Traditioneller Neujahrsempfang im Unkeler Rathaus
Ehrennadel an Heide Lorenz verliehen
Unkel. Ein volles Haus bescherte der traditionelle Neujahrsempfang von Unkels Stadtbürgermeister Gerhard Hausen. Begrüßten konnte der Hausherr neben Verbandsbürgermeister Karsten Fehr dessen Vorgänger Werner Zimmermann, Altbürgermeister Fritz Teskemeier, seine Kollegin Cilli Adenauer sowie zahlreiche Vertreter der Vereine und Institutionen. Sein besonderer Willkommensgruß galt dem Festredner Pfarrer Michael Busch sowie den beiden Musikern der Trinitatis Kirchengemeinde, Laura Winnekes und Dominik Förger, die mit einem Musikstück von Luigi Boccherini den Empfang eröffneten. „Die Zukunft einer kleinen Stadt muss sich im Spannungsfeld unterschiedlichster wirtschaftlicher, politischer und kultureller Einflüsse entwickeln und behaupten“, so Gerhard Hausen. Dabei baue die Stadt auf das hohe ehrenamtliche Engagement der Bürger. „Sie alle gilt es, zu einer aktiven Mitarbeit unserer Stadtentwicklung anzuregen“, betonte er, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Bedürfnisse und Belange der Bürgerschaft auch einbezogen werden müssten. „Trotz Wirtschaftskrise und chronisch leerer Kassen waren wir bemüht, ein bürgernaher und bildungsfreundlicher sowie ein wirtschaftsermutigender Standort zu bleiben“, so Gerhard Hausen. Der Veranstaltungskalender zeige eine ermutigende Zahl kultureller und wirtschaftlicher Angebote, die Unkels Schönheit in ein vorteilhaftes Licht setzen würden. „Die Kulturstadt Unkel ist in aller Munde, und auch als traditioneller Weinort wiederbelebt“, freute sich der Bürgermeister, um dann die heftigen Auseinandersetzungen um die Windenergie in der VG ebenso zu streifen wie den Wirbel um das Projekt des Fördervereins „Freibad Unkel“, für das er Taten statt reiner „Lippenbekenntnisse“ einforderte.
„Trotz positiver Bilanz gibt es nach wie vor Projekt in der Stadt, die wir trotz aller Bemühungen nicht lösen konnten“, gestand er ein. Dennoch konstatierte Gerhard Hausen, dass Unkel sich in einem strukturellen Prozess befinde, der sich nach vorne bewege, bevor er sich dem zweiten Teil des Empfangs widmete, der Verleihung der Unkeler Ehrennadel.
Heide Lorenz erhält Ehrennadel
„Ausgezeichnet wird dieses Jahr Heide Lorenz, die Initiatorin und treibende Kraft des Geschichtsvereins“, begann Gerhard Hausen seine Laudatio. Die Anfrage eines Sängers aus Baden 1995, ob man zum 200. Geburtstag des Komponisten im Folgejahr nicht Carl-Loewe-Musiktage in Unkel, das über wertvolle Dokumente aus dem Nachlass des Komponisten verfüge, organisieren könnte, habe den Stein ins Rollen gebracht: „Schnell war Heide Lorenz klar, dass eine solche Veranstaltung nur mithilfe eines Vereins zu bewerkstelligen sei, den sie noch im selben Jahr ins Leben rief. Die Arbeit des Vereins fand unter Ihrer Führung so großen Anklang, dass die Mitgliederzahl auf inzwischen über 200 Personen angewachsen ist“, wandte sich der Bürgermeister direkt an die Geehrte, die bürokratische Hindernisse überwunden und mit viel Aufwand und Engagement unbeirrt die Musiktage organisiert habe, die schnell zu einer bekannten kulturellen Attraktion geworden seien.
Aber der Geschichtsverein organisiere auch Ausstellungen und interessante Geschichtsvorträge. „Außerdem hat Frau Lorenz Stadtführungen organisiert“, erinnerte Hausen. Auf ihre Initiative gehe die Öffnung des Gefängnisturms an Sommersonntagen zurück. Nachdem sie bis vor einigen Jahren Führungen im Willy-Brandt-Zimmer im Rathaus durchgeführt habe, habe sie seit der Eröffnung des Willy-Brandt-Forums viele Mitglieder des Geschichtsvereins für eine ehrenamtliche Arbeit in der Gedenkstätte gewinnen können. Weitere Verdienste sind die Gründung des „Geschichtsboten“, in dem wichtige Themen regionaler wie lokaler Geschichte ausgiebig behandelt werden, sowie ihr erfolgreicher Einsatz für den Denkmalschutz. „Mit Ihrem freiwilligen ehrenamtlichen Engagement sind Sie ein Vorbild. Ohne Sie würde Unkel um einiges ärmer“, schloss der Stadtchef seine Laudatio und überließ Michael Busch das Mikrofon zu dem Vortrag „E-Fun-gelisch“, in dem der Pfarrer die Gemeinsamkeit katholischer und evangelischer Gemeinden hervorhob, die in Unkel in der Gründung eines gemeinsamen Ökumeneausschusses Niederschlag gefunden hat.
Pfarrer lobt die Ökumene
„Ein für mich sehr eindrückliches Ergebnis und besonderer Höhepunkt im vergangenen Jahr war der ökumenische Gottesdienst am Buß- und Bettag. Ein gemeinsamer Gottesdienst an einem evangelischen Feiertag in einer katholischen Kirche mit Tauferinnerungshandlung und mit einem spontanen ökumenischen Kirchenchor - schon fast ein kirchenhistorisches Ereignis. Und wir sind uns einig, dass wir da auch nicht mehr hinter zurück wollen“, so Michael Busch. Nach Ausführungen zur Geschichte der Evangelischen Kirche sowie dem Entstehen der Unkeler Gemeinde bis hin zu den aktuellen Schwierigkeiten kam er zu dem Titel seines Vortrages zurück: „E-Fun-gelisch“ als froh machende Botschaft des Evangeliums, als ein lebendiges, lebensförderndes und bereicherndes Wort.
