Allgemeine Berichte | 15.04.2015

Gemeinsame Jahreswanderung von Bürger- und Heimatverein Rheinbreitbach

Erinnerungen an den Kupfererzbergbau

Experte Jürgen Fuchs führte durch die heimatliche Region zu den Relikten der Vergangenheit

An der alten Bergwerkslore auf dem Renesse-Platz in Rheinbreitbach begann die Wanderung. STUHA

Rheinbreitbach. Zu der diesjährigen Wanderung in lokale historische Gefilde trafen sich Interessierte und Mitglieder des „St. Josephs Bürgervereins 1774“ und des „Heimatvereins Rheinbreitbach“. Diese Gemeinschaftsveranstaltung der beiden großen Vereine findet stets ein besonderes Interesse über Rheinbreitbach hinaus. Geführt werden die historischen Wanderungen meist vom Rheinbreitbacher Bergwerksexperten Jürgen Fuchs, der zudem in den vergangenen Jahren viele Artikel zu unterschiedlichen Aspekten des lokalen Bergbaus publizierte. Das Thema diesmal: die Grube „St. Josephsberg“ in preußischer Zeit und die Bergbaugeschichte am Virneberg ab 1815.

Streifzug durch die regionale Bergwerksgeschichte

Vor 200 Jahren entstand nach dem Wiener Kongress die preußische Rheinprovinz. Die vormals kurkölnischen Kupferbergwerke in Rheinbreitbach bekamen neue Verwaltungsstrukturen und erlebten durch den Einsatz von Dampfmaschinen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Gebrüder Rhodius aus Linz prägten ab 1840 eine neue lebhafte Betriebsperiode. Im Jahr 1855 fanden insgesamt 376 Menschen Beschäftigung in und an der Grube. Die Förderung erreichte 1861 mit 42.000 Tonnen Erzgestein ihren Höhepunkt. Eine englische Grubengesellschaft verschiffte die Erze bis nach Swansea zur Verhüttung. Das Bergwerk erreichte im April 1880 eine Abbautiefe von 255 Metern, über 100 Meter unter dem Rheinniveau. Kurz darauf musste die Grube aus wirtschaftlichen Gründen jedoch aufgegeben werden.

Zu der dreistündigen Wanderung trafen sich gut 50 Interessierte am Renesse-Platz, wo Jürgen Fuchs an der dort aufgestellten alten Bergwerks-Lore einführende Worte zur Bedeutung der Rheinbreitbacher Bergwerksgeschichte un des Kupferabbaus gab.

Wilhelm Hauchecorne - eine herausragende Persönlichkeit

Die Wanderung führte dann durch das Breitbachtal zum „Virneberg“, zum ehemaligen Bergwerksgelände. Dazu gehört auch der freigelegte „Umlaufstollen“, in dessen unmittelbarer Nähe sich die weiteren Bergwerksanlagen und Stollen befanden. Jürgen Fuchs lieferte viele Daten zur damaligen Technik, den dortigen Einrichtungen sowie zur Betriebsführung des lokalen Kupfererzabbaus. Unter den verschiedenen Betriebsleitern des Bergwerks „St. Josephsberg“ spielte insbesondere Wilhelm Hauchecorne (geboren am 16. August 1928, verstorben am 15. Januar 1900) eine wichtige Rolle. Er war preußischer Bergbeamter und Geologe beim Oberbergamt in Bonn, studiert hatte er an den Bergakademien Berlin und Freiberg. Seine Examensarbeit schrieb er über die Kupfererzgrube St. Josephsberg und die Sterner Hütte in Linz. 1854 bis 1858 hatte Wilhelm Hauchecorne die Leitung des Bergwerks St. Josephsberg (Virneberg).

Erze wurden bis nach Südwales verschifft

1862 geht die Grube Virneberg dann in den Besitz der englischen Gesellschaft „Virneberg Copper Mining Company“ über, die sich im August 1870 dann „St. Josephsberg Copper & Lead Mining Company“ nennt. Die Kupfererze wurden nun zur Verhüttung über den Rhein und Rotterdam bis nach Swansea in Wales verschifft. Die Belegschaft betrug zu diesem Zeitpunkt 164 Personen. Bis 1878 hatte der Hadley-Schacht eine Tiefe von 160 Meter erreicht. Er war mit Holz verzimmert, mit Fahrten (Leitern) und einer Förderanlage ausgerüstet. Im April 1880 erreichte dieser Schacht mit seinem Pumpensumpf 255 Meter Tiefe. Der Tiefbau mit seinen aufwendigen Pumpen zur Entwässerung ließ die Betriebskosten stark ansteigen. 1881/82 erwies sich der in über 220 Meter Tiefe nur noch 60 Meter lange Erzgang als nunmehr wenig abbauwürdig. Er wurde dann zwar noch tiefer untersucht, aber nicht mehr abgebaut. Als auch die Kupferpreise fielen, stellte der Grubendirektor R. K. Roskilley 1882 den Betrieb der Gesellschaft ein. Mit Hilfe des alten Obersteigers Josef Mühlenbein wurde durch eine kleine Belegschaft noch einige Zeit Erz gefördert. Im Jahr 1886 erfolgte dann die endgültige Stilllegung des Virnebergs.

Die Wanderung mit vielen Fakten zur lokalen Bergwerksgeschichte endete am „Clouthe-Kreuz“ mit einer Bewirtung.

Jürgen Fuchs erläuterte auf der historische Wanderung Hintergründe zur lokalen Bergwerksgeschichte.

Jürgen Fuchs erläuterte auf der historische Wanderung Hintergründe zur lokalen Bergwerksgeschichte.

An der alten Bergwerkslore auf dem Renesse-Platz in Rheinbreitbach begann die Wanderung. Fotos: STUHA

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