Allgemeine Berichte | 20.05.2014

Der Theaterkreis hatte zu seinem 20-jährigen Bestehen eingeladen

„Kuddelmuddel“ auf der Bühne

Der Regisseur des „Kassandra-Dramas“ versucht den Zickenkrieg seiner Darstellerinnen beim Stück-im-Stück-Lustspiel beizulegen, trotzdem heißt es doch „Alles Kuddelmuddel“, und das nicht zu knapp. DL

Linz. Vor genau 20 Jahren hatten Jena Gerdelmann und Doris Kinne den Arbeitskreis „Theater“ am Martinus-Gymnasium Linz gegründet, der seitdem von den Schülern selbstständig weitergeführt wird. Vorige Woche nun feierte das Ensemble um die beiden jungen Regisseure Gregor Tullius und Lukas Dyrbusch im Musikraum Premiere mit dem Lustspiel „Alles Kuddelmuddel“ von Jürgen Hörner. Und das war genau auf das spielfreudige Amateur-Ensemble zugeschnitten, sodass es seinen Zuschauern im Musikraum der Schule insgesamt sechs überaus heiterer Theaterabende bescheren konnte, von denen es für den letzten am Freitag, 23. Mai ab 20 Uhr noch einige Karten an der Abendkasse gibt. „Zu unserem 20-jährigen Jubiläum haben wir uns ein besonderes Stück ausgesucht, das im ersten Akt eine Generalprobe einer skurrilen Laienspielgruppe zeigt, bei der so alles schief läuft, was nur eben an Pleiten, Pech und Pannen passieren kann“, so Gregor Tullius. Ort der Handlung ist das Wohnzimmer von Wahrsagerin Kassandra, bei der Premiere dargestellt von Büllur Mahmudlu, die als „Schminkexpertin“ nicht nur Paul Fröhlich in den alten, trottelig-gutmütigen Bühnentechniker Erich verwandelt, sondern auch Gregor Tullius zum Telekom-Angestellten Buchfink altern lässt. Zunächst aber hat es die Wahrsagerin mit ihrer nicht gerade eifrigen Putzhilfe Tilde Säuberlich zu tun, deren Rolle sich „Nesthäkchen“ Justine Pertz aus der Klasse 9 mit Reneta Pachler aus der 13 teilt, während alle übrigen MGL-Schauspieler erst im kommenden Schuljahr ihr Abitur anstreben. „Wir proben das Stück seit dem Herbst und da in dem Zweiakter nicht nur die Generalprobe, sondern auch die Premiere des Kassandra-Dramas mehr als schief geht, hält sich unsere Nervosität in Grenzen“, berichtete der Regisseur vor der Aufführung. Hänger, verpasste Einsätze und Textunsicherheiten könnte man ja einfach den gespielten Schauspielern anlasten. Von daher könne man auch auf eine Souffleuse verzichten, vor allem, wenn diese so leise sprechen und selber Einsätze verschlafen würde wie Rike Eiding es im Kassandra-Drama spielen würde, wenn sie nicht von Franziska Busch abgelöst würde, um in die Rolle der Wahrsagerin schlüpfen zu können, die ebenfalls doppelt besetzt sei. Schwierigkeiten hätte man allerdings mit dem Bühnenbild wegen zahlreicher Effekte gehabt. So müsse ein Fenster rausfallen, der Tisch soll durch den Raum wandern und ein Bild von der Wand urplötzlich fallen. Diese Probleme habe man aber dank der tatkräftigen Unterstützung von Hausmeister Rainer Schwips-Michels bewältigen können, während die Evangelische Kirchengemeinde Vettelschoß bei den Kostümen ausgeholfen habe, erinnerte Gregor Tullius. Dessen Ko-Regisseur Lucas Dyrbusch hat derweil auf der Bühne, in Personalunion Fensterputzer und Regisseur der Laienspielgruppe, alle Hände voll zu tun, die beiden Damen zu beschwichtigen, wirft die Putzfrau der Hauptdarstellerin doch vor, die Rolle in seinem Bett ergattert zu haben. Anlass für die meisten Unterbrechungen ist aber Bühnentechniker Erich, der Requisiten mit nach Hause nimmt, vieles gar nicht vorbereitet hat und ständig durch das Stück geistert, um schnell noch etwas zu richten. Mit ihm hat Paul Fröhlich eine besonders dankbare Rolle übernommen, die nur noch von dem Part übertroffen wird, den sich Gregor Tullius gesichert hat. Er mimt den von Lampenfieber geplagten, mehr als textunsicheren Darsteller des Telekom-Technikers Buchfink, der seine Nervosität nur mithilfe seines Flachmanns bekämpfen kann. Komplettiert wird das „Kassandra“-Ensemble von der Freundin von Frau Säuberlich, Frau Buchfink, deren Rolle sich Géraldine Baars mit Franziska Busch teilt, wenn diese die Funktion der Souffleuse an Rike Eiding abgibt. Die nach Höherem strebende „Putze“ und ihre etwas unbedarfte Freundin, ja selbst die „Hauptdarstellerin“, von der Souffleuse ganz zu schweigen, haben bei Weitem nicht die Möglichkeiten, die in den drei Männerrollen schlummern und von den MGL-Schauspieler exzellent auf die Bühne gebracht werden. Liebling der Zuschauer ist eindeutig der völlig überforderte Techniker Erich, der in der Pause sogar den Zuschauerraum fegt, nachdem er zuvor völlig überraschend aus dem Kamin auf die Bühne kriechend die Generalprobe gesprengt hatte.

Wer glauben sollte, dass auf eine misslungene Generalprobe eine glatte Premiere folgen würde, wird in Linz zumindest beim „Stück im Stück“ enttäuscht - Gott sei Dank. Die Unsicherheit von Herrn Buchfink steigert sich ins Unermessliche, auch wenn er seinen Text in der Kittelinnenseite ständig parat hat und auch dem „Kassandra“-Regisseur fällt es von Sekunde zu Sekunde schwerer, den etwa einfältigen, berlinernden Fensterputzer zu mimen. Warum er aber während der Premiere beide Hände verbunden hat, die Freundin von Frau Säuberlich in Buchfink den Geist ihres Mannes zu erkennen glaubt, wird nicht verraten. Vielleicht entschließen sich ja doch einige noch, die letzte Vorführung zu besuchen. Eins aber ist sicher: Die „Premiere“ wird noch verrückter und turbulenter als die Generalprobe, die beim MGL-Ensemble angesichts der komödiantischen Glanzleistung völlig in die Hose gegangen sein muss.

Der Regisseur des „Kassandra-Dramas“ versucht den Zickenkrieg seiner Darstellerinnen beim Stück-im-Stück-Lustspiel beizulegen, trotzdem heißt es doch „Alles Kuddelmuddel“, und das nicht zu knapp. Foto: DL

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