Allgemeine Berichte | 22.04.2014

Zwischen 140 und 200 Klapperläufer zogen vom Neutor aus durch die Bunte Stadt am Rhein

Ein vorösterlicher Brauch ersetzt das fehlende Läuten der Glocken

In Linz ist das vorösterliche Klappern schon lange Brauch, mit dem am Karfreitag- und Ostersamstag die schweigenden Glocken ersetzt werden, um so den Bewohnern, aber auch zahlreichen Zaungästen der Bunten Stadt am Rhein die Zeit anzuzeigen. DL

Linz. Klappern gehörte nicht nur einst bei den Mühlen am rauschenden Bach laut Volkslied zu den üblichen Geräuschen, sondern noch heute bei den Linzer Strünzern zum Handwerk. Darüber hinaus haben sie dem Oster-Klapperjungen von der Linzer Künstlerin Inge Hein am Neutor sogar ein Denkmal setzen lassen, das während des ganzen Jahres an einen vorösterlichen Brauch erinnert, der in der Bunten Stadt auch nach dem Krieg nicht in Vergessenheit geraten ist.

Jeweils zu Zeiten des sonst üblichen Angelusläutens, um 6, 12 und 18 Uhr, ersetzen am Karfreitag und am Ostersamstagmorgen sowie -mittag nicht mehr nur Messdiener, sondern kleine und große Klapper-“Jungen“ und im Zuge der Gleichberechtigung auch -“Mädchen“ die schweigenden Glocken. Die sind nach einer uralten Legende in der Karzeit trauernd nach Rom geflogen, um sich dort mit Milchbrei zu stärken, damit sie dann am Ostersamstagabend umso fröhlicher die Botschaft von der Auferstehung Jesu verkünden können. So jedenfalls besagt es auch das Osterlied aus dem Linzer Liederbuch in der letzten Strophe der „Botschaft der Klapperjungen“. Diese lautet: „Klipp-klapp, klipp-klipp-klapp, klappern sie stadtauf, stadtab: Menschen nicht umsonst geboren, Frühling steht schon vor den Toren, Auferstehung neu gelungen!, klappern uns die Kapperjungen.“

Hölzerne Klangwerkzeuge, Klappern oder Ratschen sind schon ab dem vierten Jahrhundert als Signalinstrumente für die Gottesdienste überliefert. Von den Glocken abgelöst wurden sie auf dem Festland erst, nachdem diese von irischen Mönchen ab dem sechsten Jahrhundert über den Kanal nach Mitteleuropa gebracht worden waren. Ihre Bedeutung behielten sie jedoch an den Kartagen, passen sie doch eher zu dieser stillen Zeit, die von der Trauer um die Passion und den Tod Christi geprägt ist. Gleichzeitig erinnert das Material der Klappern auch an das Holz des Kreuzes und damit an den Tod, was ebenfalls in dem Lied der Klapperjungen angesprochen wird, die laut der ersten Strophe klagen: „Jesus wird zu Grab getragen. Glockenklang verstummt, verklungen!, klappern uns die Kapperjungen“, während es in der dritten Strophe heißt: „(sie) hämmern dem Gewissen ein: Holz wird Heimstatt dem Gebein, das dem Staube ist entsprungen! klappern uns die Kapperjungen.“

Vom Neutor aus zum Buttermarkt und am Marktplatz vorbei die Rheinstraße zum Burgplatz hinab zog sich am Karfreitag und Karsamstag die Linzer „Klapperschlange“, um dann nach einer kurzen Rast den Weg fortzusetzen über die Mühlengasse und die Kanzlerstraße hoch zur evangelischen Kirche. Von dort ließen die Linzer Osterklapperer vorbei am alten Pfarrhaus von Sankt Martin wieder hinab zum Marktplatz, vorbei am Alt-Gymnasium und der ehemaligen Hildegardisschule runter zum Gestade.

Über 140 Läufer „klapperten“ am Karfreitag durch die Stadt

„Heute Morgen sind gut 90 Klapperjungen vom Neutor aus zu der Runden durch die Stadt gestartet, jetzt sind wir locker weit über 140 Läufer“, berichtete Wolfgang Adams am Karfreitag beim Zwischenstopp auf dem Burgplatz. Während der 72-Jährige eine „handelsübliche“ Klapper mit großen Schlegeln zum Tönen brachte, hatten seine beiden Söhne, Alexander und Boris, gleich eine lange Bierbank zur Klapper umgebaut. „Ich bin schon seit über 50 Jahren mit dabei, auch wenn ich für die Volksbank noch zwei Jahre für mein Klapper-Goldjubiläum drauflegen muss“, berichtete einer der dienstältesten „Klapperjungen“. Zu diesen zählen neben den beiden Söhnen längst auch seine siebenjährige Enkelin Nele und deren erst vierjähriger Bruder Tjasse-Elias.

Basilika ziert eine Seite der Klapperjungen-Medaille

An die 200 Klapperläufer machten sich dann am Samstagmittag auf den Weg, den Linzern und ihren Gästen mitzuteilen, was die Stunde geschlagen hätte. Während sie die erste Etappe ihres letzten diesjährigen Laufs zurücklegten, herrschte in der Stadthalle bereits emsiges Treiben. Nicht nur erfrischende Getränke wurden dort für die Läufer gebunkert, auch die begehrten Klapperlauf-Medaillen wurden von fleißigen Händen, darunter die von Pfarrer Klemens Hombach, ausgepackt, um dem zu erwartenden Andrang gewachsen zu sein.

Die Anwesenheit des Geistlichen lag auf der Hand. Immerhin ziert dieses Jahr der Innenraum der ehrwürdigen Martins-Basilika angesichts der 800-Jahr-Feier der Kirche eine Seite der Klapperjungen-Medaille, während die andere wie immer die Bronzestatue vom Neutor zeigt.

Drei Generationen der Familie Adams sind seit einigen Jahren schon beim Linzer Klapperlauf mit dabei.

Drei Generationen der Familie Adams sind seit einigen Jahren schon beim Linzer Klapperlauf mit dabei.

In Linz ist das vorösterliche Klappern schon lange Brauch, mit dem am Karfreitag- und Ostersamstag die schweigenden Glocken ersetzt werden, um so den Bewohnern, aber auch zahlreichen Zaungästen der Bunten Stadt am Rhein die Zeit anzuzeigen. Fotos: DL

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