Die Hinweisstele informiert über die Rheinvermessung von 1864
Geschichtsverein und T&G übergaben restaurierten Myriameterstein
Unkel. Hochbetrieb herrschte am am Rheinufer ganz im Norden von Unkel. Dorthin eingeladen hatten der Verein „Touristik & Gewerbe“ (T&G) und der Geschichtsverein. Beide hatten sich in jüngster Vergangenheit des so genannten Myriametersteins angenommen, einer alten Rhein-Vermessungsmarke nördlich der Natorampe. Die soll laut Beschuss der Unkeler Stadtrates in die Liste der Kulturdenkmäler aufgenommen werden. Dazu aber musste der über Jahrzehnte hinweg in Vergessenheit geratene Kilometerstein 48 erst einmal freigelegt und restauriert werden „Endlich erstrahlt der Myriameterstein am Unkeler Rheinufer in neuem Glanz. Anfang 2013 haben wir zusammen mit dem Geschichtsverein Unkel e.V. dieses Restaurierungs-Projekt in Angriff genommen“, erinnerte T&G Vorsitzende Ulrike Kessel in der kleinen Feierstunde, in welcher das ehemals völlig zugeschlammte und stark verwitterte Denkmal der Stadt übergeben wurde.
Zwar sei schon mehrfach in der Vergangenheit der Wunsch aufgekommen, den Myriameterstein Stein zu restaurieren, den sprichwörtlichen Stein ins Rollen gebracht hatte dann aber ein Vortrag von Bruno Kremer von der „Heimatpflege Rheinland“ über die Rheinvermessung. „Das unscheinbare Sandsteindenkmal ist eines der wenigen noch erhaltenen Zeugnisse der ersten Gesamtvermessung des Rheines von 1864. Die enorme Beteiligung der Bevölkerung an dessen Übergabe belegt, dass die Bemühungen der beiden Vereine, die mit ihrem Gemeinschaftsprojekt wieder einen wichtigen Beitrag für die Allgemeinheit geleistet haben, durchaus berechtigt waren“, lobte Stadtbürgermeister Gerhard Hausen, bevor Stadtarchivar Wilfried Meitzner näher auf die Geschichte des Steins einging. „Die 1831 gegründete Central-Commission für die Rhein-Schifffahrt hatte am 25. Mai 1864 in Amsterdam nach der Begradigung des Oberrheins erstmals eine Gesamtvermessung des Flusses beschlossen, die sich von Basel bis zur Rheinmündung erstrecken sollte“, erinnerte Wilfried Meitzner. Drei Jahre später entschied dann die Commission, zur Kennzeichnung der Vermessungsergebnisse so genannte Myriametersteine an beide Rheinufer setzen zu lassen und diese entsprechend für die Rheinschiffer zu beschriften.
„470,00 km von Basel / 354,450 km bis Rotterdam“ ist nach der Restaurierung von dem Fußweg oberhalb der Böschung aus zu lesen, die Information für die Rheinschiffer an der Westseite des Steins lautet „53,922 m über A. P.“ Gemeint ist damit der Amsterdam-Pegel, der der heutigen Normalnull entspricht. Außerdem steht auf dieser Seite die Zahl 48 in römischen Ziffern. Auf der Nordseite ist die Zahl 216,709 km zu lesen, die Länge der Strecke, bis der Rhein die niederländische Grenze passiert. Auf der Südseite erfährt man die Länge der Rheinstrecke, die der Fluss nach Passieren der Grenze zu Nassau durch preußisches Gebiet zurückgelegt hatte. „Uns war ziemlich schnell klar, dass der Stein selbstverständlich an seiner ursprünglichen Stelle wieder aufgerichtet und restauriert werden soll“, so Ulrike Kessel. Entsprechend wurde das Gelände rund um den Stein in Eigenleistung vom T&G freigebaggert, wird aber auch weiterhin naturbelassen bleiben. Da es sich um Überschwemmungsgebiet handelt, wird es nicht zu vermeiden sein, dass auch in Zukunft der Stein immer mal wieder freigelegt werden muss. „Beim nächsten Hochwasser wird der Myriameterstein, wieder ziemlich eingeschlemmt werden. Grund ist das so genannte ’Kehrwasser‘, das erst nach dem Bau der Natorampe hier entstanden ist“, berichtete Josef Welsch.
Die Stadt Unkel hat sich bereit erklärt, ein besonderes Auge auf diesen Teil des Rheinufers zu halten. Darüber hinaus hat sie am Fußweg oberhalb der Böschung eine erklärende Hinweistafel auf einer Basaltstele aufstellen lassen, auf der die wichtigsten Informationen nachzulesen sind. Der Text der Tafel wurde zwischen T&G und GVU abgestimmt. „Außerdem weist ein pfeilförmiges weißes Schild mit dem Hinweis in schwarzer Schrift ’Zur Rheinkilometrisierung von 1864‘ den Weg zu dem Myriameterstein“, so Ulrike Kessel, bevor die Festgesellschaft mit Sekt und Selters auf das neustes Unkeler Denkmal anstieß. DL
