzeitige Kriegsende so wichtigen Bauwerk, als einziger noch intakten Rheinbrücke, mehr als nur alte Fotografien zu sehen sind“, erklärte sie ihren Brückennachbau, der dann, anders als am 7. März 1945, erfolgreich gesprengt werden sollte.
Sogar die Ludendorffbrücke konnte eine Schülerin als Modell den Besuchern präsentieren.
