Nach der Karnevalsmess hatte die Stadt zum Prinzenempfang in den Ratssaal eingeladen
Ein Bierdeckel gerät in den Mittelpunkt
Der Commodore-Vorgänger von Christian I., Heinz Bündgen, führte das Jubel-Dreigestirn an
Linz. Ausgesprochen bunt ging es in Sankt Marien zu, hatte Pfarrer Klemens Hombach doch zwei Wochen vor den drei tollen Tagen zur traditionellen Karnevalsmesse eingeladen, zu der alle Corps mit ihren Standarten das Dreigestirn, Christian I. „Commodore der Schweren Artillerie“ und seine Adjutanten, „Bully“ Markus Bouillon und „Stone“ Patrick Stein begleiteten. Anschließend ging es zum Stadtempfang in den ehrwürdigen Ratssaal, in dem der 1. Beigeordnete, Hans-Georg Faust nicht nur die Delegationen der Großen Linzer KG zusammen mit Vizepräsidentin Yvonne Adams-van Beek begrüßte, sondern neben dem mit dem Sessionsorden geadelten Pfarrer samt Kooperator Patrick Ringhausen und Gemeindereferentin Eva Dech auch etliche Ratsmitglieder. „Danke für den wunderschönen Gottesdienst, in dessen Verlauf Sie uns gezeigt haben, wie man als Nichtkölner vor dem Spiegel Kölsch lernen kann“, so der Stellvertreter des erkrankten Stadtchefs Adi Buchwald. Ob solche Übungen bei ihm als hessischem Niedersachsen in naher Zukunft allerdings von Erfolg gekrönt sein werden, bezweifelte der Gastgeber. Deutlich geworden sei allerdings nicht nur ihm, wie eng die Verbindung von Kirche und rheinischem Brauchtum sei, so Hans-Georg Faust, bevor er sich den Corps zuwandte. Die hatte ihm Stadtratsmitglied Michael Schneider kurz zuvor schnell noch für seine Premiere auf einen Bierdeckel aufgelistet. Und so arbeitete sich der Beigeordnete von den „betagten“ Möhnen, Jahrgang 1929 zu den Nachkriegscorps durch. „Äwer, äwer da wor doch noch jet?“, überlegte et Yvonnche und entdeckte das Fehlen der Köbesse gerade noch rechtzeitig, um diese Scharte auszumerzen. „Hauptsach is, et Hätz is jood“, dachten sich die toleranten Köbesse, während die Vizepräsidentin das Dreigestirn näher vorstellte, das von der KG Ende April gewählt und zwei Tage nach dem 11. im 11. proklamiert worden war. Auch dabei hatte ein Bierdeckel eine nicht ganz unbedeutende Rolle gespielt. Mit nem freien Kopp kann mer besser schunkele un Blödsinn maache. „Dat is wichtig, denn Fastelovend funktioniert nur, wenn alle Jecke zusammen mitmachen“, so die Tollität, die sich noch etwas ehrfürchtig im Schraatesaal umsah, aber den Karnevalssonntag schon fest im Blick hatte. Spätestens dann wird sie alle Scheu von sich geworfen haben und das Rathaus von den vereinten Truppen der Narrenschar stürmen lassen. Kein Wunder, dass Christian I. im Vorgefühl des sicheren Sieges sein Prinzenlied „Wenn mer föhle, föhle mir, föhle mit vill Freud“, anstimmen ließ. Das vertrieb auch dem 1. Beigeordnete düstere Gedanken an den Verlust der Macht. Einziger echter Jubiläums-Prinz war der Vorgänger von Christian Siebertz als Commodore, Heinz Bündgen. Unter dem Motto „Linz steit Kopp, fröher wie heut‘. Ein jeder mät dem anderen Freud‘“, hatte er als Heinz II. „von Bild und Ton“ die Strünzer Narrenschar regiert.
Wat en echter Prinz der Strünzer ist, der ist wie die drei Jubel-Tollitäten textsicher und schunkelerprobt
