Die Große Erpeler Karnevalsgesellschaft hatte zur traditionellen Prunksitzung geladen
Ein Feuerwerk der närrischen Spitzenleistungen
Erpel. „Mer don net lamentiere, nur laache, danze, fiere. Nur singe bei Bier und Wing, in Erpel, der Perle am Rhing!“ - dieses Motto hatte der Erpeler Prinz Hans III. bei seiner Proklamation für die Session ausgegeben. Und daran hielt sich sein jeckes Völkchen auch bei der Prunksitzung, zu der die Große Erpeler Karnevalsgesellschaft geladen hatte. Auch zahlreiche benachbarte Gesellschaften waren angereist.
Pünktlich um 19.11 Uhr zog Hans III., angeführt vom Tambourcorps und eskortiert von der Prinzen- sowie Kindergarde und den Stadtsoldaten, zusammen mit dem Elferrat und seinem Hofstaat in das Erpeler Gürzenich ein. Während die Tollität einen Tulpenregen über das Volk niederprasseln ließ, verteilten seine Adjutanten und die Ehrendamen freizügig das längliche „öcher Nationalgebäck“ im Saal.
„Das wird heute hier der schönste Abend für dich“, versprach der GEK-Vorsitzende Uwe Kochems dem „Printen-Prinzen“. Der konnte es kaum noch aushalten, sein Narrenvolk endlich begrüßen zu können. „Wenn ich Üch he in dem herrlich dekorierten Saal so seh, dat treibt mir die Tränen in de Auchen!“, schwärmte er, um dann sein Prinzenlied „Ich fahr so gerne Smart“ anzustimmen.
„Pirate sin frei!“, verkündete das Tambourcorps, über die Bühne wirbelte aber die Kindergarde, von der die Jecken gewarnt wurden: „Su ne Daach is schnell vorbei!“. Da sollten aber noch etliche Stunden vor dem jecken Volk liegen, dem Präsident Jörg Buchmüller mit der „Gulaschkapell“ einen akustischen Höhepunkt ankündigte. „Kum los mer fiere op kölsche Art!“, forderten die Küchenbullen um Chefkoch Jörg Weich die Jecken auf, die „keene bruche, der inne sache dät, wie mer Fastelovend fiere dät“. Mit dem „Piter un em Apollonia“ marschierten sie durch Colonia. Spätestens bei „Halleluja“ von „Brings“ kochte der Saal dann endgültig.
Mit diesem peppigen Auftritt hatte sich die „Gulaschkapell“ die erste donnernde Rakete des Abends verdient, die gerade erst verklungen war, als „Richie XXS“ die grauen Zellen der Narren mit jecken Wortspielereien zu Höchstleistungen trieb. „Ich spiele auch Gitarre und Geige. Die Laute habe ich vor 25 Jahren geheiratet, heute habe ich die Ukulele dabei, und zwar lieber ’Just in time‘ als Justin Bieber“ erklärte er, bevor sich Richard Lerbs dem Dschungel-Camp widmete, in dem unbekannte Prominente nach dem Klogang „popolär“ würden.
„Et Tusnellchen“ kam direkt von der Schönheitsfarm
Erstaunt registrierten die Jecken dann, dass die „Leev Pänz“ nicht nur diesem Alter entwachsen, sondern auch „In the Navy“ eingetreten sind, was die Tänzerinnen jedoch nicht davon abhielt, „He am Rhing“ anzulegen. Und dann war es endlich soweit: Die Herrlichkeit von Erpel, „et Tusnellchen“, hatte ihren Aufenthalt auf einer Schönheitsfarm beendet. Da das von Christa Heck täglich benutzte Haarshampoo für mehr Fülle und Volumen gesorgt hatte, war die intendierte Abmagerungskur zum Scheitern verurteilt gewesen, sodass das „Glamour-Girl“ in vollem Umfang seine „erotischen Nutzflächen“ zur Schau stellen konnte.
Dann marschierten die Stadtsoldaten mit der Prinzengarde auf, die ihre Darbietungen mit einer „Hommage op Kölle“ begann, die nicht nur die FC-Fans, sondern die gesamte Narrenschar erneut von ihren Plätzen riss. Denselben Erfolg konnte auch Solomariechen Anne Dung verbuchen, bevor sich die „staatzen Kääls“ von Felix Weber als „Eingeborene von Trizonesien“ zum Wibbeln formierten. „Dat is jeil“, kommentierte die Prinzengarde, um dann ihr Brings-Medley mit der „superjeilen Zick“ zu beenden.
„Et Oma Finchen“ machte sich Sorgen um „dat Anschela“
Und schon schlurfte „die schönste Frau aus dem Christinenstift“, „et Oma Finchen“, auf die Bühne. Sie machte sich Gedanken um „dat arme Anschela“. „Us Kanzlerin hät et och ohne Änsei arch schwer. Da is nit nur der Siechma, der ussüht, als op he Printe, Kamelle un Schoko-Osterhasen op einmol jejessen hät, sondern auch noch de Eifelperle vun der Hohen Acht“, beschrieb sie dem Präsidenten Andrea Nahles, um sich dann „Hickhiehls“ zu widmen. „Wenn de die trächst, weed ze ihrst d’r Foos rheumatisch, dann stirft en aff und dat bis he hin“, erklärte sie.
Dem Thema „High Heels“ widmete sich mit Guido Job auch „Ne Jung us em Leeve“. Der kam schnell zu dem Befund, „so en Schuh is nit jesund“, um dann den ABBA-Hit „Waterloo“ kurzerhand in die vernünftige Alternative „Wanderschuh“ umzutexten. Schnell „verwandelte“ er sich in seinem Jahresrückblick bei Pferdfleisch-Skandal in Johannes Heesters oder bei der van Elst-Persiflage „Pater-Fly“ in Danyel Gerard. Dann konstatierte er frei nach „Fernando“ von ABBA: „Wenn deine Frau wie en Schimpanse schreit, dann ist’s soweit: Zalando!“, bevor sich er sich nach einer Rakete auf den „Heimweg to hell“, also „no Hünnije“ machte.
Da hatten sich die Jecken im Saal eine Pause redlich verdient. Nicht nur, dass es mittlerweile auf Mitternacht zuging, es wartete ja auch noch der Büttenreden-erprobte Hünnijer Prinz Jürgen IV. darauf, seine Aufwartung zu machen. Entsprechend mussten sich sowohl die Cäcilianer als „De Hänneschen Singers“ in Geduld üben wie auch das mächtige Linzer Husarencorps.
Ganz zu schweigen vom Elferrat der GEK, dessen Mitglieder beweisen wollten: „Un mir beweje us doch!“ Aus diesem Grund war man zu dem Schluss gekommen: „Was Hitzlsperger kann, wagen wir allemal. Wir gründen das Rosa Funkencorps der Alter Herrlichkeit!“. Und so eroberten die Elf denn in rosa Stadtsoldatenuniformen die Bühne, um dort einen Wibbel zu präsentieren. Dabei wurde aber schnell deutlich, dass dieser für die sanfte Truppe viel zu aufreibend war, sodass die rosa Funken ihre Hinterteile zu einschmeichelnderen Melodien kreisen ließen, bevor die Prinzengarde mit ihrem Showtanz dann einen erheblich rasanteren Schlusspunkt unter eine tolle Prunksitzung setzte.
Günther Marx erhielt den 63. Heimatorden „Alt Erpilla“
Zudem wurde im Erpeler Gürzernich der 63. Heimatorden „Alt Erpilla“ verliehen, mit dem Persönlichkeiten geehrt werden, die sich „um den Erhalt und die Pflege von Brauchtum und Kultur oder in sozialen Bereichen ehrenamtlich verdient gemacht haben“, wie Kapitelsprecher Gregor Noll erinnerte. Dieses Jahr wurde Günther Marx mit dem Heimatorden ausgezeichnet, der sich sichtlich ergriffen und überrascht über diese Ehrung zeigte.
