Bundesweit erste Pyreg-Anlage in Unkel den Betrieb aufgenommen
Gut für Umwelt und Geldbeutel
Betriebskosten des Klärwerks und somit auch Gebühren für die Bürger konnten kontinuierlich gesenkt werden
Unkel. „Wir müssen die Menschen von der Wirksamkeit innovativer Umwelttechnologie überzeugen!“ Diese Forderung Klaus Töpfers stellte der Linzer Verbandsbürgermeister Hans-Günter Fischer als Vorsitzender des Zweckverbands „Abwasserbeseitigung Linz-Unkel“ an den Beginn seiner Rede zur Inbetriebnahme der bundesweit ersten Pyreg-Anlage zur Klärschlammbehandlung. Begrüßen konnte er auch im Namen seines Stellvertreters, des Unkeler VG-Bürgermeisters Karsten Fehr, am Klärwerk im Norden von Unkel den Präsidenten der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, Ulrich Kleemann, und Staatssekretär Thomas Griese vom Mainzer Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten.
„Innerhalb von vier Jahren wurde unsere Kläranlage mit einer Ausbaugröße von 28.000 Einwohnerwerten von der herkömmlichen aeroben Schlammstabilisierung durch den Bau einer zweistufigen Kompaktfaulungsanlage auf die so genannte anaerobe Klärschlammfaulung umgestellt“, erklärte Fischer. Sauberes Wasser, eine möglichst klimaneutrale Abwasseraufbereitung und der effiziente Einsatz von Energie sorgten für stabile Wasser- und Abwasserpreise, hob er hervor.
Erste Planungen für ein neues Konzept ab 2008
Vor dem Hintergrund ständig steigender Energie- und Entsorgungskosten habe der Zweckverband bereits 2008 nach Optimierungsmöglichkeiten für seine Kläranlage gesucht. Nur ein Jahr später sei begonnen worden, auf das neue Entsorgungskonzept zu setzen. „Durch diese Systemumstellung, die 2,5 Millionen Euro gekostet hat, können wir die Abwärme der Faulgase energetisch nutzen, indem das Klärgas in einer Mikroturbine zur Stromerzeugung mit Wärmerückgewinnung genutzt“, so Fischer. Auf diese Weise habe man den Fremdstrombezug für die Kläranlage von knapp 74.000 Kilowattstunden auf etwas über 34.000 Kilowattstunden mehr als halbieren können. Das habe dazu geführt, dass der Zweckverband bei den Betriebskosten über 120.000 Euro pro Jahr einspare und gleichzeitig auch 600 Tonnen weniger CO2 produziere, was den Bürgern beider Verbandsgemeinden wiederum eine langfristige Gebühren-Stabilität beschere.
Aus Klärschlamm wird Dünger für die Landwirtschaft
In einer zweiten Investitionsstufe habe der Zweckverband 2,1 Millionen Euro in die Hand genommen, um eine neue Halle für die Entwässerung des Klärschlamms mittels einer Schneckenpresse zu bauen, sowie einen Niedertemperatur-Bandtrockner und ein Pyreg-Modul. „Mit dem Pyreg-Verfahren sind wir jetzt in der Lage, den Klärschlamm so aufzubereiten, dass wir den darin enthaltenen Phosphor mit einem hohen pflanzenverfügbaren Anteil zu 100 Prozent erhalten und ihn zur Düngung an die Landwirtschaft weitergeben können“, erklärte Hans Günter Fischer. „Außerdem wird die Klärschlammmenge von eingangs rund 3.800 Tonnen auf etwa 600 Tonnen reduziert, sodass wir hier in der Lage sind, nicht nur den Klärschlamm aus unseren bergseitigen Anlagen in Hallerbach und Broichenbach mit aufzunehmen. Wir können auch Unternehmen wie der Firma Rabenhorst anbieten, ihre Rückstände aus der Saftproduktion in unserer Anlage zu einem Dünge-Wertstoff zu verarbeiten“, führte Fischer weiter aus.
Ein Projekt mit Vorbildcharakter über die Landesgrenzen hinaus
Energetisch auf eigenen Füßen stehend, habe das Klärwerk über die Grenzen des Bundeslandes hinaus Vorbildcharakter, urteilte Thomas Griese. „Auch die Ressourcen an Phosphor sind begrenzt, sodass hier in Unkel, mit der Rückgewinnung dieses Wertstoffs Pionierarbeit geleistet wird“, so der Staatsekretär. Die Bundesregierung plane, ein Recycling von Phosphor, der in Ländern mit intensiver Landwirtschaft und Tierhaltung im Überschuss über die Gülle produziert wird, in den nächsten Jahren zur Pflicht zu machen, berichtete er, bevor er den beiden Vorsitzenden des Zweckverbands Bewilligungsbescheide überreichte. Neben einem Förderbescheid für weitere wassertechnische Maßnahmen in Höhe von 266.245 Euro fördert das Land neue Klärschlamm-Verwertung in Unkel mit der Zusage über weitere 203.000 Euro insgesamt mit 995.000 Euro.
