Linzer Stadtrat beschließt einstimmig die Sanierung der Ratshaus-Toiletten
„Kleine Variante“ kommt zur Ausführung
Lift an der Rathausrückfront ist derzeit nicht vorgesehen - Zugang über behindertengerechten Haupteingang
Linz. Die öffentlichen Toiletten im Linzer Rathaus sind in einem mehr als beklagenswerten Zustand. „Defekte Urinale verursachen eine äußerst unangenehme Geruchsbelästigung im gesamten Gebäude. Kurz: Die Toiletten stinken zum Himmel“, fasste Bürgermeister Hans-Georg Faust auf der jüngsten Stadtratssitzung zusammen. Beraten wurde auf dieser, ob der von der Dattenberger Architektin Barbara Bußmann erstellte Gestaltungsentwurf für die Sanierung in Angriff genommen werden soll. Ausgearbeitet hatte das Mitglied der Initiative „Linz gestalten - Leben in der Altstadt“ einen Plan, in dem zunächst kein behindertengerechter Zugang zum Rathaus von der Rückfront aus vorgesehen ist.
Aber nicht nur der Zustand der Toilette macht einen Umbau notwendig. In der Touristenstadt Linz gibt es bislang kein einziges behindertengerechtes WC. Das soll sich nun ändern. Wo sich zurzeit die Waschbecken der Damentoilette befinden, also unmittelbar rechts neben dem Eingang vom Rathausflur aus, sieht der Entwurf das Behinderten-WC vor, an das sich an der Rathausrückfront nun das Herren-WC anschließt. „Hier sind nur noch fünf anstatt wie bisher acht Urinale vorgesehen. Dafür bekommen die Damen auf der ehemaligen Herren-Toilette ein WC mehr als bisher, da sich bei Großveranstaltungen bislang immer lange Schlangen vor der Damen-Toilette gebildet haben“, erläuterte der Bürgermeister den Entwurf von Barbara Bußmann.
„Nehmen wir mit dieser ‚kleinen Lösung‘ im Bestand Abschied von dem großen Projekt, das Rathaus von der Rückfront aus mittels eines Personenaufzugs behindertengerecht zu erschließen?“, fragte Michael Rücker (CDU). Nötig zur Erschließung der oberen Räumlichkeiten sei ein Aufzug nicht, weil diese Etage für die Öffentlichkeit nicht von Bedeutung sei, so Hans-Georg Faust. „Sollte ein Rollstuhlfahrer oder Rollator-Nutzer mich oder einen meiner Beigeordneten sprechen wollen, dann sind wir in der Lage, ihm im Ratssaal Rede und Antwort zu stehen, den er über die Rampe vom Marktplatz aus mittels des behindertengerechten Haupteingangs leicht erreichen kann“, führte der Bürgermeister aus.
Die Frage von Peter Gillrath (CDU), ob ein nachträglicher Lift-Einbau möglich sei, wurde von Joachim Reifert vom Linzer Bauamt verneint, da dann der Notausgang für das Zwischengeschoss blockiert würde. „Wir erschweren es älteren Menschen aus Kostengründen hier im Gebäude angesiedelte Institutionen zu erreichen, eine mehr als unbefriedigende Situation, solange auch gehbehinderte Menschen vor dem Rathaus nicht parken dürfen“, monierte Bruno Hoppen (CDU).
Grundsätzlich stimmte ihm der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Lehmann zu. „Natürlich ist das ein immenser Schönheitsfehler. Allerdings ist im Rathaus ja auch keine komplette Verwaltung untergebracht, was eine Lift-Lösung mit Mehrkosten von gut 250.000 Euro rechtfertigen würde“, gab er zu bedenken. Wenig sinnvoll sei es, bereits jetzt einen Schacht für einen späteren Lifteinbau vorzuhalten, da dies fast so kostspielig wie ein direkter Aufzugeinbau sei, gab Hans Georg Faust zu bedenken. Wenn man später bei der Rückfrontgestaltung des Rathauses mit einem Treppenlift nicht auskommen sollte, könnte ein Aufzug in dem an die Toilettenanlagen angrenzenden Atrium gebaut werden. Dann müsste allerdings zusätzlich noch ein Glasgang gebaut werden, erklärte er, bevor der Rat der von Barbara Bußmann vorgeschlagenen Sanierung ohne Personalaufzug einstimmig zustimmte, für die die Architektin 120.000 bis 150.000 Euro je nach Ausstattung veranschlagte.
