Die mächtige Erdscholle am Kaiserberg ist zum Stillstand gekommen
Haus Nr. 15 ist gerettet
Aufruf zur Spendenaktion für Familie Trier
Linz. „Tag und Nacht haben alle Beteiligten, vor allem aber die bauausführende Firma vor Ort gearbeitet, um einen Stillstand der Rutschbewegung hier am Hang des Kaiserbergs zu erreichen. Gestern Mittag konnte dann nach 48 Stunden intensivster Bautätigkeit die Sicherung erfolgreich abgeschlossen werden“, bestätigte der Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD), Ulrich Kleemann, am Montagvormittag die Nachricht, mit der am Vortag bereits Karl Heinz Wölbert die Familie Kramer aus dem evakuierten Haus Nr. 15 beruhigt hatte.
Unermüdlichen Einsatz gezeigt
„Aufatmen, durchatmen, entspannen! Die Bewegung des Hangs ist zum Stillstand gekommen“, hatte er am Sonntagmittag erleichtert verkündet. Man habe den Wettlauf mit der Erdscholle ganz offenbar gewonnen. Möglich sei dies nur gewesen, weil alle an der Aktion Beteiligten enorm motiviert, Hand in Hand über Tage und Nächte hinweg mit größtem Einsatz zusammengearbeitet hätten. „Das Haus der Familie von Sven Kramer ist gerettet“, hatte der Stadtbeigeordnete frohlockt. Das hatte 36 Stunden zuvor noch ganz anders ausgesehen. Eine äußerst unruhige Nacht lag am frühen Samstagvormittag daher hinter der Familie von Sven Kramer, hatte sie doch noch extrem um ihr erdrutschbedrohtes Zuhause am Fuß des Kaiserbergs bangen müssen. „Vor allem durch den anhaltenden Regen, möglicherweise auch, weil nach dem Abriss von Haus 13 ein massiver Widerstand fehlte, hatte der Hang zeitweise enorm Fahrt aufgenommen“, hatte Wolfgang Beck von der SGD am Freitag noch berichtet. Mit der beängstigenden Geschwindigkeit von 10 bis 15 Zentimeter pro Stunde habe sich die 30.000 Tonnen schwere Erdscholle talwärts bewegt. „Momentan können wir zwar noch keine Entwarnung geben, aber die Erdschicht ist inzwischen wieder erheblich langsamer geworden. Nach aktuellen Messungen legt sie nur noch etwa 0,5 bis 0,2 Zentimeter pro Stunde zurück“, hatte der Fachmann ergänzt. Zu verdanken sei dieser Teilerfolg nicht zuletzt den Mitarbeitern des Rheinbreitbacher Unternehmens, die den Wall aufgebaut hatten, und der Transportfirma, die von der Mannschaft des Steinbruchs Naack mit dem nötigen Schotter bedient worden war, der in zwei Schichten unermüdlich die Nacht hindurch eingebracht und verdichtet worden war.
Noch Schlimmeres verhindert
Am Montagmorgen dann brannte im Haus Nr. 15 wieder Licht. Nach einer extrem qualvollen Woche konnte die Familie Kramer ihr Zuhause endlich wieder beziehen. „Mit dem Stillstand des Hangs haben wir ein wichtiges Etappenziel erreicht. Die Situation ist jetzt beherrschbar, das Haus ist nicht mehr gefährdet“, resümierte Ulrich Kleemann, der sich zusammen mit dem Staatssekretär des Ministeriums für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung, Uwe Hüser, sowie dem Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel und der Landtagsabgeordneten Ellen Demuth am Montag vor Ort ein Bild von den abgeschlossenen Sicherungsmaßnahmen machte. Das Mitgefühl aller gelte natürlich der Familie Trier, die mit dem Abriss ihres Hauses abgesehen von einigen persönlichen Gegenständen alles verloren haben. Allerdings sei es nach dem Abriss darum gegangen, noch Schlimmeres zu vermeiden, ergänzte der SGD-Präsident.
Ein Wall aus Basaltschotter
Nicht nur von der Nordostecke des Parkplatzes bis in Höhe des Kramer-Hauses türmt sich ein Widerlager aus grobem Basaltschotter so hoch auf, dass von der vier Meter hohen Stützmauer nichts mehr zu sehen ist. Auch auf dem Grundstück des abgerissenen Hauses war von Stunde zu Stunde ein Schotterwall angewachsen, das somit jeglichen Wert als Bauland verloren hat. „Man konnte nicht wie geplant weiter Beton an der Rutschkante anbringen, da die rund 14 bis 15 Kubikmeter umfassenden Massen der Erdscholle das nicht ausgehärtete Material nur vor sich her geschoben hätten“, erklärte Stadtbürgermeister Hans-Georg Faust, der direkt bei Bekanntwerden des Erdrutsches seinen Urlaub abgebrochen hatte. Dagegen konnte der Wall aus verdichtetem Schotter direkt mit der Böschung verbunden werden, so dass er den Druck der 2.000 Quadratmeter großen Erdmassen allmählich abfing. Und das früher als geplant, hatte Karl Heinz Wölbert doch am frühen Samstagmorgen zwar Licht am Ende des Tunnels gesehen, mit einem Stillstand aber erst im Laufe des Montags gerechnet.
Brillante Rettungsaktion
„Die Rettungsaktion war brillant organisiert. Alle Verantwortlichen haben hervorragende Arbeit geleistet“, schwärmte Uwe Hüser. Sein Dank galt den Mitarbeitern des Landesamtes für Geologie und Bergbau, der Stadt Linz und der Verbandsgemeindeverwaltung, dem Forstamt, dem THWE und der Feuerwehr, der Polizei wie den bauausführenden Firmen, nicht zuletzt aber den Mitarbeitern der SGD, allen voran Wolfgang Beck als dem kompetenten und besonnenen Koordinator der Aktion. „Die Verbandsgemeinde hat uns das Abriss- und Erdarbeits-Unternehmen empfohlen und mit dem haben wir nun wirklich einen hervorragenden Griff getan“, lobte dieser die Rheinbreitbacher Firma. Diese habe es sogar geschafft, die entsprechenden Zulieferer zu überreden, ebenfalls nachts zu arbeiten. Über die Kosten konnte Wolfgang Beck noch keine genauen Aussagen machen. Bereitgestellt hatte das Land im Wege der Ersatzvornahme 140.000 Euro, 20.000 Euro, so Uwe Hüser, habe allein der Hausabriss gekostet. „Nachdem die akute Gefahr jetzt beseitigt ist, müssen wir in Ruhe prüfen, wie der Stadt, vor allem aber den betroffenen Anwohnern, allen voran der Familie Trier bei der Schadenbewältigung geholfen werden kann“, erklärte der Staatssekretär. Er werde dem Ministerrat diese Woche berichten und dann werde man sehen, welche Lösungen machbar seien und wer überhaupt zuständig sei.
Große Hilfsbereitschaft
„Neben der hervorragenden fachlichen Arbeit, bis hin zur Versorgung der beiden ungefährdeten Häuser mit einer Sonder-Gasleitung war auch die breitgefächerte Hilfsbereitschaft der Menschen vorbildlich“, betonte Hans-Georg Faust. In fast jeder Linzer Gaststätte würde für die Opfer der Katastrophe gesammelt, berichtete er. „Das, was in der Kürze der Zeit möglich gewesen ist, wurde in optimaler Weise umgesetzt“, stimmt ihm VG-Chef Hans-Günter Fischer zu. Das gelte nicht zuletzt auch für die Spendenaktion der Initiative „Hangrutsch Kaiserberg“, die nach Dieter Korf vom DRK großen Zuspruch erfahre.
Spenden und Benefiz-Aktionen
„Wir haben uns am Donnerstagabend unter dem Eindruck der erschütternden Bilder des Abrisses zusammengesetzt und uns überlegt, wie man die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung koordinieren kann“, so der DRK-Vorsitzende. Daraus ist die Initiative hervorgegangen, bei der das Linzer DRK die Verwaltung des Spendenkontos übernimmt: bei der Sparkasse Neuwied, BLZ 574 501 20, Konto 302 999 94, IBAN: DE 16 5745 0120 0030 2999 94, Empfänger: DRK Linz e.V. Kennwort: Initiative „Hangrutsch Kaiserberg“.
„Eine erste Spende konnte der stellvertretende DRK-Vorsitzende Josef Chevally bereits heute verbuchen. Als er am Morgen behinderten Kindern auf der Fahrt zu ihrer Einrichtung in Sankt Katharinen von dem Schicksal der Familie Trier erzählte und das Spendenkonto erwähnte, hat ein kleiner Fahrgast sein Portemonnaie gezückt und ihm drei Euro für das Spendenkonto gegeben“, hatte Dieter Korf am Freitagvormittag berichtet. Anfang der Woche waren schon über 300 Gutschriften zu verzeichnen. Darüber hinaus hätten Vereine und Gruppen Benefiz-Aktionen angekündigt. So spielen etwa die Bad Honnefer „Blueshunter“ und die „Ton-Band 20.11“ aus dem Linzer Raum am Samstag, 14. März, in der Stadthalle zugunsten von „Hangrutsch Kaiserberg“, während die Gastronomen-Familie Kabaoglu, die auf dem Marktplatz die Restaurants „Efes-Grill“ und „Zum Minnesänger“ betreibt, ihre Gastronomen- Kollegen der Bunten Stadt am Rhein aufruft, an einem Tag im Mai, wenn der Fremdenverkehr wieder boomt, komplett auf ihre Tageseinnahme zu Gunsten der betroffenen Familie zu verzichten. „An einem solchen Tag könnten sich auf dem Markt auch Vereine mit Aktionen einbringen“, so Seniorchef Cemal Kabaoglu, der zudem hofft, dass sich auch der Vorstand der Linzer Werbegemeinschaft in die Planung einbringt.

Betroffene Gesichter angesichts des bitteren Schicksals von Heike und Stefan Trier auch bei Ulrich Kleemann und Uwe Hüser beim Ortstermin. Fotos: DL
