Bürgermeister Hans Georg Faust hatte zum traditionellen Prinzenempfang geladen
Gold-Tollität Otto I. feierte sein 50-jähriges Jubiläum
Linz. Auch wenn es etwas voreilig ist: Der Wettergott muss en Strünzer Jeck sein. Wohl wissend, dass die Linzer Karnevalsmesse nie pünktlich um 12 Uhr zu Ende ist, stellte er genau 15 Minuten später sein feucht-nasses Schneetreiben ein. So konnten die jecken Gottesdienstbesucher um Prinz Tobi I. und Präsidentin Yvonne Adams-van Beek trockenen Fußes das Ratshaus erreichen, in dessen Sitzungssaal sie Stadtbürgermeister Hans Georg Faust zum traditionellen Prinzenempfang eingeladen hatte.
Bei dem wimmelte es nur so von ellenlangen Fasanenfedern im Saal auf dem Weg durch das wippende Meer an den Kopf des Sitzungstisches. Dort wurde Toni I. mit seinen Brüder-Adjutanten Holger und Hendrik bereits vom Gastgeber erwartet. „Dieses Mal sind wir noch später als sonst hier eingetroffen, weil wir nach der tollen Karnevalsmesse von Pfarrer Klemens Hombach noch postum Alfons Daub zum Ehrenpräsidenten und seine Frau Christa zum Ehrenmitglied der Großen Linzer KG ernannt haben“, berichtete der Stadtchef. Der unvergessene Reimeschmied bei Prunksitzungen und Proklamationen hatte im Anschluss an seine Zeit als Geschäftsführer der GLKG 1985 bis 1995 bis zu seinem Tod im März des Vorjahres engagiert den Dachverband der Linzer Karnevalisten geleitet. Zusammen mit dem Vater der Präsidentin, Bruno van Beek, war Alfons Daub vor 30 Jahren Adjutant von Prinz Peter V. gewesen. „Alle drei sind inzwischen gestorben, sodass wir mit ihnen all der Linzer Prinzen und Adjutanten gedenken“, so Hans Georg Faust, bevor er sich den närrischen Gästen zuwandte.
Dabei lernte der gebürtige Hesse, dass sich unter dem Dach der GLKG neben dem Jubiläumscorps der Grün-Weißen Husaren um Kommandant Nihat Kökce und dem Vorsitzenden Frank Reufels mit den Möhnen um Renate Weber, den Stadtsoldaten rut-wiess von 1934 unter Kommandant Markus Paffhausen, der Schweren Artillerie von 1939 um den Ex-Prinzen, Commodore Christian Siebertz, den Roten Husaren 1955 um den Vorsitzenden Bernd Berg und Rittmeister Tobias Grunwald, dem Funkencorps Blaus-Wiess von 1986 mit Kommandant Bernd Rechmann sowie dem 1971 ins Leben gerufenen Elferrat insgesamt sieben Corps knubbeln. „Die Fanfaren unter Michael Weinberg gehören zum TV Linz. Wir sind froh, dass wir sie sowie das Scooter Team und die Köbesse im Fastelovend mit dabei haben“, so Yvonne Adams-van Beek. „Wir sind alle restlos begeistert, nicht nur von unserem Prinzen, sondern von dem ganzen Derek-Clan, der sich mit dem Tanz zum Prinzenlied die Note eins verdient. Und auch der Gesang ist seit der Proklamation schon erheblich besser geworden“, so der Stadtchef. Davon konnte er sich direkt im Anschluss live überzeugen, wenngleich ihm das Ende der zweiten Strophe nicht sehr gut gefallen haben dürfte, sagt ihm die Tollität doch darin die Niederlage des Stadtrats siegesgewiss voraus.
Obwohl sein nahes Ende vor Augen, ließ sich Hans Georg Faust aber nicht aus der Ruhe bringen und widmete sich den fünf Jubelprinzen, allen voran der Gold-Tollität Otto I., „Kommandant der roten Husaren“ aus dem Hause Muthers. „Rosenmontag vor 50 Jahren hatten wir mit 18 Grad und einem strahlend blauen Himmel einen wunderschönen Tag“, erinnerte sich dieser. Dienstältester Prinz nach ihm war Manfred Küpper, der vor 40 Jahren als Prinz Mella I., „Großfürst von Kamelle und Teig“ das Narrenzepter geschwungen hatte. „Auch wenn du am Aschermittwoch nicht Prinz Tobi, sondern nur noch d’r Tobi bist, jläuf mer, em Hätz blievste immer Prinz vun Linz“, verriet er dem aktuellen Strünzer-Regenten. „Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen“, stimmte ihm Karl-Hubert Dütz zu, der als Hubi I. „von Jröön un Wiess“ diese Session sein Silberjubiläum feiert. Als das Highlight seines Lebens bezeichnete Wolfgang Kruft die Zeit, die er, ein komplett eingebürgerter Rheinbrohler, als Wolfgang I. „von der närrischen Au“ vor 20 Jahren in seiner neuen Heimat verbracht hatte.
„Unser vor 60 Jahren aus zehn kessen Bienen gegründete Corps unter meinem Vater als Kommandant war ja im Grunde der Wegbereiter für Euch als Husaren“, so Helmut Muthers als „zehnjähriger“ Prinz Helmut I., „ne Jeck ohne Grenzen“. Allerdings habe seine Mutter Trude als eingefleischte „ruude“ lange gegen grün- oder blau-wiesse Corps angekämpft: „In Eurem Gründungsjahr war mein Vater Prinz, dessen Regentschaft ich als damals 13-Jähriger miterlebt habe. Es hat lange gedauert, bis ich, aus Österreich einreisend, in seine Fußstapfen treten konnte“, erinnerte er. Dass er an „Führers Geburtstag“, am 20. April, zum Nachfolger vom Lücke Hein „Vum rut-wießen Trömmelche“ gewählt worden war, habe er nicht als böses Omen angesehen. Anhänger einer auf Menschenverachtung und Ausgrenzung abzielenden Gesinnung haben nichts im Fastelovend zu suchen, ebenso wenig wie Pegida-Anhänger, die sich eben nicht auf die abendländische Kultur beziehen können, da diese auf christlichen Werten basiere, wie Klemens Hombach in seiner Predigt am Vormittag unterstrichen hatte.
