Karneval in Erpel
Kein Pardon vor dem Hohen Gericht
Erpel. Laut schepperte die Gerichtsglocke durch die Gaststätte „Om Maat“ in der Alten und Freien Herrlichkeiten Erpel am frühen Samstagnachmittag. „Hiermit ist der Gerichtstag von Prinz Hans III. eröffnet“, verkündete hoheitsvoll Richter Fritz Dreesbach in roter Robe, flankiert von Staatsanwalt Günther Marx sowie den Rechtsanwälten Herbert Buchmüller und Werner Henneker. Allerdings war von der Tollität und ihrem Gefolge nichts zu sehen. Dafür studierten die Prinzengarde und die Stadtsoldaten um ihre Kommandanten Felix Weber und Michael Dung eifrig die Listen der zu verhaftenden Personen, die für die Besatzungen der Fastelovend-Minnas auslagen.
Unerkannt entkommen
„Zunächst verhandeln wir hier jedoch den Fall eines Teneriffa-Flüchtigen, unseres ehemaligen Präsidenten, Edgar Neustein. Allerdings zeigt sich dieser extrem reuig und gesteht alle Anklagepunkte bis hin zur vorsätzlichen Karnevalsflucht“, berichtete der Richter. Während der Erpeler Altbürgermeister für sein Vergehen tief in die Tasche gegriffen hatte, war der Chef der Unkeler Verwaltung, Karsten Fehr schon lange zuvor klammheimlich geflohen und unerkannt entkommen. Als erstes Opfer von Brigitte Buchmüller und Petra Waldmann leibhaftig vor den Kadi gezerrt wurde Hansi Freund. „Du hast mir bei einer Karnevalsveranstaltung eine kalte, fettige Frikadelle serviert. Eine ganz Nacht habe ich daran gearbeitet, über diese Herr zu werden und sie nicht zu opfern“, klagte Fritz Dreesbach.
Ehemann nicht artgerecht gehalten
„Vergiftung der Justiz“, geiferte Günther Marx sofort erregt und plädierte dafür, den Angeklagte das Basaltmassiv der Ley grün anstreichen zu lassen. „Es war doch nur ein Mini-Anschlag auf den Richter“, argumentierte die Verteidigung für mildernde Umschläge, die höchstens eine Bewährungsstrafe rechtfertigen würde. Da Hansi Freund nicht gerade als Freund körperlicher Arbeit bekannt sei, wandelte der Richter das Urteil in das Verspeisen von fünf Frikadellen auf einen Rutsch um, was der Angeklagte aber mittels einer Zahlung in die Gerichtskasse umging. Vorwerfen, dass er nicht „ordnungsgemäß“ kostümiert sei, konnte man Gregor Noll nun beileibe nicht in seinem Clownskostüm. „Dafür aber deklarierst du Leute zu Ordensträgern, die das wirklich nicht verdient haben“, warf der Richter dem Kapitelsprecher „mangelnde Sorgfaltspflicht“ vor, wobei der Ankläger als jüngster Alt-Erpellaner in seinem Stuhl immer weiter zusammensackte. „Diesem Tatbestand stimme ich voll und ganz zu“, tönte Werner Henneker, seine Pflichten als Verteidiger vergessend. Noch schwieriger wurde die Lage bei der ersten Angeklagten für den Richter selber. „Wir haben Helga Dreesbach die Straße vor ihrem Anwesen kehrend angetroffen“, berichteten zwei Stadtsoldaten. Das, so Günther Marx, sei die Folge, da sie ihren Ehemann nicht artgerecht halte. Der müsse sich morgens sogar allein anziehen. Aufgrund solcher Überforderungen käme er gar nicht erst auf die Idee, sein Haus in exponierter Lage rut-wiess zu streichen. Da Fritz Dreesbach jedoch von KG-Chef Uwe Kochems nicht seines Amtes enthoben wurde, konnte er seine bessere Hälfte zu einer saftigen Spende verdonnern, „aber nicht auf Kosten des Ehemanns!“, so seine Forderung. Pünktlich zur vierten Verhandlung traf auch Sheriff Elmar im Gerichtssaal ein. So bekam er mit, wie Elferratsmitglied Kai Kruse, Fastelovend völlig ignorierend, in Arbeitskluft vor den Richter trat.
„Flocken auf den Tisch!“
„Das erfordert die Höchststrafe: Kopf unter Wasser und die Köln-Hymne singen oder pfeifen“, forderte Günther Marx und wunderte sich, dass von der Verteidigung kein Einspruch kam. Wahrscheinlich sah Werner Henneker vor seinen Augen diesen „Strafvollzug“ bereits im 50-Meter-Becken des Unkeler Freibads, dessen Sanierung angesichts solcher umsatzsteigernder Zusatz-Anforderungen außer Frage stehen würde. Aber wieder fiel ihm jemand wie bei der Bürgschaftsentscheidung des VG-Rats in den Rücken. Nachdem Kai Kruse den Richter nämlich mit einem tiefen Schluck aus seinem Flachmann bestochen hatte, forderte dieser gnädig gestimmt nur noch: „Flocken auf den Tisch!“
Nur leere Versprechungen
Keine Gnade vor Gericht fand dagegen Karl-Josef Dung, hatte der Alt-Erpellaner doch seinen Heimatorden despektierlich einfach zu Hause liegen gelassen und die Verhaftung durch Stadtsoldaten an der Theke mit einem einfachen „Jo, ich komm ja gleich, wenn ich Zeit han“, respektlos an der Theke bei einem Bierchen abgetan. „Das ist Widerstand gegen die Staatsgewalt“, wetterte Günther Marx, der auch den Hinweis der Verteidigung auf die kürzliche Auszeichnung der Landesregierung wegen 51-jähriges Engagements in der Kommunalpolitik nicht gelten lassen wollte, so dass der „schwatte Ratsherr“ für seine Freiheit in die Vollen greifen musste. „Da ist ja einer von den Burschen, die uns Heister jekläut hann. Un völlich undekoriert bis auf den windigen Orden, der hier so wenich jilt wie der rude Schal vom FC, der ja ‚Au, Au’ jread 0:2 zurückliecht“, fauchte Staatsanwalt Günther Marx aufgebracht, als er einen Unkeler bemerkte. Der konnte als unerschütterlicher FC-Fan keine Unterstützung von dem als Nordlicht nur noch um den Liga-Verbleib des HSV bangenden Verteidigers rechnen. „Der is doch eh jrad erst widder usem Koma erwacht, in dat der jedes Jahr bei seinem Kopfsprung vom Fünfer ins Unkeler Freibadbecken fällt. Von dem kommen doch nur leere Versprechungen“, verzichtete er auf eine Verteidigung. Allerdings war ihm die Strafe, Geißbock Hennes VIII. solange Gassi zu führen, bis der FC wieder ins europäische Fußballgeschehen eingreift, dann doch zu hart, so dass auch er sich freikaufte.
Immer wieder schepperte die große Glocke
Sehr zur Freud von Prinz Hans III., der gerade den Gerichtshof erreichte. Dabei wurde die Tollität nicht nur von seinen Adjutanten und Ehrendamen begleitet. Auch die neu gebildete „Ehrengarde“ nahm sich seiner liebevoll an, was der öcher Prinzen-Man Zeit seines Lebens nicht mehr vergessen wird. Immer wieder schepperte die große Glocke, wenn Fritz Dreesbach eine neue Verhandlung aufrief. Angeklagt wurden dabei nicht nur Fastelovend-Muffel und miesepetrige Schlafmütze aus dem Reich des Neubürgers, wodurch die Zugkasse, die direkt neben dem großen silbernen Paragraphen „Elf“ auf dem Richtertisch stand, von Minuten zu Minute voller wurde. „Vor die Schranken des Hohen Gerichts gehört natürlich auch Cilly Adenauer, wenn wir ihrer habhaft werden“, so Uwe Kochems. Immerhin habe die Orts-Chefin beim Rathaussturm nach der Kölschen Mess versucht, seine Mann mit Falschgeld zu korrumpieren", erinnerte der KG-Chef.
