Allgemeine Berichte | 06.06.2013

Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung

Lehrer besuchten Herrnhuter Viertel

Harald Colditz, rechts, mit einigen Teilnehmern in den Katakomben.Privat

Neuwied. Mitglieder des VBE - Verband Bildung und Erziehung - Kreisverband Neuwied erkundeten das Herrnhuter Viertel in Neuwied und informierten sich über die Geschichte und Gegenwart der Evangelischen Brüdergemeine, ohne „d“, da auf „Gemeinschaft“ zurückzuführen.

Harald Colditz von der brüderischen Ortsgemeine Neuwied sprach bei einem Rundgang durch das Viertel mit seinen im barocken Mansardstil gebauten Häusern über die Alte Brüder Unität in Böhmen und Mähren (ab 1415), die auf den böhmischen Reformator Jan Hus zurückzuführen ist und der Gründung der Stadt Herrnhut („unter der Hut des Herrn“) 1722 durch Ansiedlung von böhmischen Glaubensflüchtlingen auf dem Besitz des Grafen Nikolaus von Zinzendorf im Dreiländereck der sächsischen Oberlausitz sowie über die Ankunft der ersten 40 Herrnhuter auf Einladung des Grafen Alexander zu Wied in Neuwied 1750.

Schwerpunkt der Ausführungen war jedoch die Entwicklung der Neuwieder Ortsgemeine bis heute. Er sprach anregend über das geistliche und geistige Leben der Neuwieder Gemeindemitglieder, deren umfängliche Missionsarbeit in Mittelamerika, Afrika, Grönland, Labrador, Tibet und Indien sowie die diakonischen Tätigkeiten und das ausgeprägte Schulwesen.

So wurde der heute noch existierende Kindergarten der Brüdergemeine in Neuwied bereits 1756 gleichzeitig mit den Schulen gegründet und dürfte somit einer der ältesten Kindergärten in Deutschland sein. Die Schulen der Brüdergemeine waren bewusst offen für Angehörige anderer Konfessionen, ohne diese jedoch „abwerben“ zu wollen. Schulen und Internate wurden neben Neuwieder Kindern überwiegend von Schüler/innen aus der Schweiz, den Niederlanden und vor allem England besucht. Die Kinder wurden nicht in Klassenstufen unterrichtet, sondern ihrem Lernfortschritt entsprechend in Lerngruppen. Sport, besonders der Mädchensport, hatte von Anfang an einen sehr hohen Stellenwert. So befindet sich die älteste Mädchenturnhalle in Deutschland aus dem 19. Jahrhundert in Neuwied und wird heute noch von der Gemeinde und dem Kindergarten als Mehrzweckraum genutzt. Auch brachten die englischen Schüler das Fußballspiel mit nach Neuwied und spielten mit ihren deutschen, schweizerischen und niederländischen Mitschülern bereits im 19. Jahrhundert.

Noch in den 1950er Jahren lebten Gehörlose und Schwerhörige im Herrnhuter Viertel im Internat und gingen zum Unterricht in die damals „Taubstummenanstalt“ genannte heutige Schule für Gehörlose und Schwerhörige in Neuwied. Nachmittags spielten sie mit den Herrnhuter Kindern und Jugendlichen auf dem Platz hinter dem Kirchsaal Fußball, Völkerball etc., gelebte Integration ohne den Begriff zu kennen.

Ein weiteres interessantes Kapitel war der Bericht über die Wirtschaftsbetriebe der Herrnhuter in Neuwied, die von Beginn an entscheidend zur Entwicklung und dem wirtschaftlichen Aufschwung der jungen Stadt Neuwied beitrugen. Neben einer umfänglichen Landwirtschaft (Ökonomie) waren zahlreiche Handwerksbetriebe im Herrnhuter Viertel vertreten: Bäcker, Tischler, Klempner, Töpfer, Ofensetzer, Schmied, Brauer, Glockengießer etc. waren über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und versorgten nicht nur Herrnhuter mit ihren Produkten, sondern auch die übrigen Neuwieder Bürger.

Der wohl bekannteste Handwerksbetrieb ab 1750 war die Kunsttischlerei Abraham und David Roentgen, die seinerzeit marktführend in Europa Fürsten- und Königshöfe mit kunstvollen Möbelstücken belieferte, die heute zu unerschwinglichen Preisen gehandelt werden.

Von 1934-1945 war der Brüdergemein-Kirchensaal gottesdienstliche Heimat der von den „Deutschen Christen“ aus ihrer Kirche vertriebenen evangelischen Marktkirchengemeinde. Während der Bombenangriffe, insbesondere 1944/45, fanden die Gottesdienste der Herrnhuter, der Marktkirchengemeinde und der katholischen Gemeinde St. Matthias in den bombensicheren Katakomben unter dem Herrnhuter Viertel statt.

Einige Teilnehmer kannten aus eigener Anschauung das Herrnhuter Viertel vor seiner städtebaulichen Sanierung von 1984-1994 und konnten Harald Colditz` Erklärungen durch Erzählung eigener Erlebnisse aus ihrer Kinder- und Jugendzeit in den 1950er Jahren anschaulich ergänzen.

Die Teilnehmer trafen sich zum Abschluss im neuen „Food-Hotel“, das neben der heute vom Lebensmittelhandel genutzten alten Zinzendorfschule ungefähr an der Stelle des noch vielen Neuwiedern bekannten Moravian-Hotels der Herrnhuter Brüdergemeine steht.

Harald Colditz, rechts, mit einigen Teilnehmern in den Katakomben.Foto: Privat

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