Am Wochenende kamen Tausende in die Kulturstadt am Rhein
„Kunst in Unkeler Höfen“
Die Kunst an den zwölf Stationen begeisterte nicht nur Landrat Rainer Kaul als Schirmherrn der Veranstaltung
Unkel. Nichts ging mehr am Sonntagmittag in Unkel zumindest, was die Parkplätze suchenden Autofahrer betraf. Dabei hatte nicht etwa schon der Festzug des Wein- und Heimatfestes Tausende von Besucher angelockt, wie das nahezu noch menschenleere Weindorf belegte. Der weit über die Region bekannte Kulturerlebnispfad „Kunst in Unkeler Höfen“ erwies sich vielmehr wieder einmal mehr als Publikumsmagnet. Zusammen mit Ellen und Jochen Seidel, von denen die Veranstaltung wieder perfekt organisiert worden waren, hatte der Schirmherr der Veranstaltung, Landrat Rainer Kaul sich auf den Weg gemacht, um etwa am Kutscherhaus der ehemaligen Henkelvilla die Skulpturen des Siegburgers Karl-Heinz Löbach und des Portugiesen Ernest Marques zu bestaunen. Nicht minder sehenswert im rückwärtigen Garten die Tonarbeiten der Keramikerin Erika Post, die aus dem Münsterland an den Rhein gekommen war. „Ich wollte Jochen Seidel ja nicht glauben, dass so viele Kunstinteressierte die Veranstaltung besuchen würden, bin aber eines besseren belehrt worden“, staunte sie, vor allem weil sich das Publikum als äußerst interessiert erwiesen habe. „Ich habe noch auf keiner Ausstellung so viele Supergespräche geführt“, schwärmte die Künstlerin, bevor sie dem Schirmherrn ihre Arbeiten näher brachte wie etwa die von Rissen und Brüchen durchzogenen Frauentorsi oder die hoch aufragende Werkgruppe „Die Würfel sind gefallen“. Im Gegensatz zu den Künstlerinnen der Gruppe „EigenArt rhein“, die im nahen Mecke-Haus ausstellten, gehörte sie wie Rita Penders und Karin Dornbusch, die gegenüber im Seidel-Haus untergebracht waren, zu den Unkeler „Ersttätern“. Vor der Veranstaltung könne man nur den Hut ziehen, konstatierte der Linzer Dieter Lehmann. „Es ist erstaunlich, wie es Jochen Seidel immer wieder gelingt, seinem Publikum viele neue Künstler auf hohem Niveau mit extrem hochwertigen Arbeiten zu präsentieren“, lobte der Vorsitzende der Linzer SPD-Stadtratsfraktion den Organisator. Der Wiedererkennungswert liege eben nicht in immer gleichen Künstlern, sondern in dem Aspekt, junge Kunst in historischen Gebäuden zu zeigen, die ansonsten der Öffentlichkeit nicht zugänglich seien, erklärte dieser. So war dieses Mal erstmals auch der Pfarrgarten unter den Standorten. Dort traf der Bad Hönninger VG-Chef Michael Mahlert, der mit Kulturschaffenden der Nachbarstadt im Süden nach Unkel gekommen war, nicht nur Christine Wünsche von der Rheibrohler „Kunstwerft“. Neben den rostbraunen Metallarbeiten von Stefanie Ahn und Olaf Hülsmann stellte dort auch Rolf Seebach seine Skulpturen aus wie die „Windungen des Lebens“, schmale, gewundene Säulen, die kleinen, behauenen Granitblöcken zusammengesetzt sind. Vor dem Freiligrathhaus an der idyllischen Rheinpromenade vor Anker gegangen war Reinhard Dobat mit seinen Treibholzobjekten. Dabei hatte er nicht nur die Standort adäquaten Arbeiten wie die „Nachtbarke“ mitgebracht, sondern auch den „Jubel“, bei dem die hoch empor gestreckten „Arme“ eine lange Astgabel mit einem Tonkopf kombiniert werden, sodass dem verwitterten Fundstück eine neue Bedeutung zukommt. Unheimliche Gäste waren mit den Linolschnitten von Elisabeth Kaiser-Arentz in das Christinenstift eingezogen. Quälgeister und andere dämonisch, zumindest aber geisterhaft wirkende Gesichter betrachteten mit großen Glupschaugen die Besucher, die sich etwa „Hohlköpfen und Mitläufern“ aber auch dem „Spiel der Mächtigen“ gegenübersahen. Draußen im Park musterten die Eisenkatzen von Künstlerschmied Wolfgang Ax misstrauisch Geier und Raben, Libellen und Drachen, die sich auf hohen Holzbalken niedergelassen hatten. „Das ist wirklich enorm, was einem hier an Kunst in den unterschiedlichsten Techniken und Materialien geboten wird“, schwärmte der Rheinbreitbacher Hermann-Josef Wald vom Förderkreis Obere Burg, der sich von den Arbeiten im Garten des Pax-Heims auf dem Weg zur Schweppenburg machte. Im Innenhof des alt-ehrwürdigen Gebäudes stellte mit Reimund Kasper erstmals ein Künstler aus der Partnerstadt Kamen aus, mit welcher der Kulturaustausch, so Jochen Seidel, in den nächsten Jahren sukzessiv intensiviert werden soll.
Nicht auf dem hohen Ross, sondern auf schmalen Balken und im Rasen saßen im Paxheim-Garten die Skulpturen der dort ausstellenden Künstler
