Der Amtsinhaber fuhr mit 67,5 Prozent der Stimmen ein überwältigendes Wahlergebnis ein
Hans-Günter Fischer bleibt weitere acht Jahre Linzer Verwaltungschef
Linz. Die Bürger der Verbandsgemeinde Linz haben sich deutlich entschieden: Der Amtsinhaber Hans-Günter Fischer soll Chef der Verwaltung bleiben. Das wünschten sich 67,5 Prozent der Wähler bei einer Wahlbeteiligung von 41,2 Prozent (4.028 Stimmen). Lediglich im Vettelschoßer Wahlbezirk I hatte der Herausforderer die Nase vorn.
Als um 18 Uhr die Wahllokale schlossen, hatte sich Hans-Günter Fischer mit seiner Familie und vielen Vertrauten in seinem Amtszimmer zurückgezogen. Im Sitzungssaal warteten da bereits etliche Linzer zusammen mit dem Bundestagesabgeordneten Erwin Rüddel auf die Ergebnisse. Als erstes erschien das Ergebnis aus Kasbach-Ohlenberg II auf dem großen Bildschirm mit Zahlen, die fast dem Endergebnis entsprechen sollten, hatten doch 67,7 Prozent für Hans-Günter Fischer votiert. Von einem sicheren Sieg konnte jedoch noch lange nicht gesprochen werden, als dann das besagte Ergebnis aus Vettelschoß einlief, obwohl Linz III den Amtsinhaber erneut mit 62,7 Prozent der Stimmen vorne sah. Die Wahl war so gut wie gelaufen, als Hans-Günter Fischers Kollege aus Unkel, Karsten Fehr, im Sitzungssaal erschien. Lediglich die Ergebnisse der beiden anderen Linzer Wahllokale aus der Stadthalle mussten noch abgewartet werden, um letzte Sicherheit zu haben. Da hätte Wolfgang Bernath aber nahezu 80 Prozent der Wähler von der Notwendigkeit eines Wechsels überzeugt haben müssen angesichts der 76,1 und 75,3 Prozent der Wähler aus Sankt Katharinen, die für den gebürtigen Lorscheider votiert hatten. Kurz vor 19 Uhr stand dann der Sieger fest, nachdem sich in Linz II nur 26,8 und in Linz I lediglich 29 Prozent für den Herausforderer entschieden hatten.
Wahlkampf wird weiteren Diskussionsstoff bieten
Der Jubel im Sitzungssaal war unter den CDU-Mitgliedern und -Sympathisanten groß. Als bekanntes Mitglied der Bunten Koalition war nur der Sozialdemokrat Dieter Runkel auszumachen, welcher sich dann auch zu seinem Mitstreitern begab. „Wir haben die Mehrheit eindeutig verpasst, die Wähler haben dem Amtsinhaber ihr Vertrauen geschenkt“, so dessen erster Kommentar. Das Ergebnis sei eindeutig und schaffe klare Verhältnisse, aber: „Das ist kein guter Tag für die Verbandsgemeinde. Es ist uns offensichtlich nicht gelungen, den Wählern die entscheidenden Themen ausreichend deutlich zu machen“, erklärte er.
Freudestrahlend betrat dagegen der Wahlsieger den Sitzungssaal, auch wenn Hans-Günter Fischer die Anspannung der vorangegangenen Tage noch deutlich anzumerken war. „Das war ein sehr besonderer Wahlkampf, der Einmaligkeiten mit sich gebracht hat, die in den nächsten Tagen noch Diskussionsstoff bieten werden“. Damit sprach er nicht die in der Presse als „Schlammschlacht“ bezeichnete Sondersitzung des VG-Rates aus, in der ihm eine übergebührliche „Selbstdarstellung“ im Amtsblatt der VG vorgeworfen worden war. Vielmehr sprach er damit die Anzeige der Bunten Koalition an, in der ihm die Verantwortung für den Verlust von zwei Millionen Euro Steuergelder vorgeworfen worden war.
„Diese Wahlkampfpolemik geht entschieden zu weit“, hatte Hans-Günter Fischer moniert. Vieles an der Anzeige sei einfach falsch, teils schlicht unwahr, was ihn veranlasse, rechtliche Schritte zu prüfen. Grund für den hohen Schaden sei ein Systemfehler des Landes gewesen. Inzwischen seien die ehemals gestrichenen Kontrollmitteilungen über Steuerbescheide vom Land wieder eingeführt worden. „Das ist eine Schmutzkampagne, die darin gipfelt, dass Personen namentlich als Unterstützer abgedruckt worden sind, ohne diese zu fragen, ob sie damit einverstanden sind“, monierte auch Achim Nonnen, der Vorsitzende der CDU-Fraktion im VG-Rat, am Wahlabend. Er wisse nicht, wie die übrigen Ratsfraktionen, die sich mit ihren Unterschriften hinter die Anschuldigungen gestellt hatten, mit dem VG-Chef und der CDU-Fraktion weiterarbeiten wollten.
Hans-Günther Fischer möchte eine „Blockbildung“ verhindern
Der Dank des alten und neuen Amtsinhabers galt allen, die zu den Urnen gegangen waren, vor allem natürlich denjenigen, die sich für ihn entscheiden hatten. „Sie haben mir die Möglichkeit gegeben, in den kommenden acht Jahren weiterhin dafür zu sorgen, dass die Region noch vorne kommt“, kommentierte er das Wahlergebnis. Gleichzeitig wolle er aber schon am Wahlabend ein Zeichen geben, dass alle eingeladen seien, im Interesse an der Heimat an diesem Prozess mitzuwirken.
„Ich lade alle, die sich an einer sachorientierten Arbeit beteiligen wollen, ein mitzumachen. Blockbildung bringt uns nicht weiter“, wandte er sich die Mitglieder der Bunten Koalition. Nach der Anzeige in der Presse zwei Tage vor dem Wahltag dürfte es einigen der Bunten Koalition schwer fallen, dieses Angebot gerne anzunehmen, hatten sie doch für einen Wechsel gekämpft. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im VG-Rat, Hans-Joachim Schwedthelm, sieht da jedoch kein Problem. „Die Situation wird sich schon wieder beruhigen. Inhaltlich haben wir in der Vergangenheit sehr vernünftig zusammengearbeitet“, so seine Einschätzung.
Hinsichtlich des Vorwurfs, eine Schlammschlacht gegen Hans-Günter Fischer im Wahlkampf geführt zu haben, verwies er darauf, dass man gerade in Stilfragen hinsichtlich des Umgangs miteinander den Schuldigen nicht ausschließlich aufseiten der Bunten Koalition suchen dürfe. „Das Wahlergebnis ist für uns trotz eines sehr guten und engagierten Kandidaten nicht befriedigend, aber es hat keinen Sinn, den Wahlkampf weiterzuführen. Wir werden den Weg der Sachlichkeit einschlagen, um die anstehenden Sachfragen vernünftig zusammen zu lösen“ so Hans-Joachim Schwedthelm.
Zu dem Vorwurf, eine Schlammschlacht geführt zu haben, äußerst sich Wolfgang Bernath auf Anfrage von „Blick aktuell“: „Ich war 2012 nicht in den Fall der entgangenen Gewerbesteuereinnahmen involviert und kann dazu nicht viel sagen.
Bei meinen gut 4.000 Hausbesuchen bin ich aber oft darauf angesprochen worden, warum wir diesen Fall im Wahlkampf nicht aufgreifen.“
Nicht dass er einen Fehler gemacht habe, sondern wie er man mit diesem Fehler umgegangen sei, werde dem VG-Chef vorgeworfen. Möglicherweise scheine der Umgang des Verwaltungschefs mit den Mandatsträgern und den Beigeordneten für die Bürger nicht sonderlich interessant zu sein, während die Interna der Verwaltungsführung die Bevölkerung ja kaum betreffen würden.
Auch nach der Niederlage wird man Wolfgang Bernath, der die VG während seiner Hausbesuche näher kennengelernt hat, sicher öfter wiedersehen. Für den passionierten Langstreckler biete sich etwa eine gute Gelegenheit beim anstehenden „Rheinhöhenlauf“. „Leider hat es nicht gereicht, das Ergebnis ist eindeutig und klar. Ich gratuliere Herrn Fischer zu seinem in dieser Deutlichkeit von mir nicht erwarteten Erfolg und danke allen Wählern, die für mich gestimmt haben. Ich bedanke mich auch für einen tollen und engagierten Wahlkampf mit vielen Unterstützern. Der VG Linz wünsche ich stabile politische Verhältnisse und werde das Geschehen mit etwas räumlichem Abstand interessiert verfolgen“, verabschiedet sich Wolfgang Bernath vorerst zumindest von der politischen Bühne.
