Die Trinitatisgemeinde feierte das 150-jährige Bestehen ihrer Kirche in Linz
Jubiläum bei bestem Wetter begangen
Mit dem Festgottesdienst fanden die Feierlichkeiten einen würdigen Abschluss
Linz. Angeführt von den Presbytern aus beiden Pfarrbereichen zogen die Pfarrer der Trinitatis-Kirchengemeinde Linz, Ute Brodd-Laengner, Michael Busch und Christoph Schwaegermann zusammen mit dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, zu dem vom Singkreis und Posaunenchor musikalisch gestalteten Fest-Gottesdienst in die Kirche ein. Anlass für den hohen Besuch, der als Gastprediger in die Bunte Stadt am Rhein gekommen war, waren die Feierlichkeiten zum Jubiläum „150 Jahre Evangelische Kirche Linz“, an denen auch VG-Chef Hans-Günter Fischer und Stadtbürgermeister Hans Georg Faust teilnahmen. Feierlich eingeweiht worden, war die Kirche am 29. Juni 1865, am Tag der Apostel Petrus und Paulus. Ursprünglich als Termin war eigentlich Pfingsten geplant gewesen, allerdings konnte der Wuppertaler Orgelbauer Adolph Ibach das bei ihm in Auftrag gegebene Instrument wegen einer Erkrankung seines Pfeifenmachers nicht bis zum 4. Juni fertig stellen, so dass es zu der späteren Einweihung kam, wie man bei Franz-Josef Vogt in seinem „Kapitel aus der Orgelgeschichte“ im aktuellen Gemeindeheft „Beziehungsweise“ nachlesen kann. Evangelische Prediger waren in Linz schon vor 570 Jahren. So hatte der Erzbischof von Kurköln, Hermann von Wied, der als Anhänger der Reformation bereits 1542 beschlossen hatte, zunächst in Bonn, Linz und Andernach das Evangelium „rein“ predigen zu lassen, als ersten evangelischen Pfarrer von Linz Albert Hardenberg 1545 ernannt. Bereits ein Jahr zuvor hatte sich der ehemalige Ordenbruder der Minoriten, Johann Meynershagen, den Hermann zu Wied in Bonn als Prediger eingesetzt hatte, am 15. März im damaligen katholischen Pfarrhaus evangelisch trauen lassen, nachdem zuvor der bisherige Pfarrer Nikolaus von Bergh gewaltsam vertrieben worden war. Mit dem Sturz des Erzbischofs 1547 endete dieser frühe Reformationsversuch in Linz. Hermanns Nachfolger Adolf von Schaumburg erzwang mit Druck und Drohungen die Rückkehr der evangelisch Gesinnten in den Schoß der einzigen, wahren Kirche, so dass es drei Jahrhunderte lang in Linz keine evangelische Gemeinde, geschweige denn einen evangelischen Gottesdienst gab. 1812 lebten acht Lutheraner in der Stadt, die von der evangelischen Pfarrei in Remagen betreut wurden. Diese Zuständigkeit Remagens blieb bis 1856 bestehen, obwohl die Zahl der nach preußischer Ordnung „unierten“ Protestanten stetig zunahm, nachdem das Rheinland mit der Neuordnung der Staaten durch den Wiener Kongress 1815 Preußen zugefallen war. So lebten 1840 zwischen Rheinbreitbach und Rheinbrohl, also in dem Gebiet, das den beiden heutigen Pfarrbezirken entspricht, 150 Evangelische.
Eigene Kirchengem einde ins Leben gerufen
Auf Anregung von Wilhelm Steffens wurden die in Linz und Umgebung wohnenden „Hausväter“ der evangelischen Familien eingeladen, um einen „Verein zur Gründung einer eigenen Kirchengemeinde“ ins Leben zu rufen. Die Mitglieder verpflichteten sich, jährlich 200 Taler aufzubringen, um ein Gotteshaus zu erwerben und einen Prediger einzustellen. Schließlich erwarb man den 1695 erbauten Katharinenhof, der am 29. Juni 1845 mit dem ersten evangelischen Gottesdienst von dem ersten Pfarrer der Gemeinde, Ernst Jungk, als Betsaal eingeweiht wurde, der darüber hinaus aber auch als Schule und Pfarrhaus diente. Das Recht einer „privilegierten selbstständigen Pfarrgemeinde“, der alle Evangelischen zwischen Rheinbreitbach und Rheinbrohl angehörten, verliehen das Königliche Konsistorium und die königliche Regierung der Gemeinde aber erst am 20. Mai 1856. Dabei war bereits vier Jahre zuvor der gemeindeeigene Friedhof „Am Sändchen“ eingeweiht und 1854 ein erster Lehrer eingestellt worden, der 24 Kinder im Katharinenhof unterrichtete, welcher bis zum Neubau im Bondorf 1962 evangelische Schule blieb.
Zwei Glocken leisten noch ihren Dienst
Inzwischen war der Wunsch immer lauter geworden, dass zu den Gottesdiensten und den Amtshandlungen wie etwa zu Hochzeiten und Beerdigungen Glocken geläutet würden. Dank zahlreicher Spenden konnten 1857 drei kleine Glocken in einer Bochumer Gussstahlfabrik gekauft und im nahen Grabentor aufgehängt werden, von denen zwei auch heute noch ihren Dienst tun. 1858 war der Betsaal im Katharinenhof für die 218 Glieder umfassende Gemeinde, von denen allein 150 in Linz lebten, viel zu klein geworden. Die Kosten für eine Kirche waren auf 9000 Taler berechnet worden, eine Summe, für die der vierte Pfarrer, Joachim Friedrich Wilhelm Krüger, der von 1862-70 in Linz die Gemeinde betreute, durch bedeutende Spenden der Gemeindeglieder, Kollekten aus der ganzen Rheinprovinz und mit Hilfen des Gustav-Adolf-Vereins zunächst mit 7.200 Taler der größte Teil zusammen kam.
Grundsteinlegung erfolgte
Zudem schenkte die Stadt Linz der Gemeinde das Grabentor, so dass aus dessen Basalt- und Bruchsteinen das Fundament und der Sockel der neuen Kirche errichtet werden konnten. Mit dem Bau begonnen wurde im Herbst 1863, so dass die Linzer Zeitung Mitte November berichtete: „Das Grabentor ist bald bis zum Fundament nieder, somit eine Erinnerung städtischen Self-Gouvernements unter dem Krummstabe geschwunden.“ Grundsteinlegung war dann am 17. März 1864, rund dreieinhalb Monate später konnten die Linzer dann in der Zeitung lesen: „Heute ist der Aufschlag des Thurmes der neuen evangel. Kirche unter Leitung des Zimmermanns W. Siegler von Leubsdorf vollendet worden und weht nun die Fahne auf der Spitze. Die Maurerarbeiten unter Leitung von Meister P. Hammerstein schreiten rüstig vorwärts,“ so dass genau 20 Jahre nach dem ersten evangelischen Gottesdienst im Katharinenhof die neue Kirche feierlich eingeweiht werden konnte. Genau 150 Jahre später lud die Gemeinde nachmittags zu einer ökumenischen Vesper, nachdem sie am Sonntag nach dem Festgottesdienst das Jubiläum bei strahlendem Sonnenschein mit einem Sektempfang zwischen Kirche und Katharinenhof gefeiert hatte.
