Gemeinde Sankt Severinus hatte zum Pfarrfest ins Zentrum der Alten und Freien Herrlichkeit geladen
Im Finale entschieden Hansi und Christian Freund die Boulemeisterschaft für sich
Erpel.Bewährte und bei den Gegnern gefürchtete Schweinchen-Jäger trafen sich am Sonntagmittag wieder auf dem Kirchvorplatz zum traditionellen Boulespiel.
Mit dabei natürlich die zweimaligen Sieger aus 2009 und 2010, Heinrich Holkenbrink und Jürgen Monschau, die sich nach vorzeitigem Aus in 2011 im Vorjahr erst im Finale Biggi und Richi Klein geschlagen gegeben hatten, oder das Kessler-Team mit Vater Michael und Sohn Kai Lukas, Sieger in 2008 und Zweitplatzierte in 2011. Einzige Neulinge im Feld der acht Mannschaften waren Maria Radke und Thomas Sisic.
Mit diesem Treffen der conochet-Jäger, wie die Zielkugel auf französisch heißt, war klar: Die Gemeinde Sankt Severinus feiert wieder ihr Pfarrfest. Und das hatte am Vormittag mit dem Hochamt und der darauf folgenden Prozession begonnen. Entsprechend herrschte gegen Mittag auch schon eifriges Treiben rund um das Pfarrheim, obwohl die ersten Gäste dort erst gegen 14 Uhr erwartet wurden. Im Raum neben der Pfarrbücherei, aus der kistenweise Bücher für den Herbstflohmarkt die den Hof getragen wurden, wurde schon alles für die Herbstbastelei vorbereitet, bei der lustige Vogelscheuchen entstehen sollten.
Crêpes, Torten und Kuchen
Währenddessen bauten die Messdiener an der Garage ihre Backstube für die „Himmlischen Crêpes“ auf. Denen machten natürlich die vielen Torten und Kuchen Konkurrenz, die permanent im Pfarrsaal für die Cafeteria einliefen.
„Außerdem wacht Werner Lerdo auch wieder unter seinem weißen Pavillon über die heißen Siedwürstchen“, berichtete Dorothee Holkenbrink, die Ortsausschussvorsitzende des Pfarrgemeinderates, während in der Garage immer mehr Holzspiele aufgebaut wurden, bis hin zu einem großen „Mensch-ärgere-dich-nicht“-Tisch. Kleinen Wirbelwinden, denen diese nicht wirbelig genug waren, konnten sich auf der Hüpfburg austoben, die sich auf dem Rasenstück im Wester des Grundstücks aufblähte.
Schwer mit Kuchenstücken beladen, kam Bürgermeisterin Cilly Adenauer vom Pfarrfest bei den Boulespielern vorbei, bei denen gerade der Vorsitzende des Bürgervereins zusammen mit seinem Vorgänger Niko Czeslik eine bittere 0:9-Niederlage gegen Hildegard Neustein und Günter Brüsselbach hatte hinnehmen müssen.
Wie niederschmetternd diese im Endeffekt aber werden sollte, wurde erst bei der Gruppenendabrechnung deutlich. Bei je zwei gewonnenen und einem verlorenen Spiel belegte Hansi Freund mit Sohn Christian bei 22:13 Punkte den ersten Platz, während Neustein/Brüssel mit 18:11 die nur um einen Punkt schlechteren Schäfer/Czeslik aus dem kleinen Finale drängten.
Ausgeschieden mit nur einem Sieg in der Herz-Gruppe waren auch die Zweifach-Sieger vergangener Tage, Monschau/Holkenbrink, während sich der Vorjahressieger Richard Klein, dieses Mal mit Hendrik Gerlach als neuem Partner, mit 23:16 Punkten für das Spiel um Platz drei qualifiziert hatte.
Ungeschlagener Sieger dieser Gruppe aber war das Kessler-Team, das die Vorrunde souverän mit 27:11 Punkten absolviert hatte.
Theaterstück für junge Zuschauer
Während Hildegard Neustein und Günter Brüssel bereits nach dem dritten Durchgang mit 9:0 in Führung lagen, wurde es ruhiger vor dem Pfarrheim.
Der Grund: Im Rathaus stand ein Theaterstück vor allem für junge Zuschauer an. Andreas Kurz-Richarz hatte in einem Workshop der Bücherei mit sieben jungen Schauspielerinnen die Geschichte von „Frederik“ nach einem Buch von Leo Lionni einstudiert. Anders als der Rest seiner schwatzhaften Mäusefamilie trifft der Titelheld keine Vorsorge mit Nahrungsmitteln für die harten Wintermonate.
„Er bewahrt seine im Sommer eingefangenen Worte, Farben und das Sonnenlicht, und nachdem die Vorräte der Familie dann im Winter aufgebraucht sind, unterhält er sie mit seinen gehamsterten Schätzen“, so die neunjährige Luisa, die den Part des Protagonisten übernommen hatte. Indem Frederik seine hungernde Familie mit seinen immateriellen „Vorräten“ füttert, hilft er ihr, mit Träumen und Hoffnungen die harten Wintertage zu überleben.
Spannung auf der Boule-Bahn
Noch spannender als im Rathaus war es auf der Boule-Bahn zugegangen, und dies nicht nur, weil Edgar Neustein ein über’s andere Mal als Maßbandspezialist gefragt war.
Hatten Neustein/Brüssel nach der klaren Führung schon als sichere Sieger ausgesehen, so wurden die Zuschauer nach und nach eines Besseren belehrt. Mühsam, aber Punkt für Punkt pirschten sich Richard Klein und Hendrik Gerlach in einer unglaublichen Aufholjagd in acht Partien über 9:4 und 11:5 bis auf ein 11:11 heran - um sich dann doch im zwölften Durchgang nach einem „Zweier“ Hildegard Neustein und Günter Brüssel geschlagen zu geben.
Noch ausgeglichener, ohne eine solche rasante Führung wie im kleinen Finale, verlief das Endspiel der Vater-Sohn-Mannschaften. Zunächst führten Michael und Kai Lukas Kessler nach sechs Partien 5:2, vier Partien später hatten Hansi und Christian Freund mit 5:8 die Führung übernommen, um sie nach weiteren vier Durchgängen mit 10:8 wieder an die Kesslers abzugeben, bevor sie auf 10:10 gleichziehen konnten. Dann aber gelang ihnen der erste und einzige „Dreier“ des Finales, der ihnen, neben dem Ruhm, als 17. Dorfsieger in der Geschichte des Erpeler Bouleturniers einzugehen, auch den begehrten, 1997 gestifteten Wanderpokal bescherte.
