Der Heimatverein Rheinbreitbach präsentiert sein 16. Heimatheft
Mit „Kreuzritter, Mönche und der letzte Seligmacher“ wird eine Lücke geschlossen
Rheinbreitbach. Die Geschichte des Rheinbreitbacher Kupfererz-Abbaus hat der Heimatverein sehr intensiv bearbeitet. Vernachlässigt wurde dagegen der Weinanbau, der über Jahrhunderte ebenfalls das Dorfleben maßgeblich mitbestimmt hat. Zunächst an den Süd- und Südwesthängen der örtlichen Hügel und Berge gelegen, erstreckten sich später die Wingerte von Horn und Koppel aus bis hinunter an den Rhein, vom Honnefer Graben bis nach Scheuren. „Schon vor drei Jahren hatte sich unser Ehrenvorsitzender Bernd Hamacher gefragt, warum wir eigentlich noch kein Heft über das Thema Weinbau herausgebracht haben“, erinnerte Marina Rohfleisch bei der Vorstellung des neuen Heimatheftes im Trauzimmer der Oberen Burg. Dort hatte kurz zuvor Vorstandmitglied Paul Kunert zahlreiche Gäste begrüßen können, darunter neben Heimatfreunden der umliegenden Orte auch Bürgermeister Karten Fehr mit seinen Stellvertretern Ansgar Federhen und Hermann Josef Sich.
„Es ist das erste Heimatheft, an dem unser kürzlich verstorbener Ehrenvorsitzender Bernd Hamacher nicht mitgearbeitet hat. Es ist ihm jedoch in Dankbarkeit als eine weitere bleibende Erinnerung gewidmet“, so Kunert. Indirekt beteiligt ist der großzügige Unterstützer der Rheinbreitbacher Heimatgeschichte allemal, konnten die Druckkosten für das 144-seite Buch mit dem Titel „Kreuzritter, Mönche und der letzte Seligmacher“ mit den zahlreichen, oft mehrfarbigen Abbildungen, die teilweise aus den Spenden gedeckt werden, die zu Hamachers Ehren beim Heimatverein eingegangen waren. „Die Ergebnisse erster Recherchen verstaubten vorerst und sind in der Schublade gelandet, bis sich mit Karsten Keune und Dankward Heinrich zwei Nicht-Einheimische von ganz unterschiedlichen Seiten dem Thema erneut angenommen haben“, so Marina Rohfleisch. Rheinbreitbacher hätten ihnen ebenso bereitwillig ihre Archive und Häuser für die Recherchen geöffnet, wie die beiden von benachbarten Heimatvereinen und –forschern tatkräftig unterstütz worden seien.
Kleine Ortsgeschichte bis zum 19. Jahrhundert
„Karsten Keune hat ausgehend vom Messwein für Kölner und Bonner Klöster eine kleine Ortsgeschichte bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts geschrieben, als 1803 der Reichsdeputationshauptschluss von den Fürsten der Heiligen Römischen Reiches festgelegt wurde und damit der Besitz der Klöster zur Versteigerung anstand“, erinnerte Martina Rohfleisch. So hatte der Heimatforscher herausgefunden, dass es schon im 12. Jahrhundert erste Klostergärten im Ort gegeben hat. So bestätigte Erzbischof Arnold I. von Köln eine Schenkung an das Kloster Rolandswerth über einen Hof mit Weinbergen, während Heinrich von Breitbach dem Kloster Marienborn in Zülpich einen Weinberg im Kirchspiel Rheinbreitbach, den so genannten „Ledinberch“, geschenkt hat.
Geschichte der Kirche muss neu geschrieben werden
Neben einer akribischen Auflistung aller Rheinbreitbacher Weinberge im Besitz von Klöstern und Stiften hat Karsten Keune mit seinen Recherchen zum Tempelhof des Ordens der Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem, kurz der „Ritter vom Deutsche Orden“, dazu beigetragen, dass auch die Geschichte der Rheinbreitbacher Kirche neu geschrieben werden muss. So weist er auf eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1268 hin, nach der „Paulina, Witwe des Ritter Henricus iunior de Breythbag“ je vier Joch Wein- und Ackerland sowie einen Hof bei der Kirche zu Breitbach den Brüdern als „Patrimonium ihres in den Orden eintretenden Sohnes Conrad“ übergibt. Von dem „Tempelhof“, der bereits vor 1665 abgerissen worden sein soll, waren bei Bauarbeiten 1966 unterhalb des 1536 fertiggestellten Turms von Sankt Maria Magdalena Gewölbe freigelegt worden. Weitere Gebäudeteile waren unterhalb des ehemaligen Friedhofs entdeckt worden, über dem sich heute der Kirchenanbau erhebt. „Damit ist die Vermutung von Franz Josef Federhen belegt, dass es hier bereits um 1250 eine Kirche gegeben haben muss“, so Karsten Keune.
Ausgehend von den Berufen rund um den Weinbau, neben Winzern also den Küfern oder Fassbindern sowie den Schrötern und Weinhändlern, kommt Dankward Heinrich in seinem mit „Rheinbleichart, Hunzinger und Rammen-Dötzer“ überschriebenen Teil auf die Weinbergflächen und Weinlagen zu sprechen, von denen er 25 wie den „Rehwingert“ an der alten Kläranlage oder den „Schützenhüttberg“ am Grendel näher beschreibt. Nach den Weingütern wie etwa dem Waldorfhof in der Rheinstraße widmet sich das Mitglied der Weinbruderschaft Mittelrhein-Siebengebirge der Qualität der Rheinbreitbacher Weine, dem „Rheinbleichart“, einem weiß gekelterten Rotwein, und dem „Rammen-Dötzer“, einem eher säurebetonten Wein. Nur für den eigenen Verzehr bestimmt war wegen seiner geringeren Qualität der „Hunzinger“, der etwa im „Häppestilche“, einer nur 0,375 Liter fassenden Flasche, etwa zur Arbeit im Weinberg mitgenommen wurde.
Eingehend beschäftigt sich Dankward Heinrich mit dem Niedergang des Weinbaus im Ort ausgehend vom Kölnischen Krieg ab 1583 bis zum Auftreten der Reblaus in Rheinbreitbach ab 1907 sowie dem strengen Frost 1985, der den Hobbywinzern Werner Röhle und Detlev Werner am letzten Weinberg am Vonsbach zu schaffen machte. Dem Titel des 16. Heimatheftes entsprechend wird zudem nicht nur die legendäre Weinstube „Em Hötche“, die bis in die 70er Jahre von Heinz Rechmann betrieben wurde, behandelt, sondern vor allem auch das Weinhaus Lindener, das als der „letzte Seligmacher“ in die Geschichte des Ortes einging. „Vielleicht rekultiviert ein künftiger Rheinbreitbacher Winzer wieder alte Weinbergbrachen und produziert wieder einen echte guten Rheinbreitbacher Tropfen“, träumt der Weinliebhaber Dankward Heinrich von einer Renaissance Breitbacher Weine.
Animieren dazu könnte das 16. Heimatheft des Vereins, das man bei Schreib- und Tabakwaren Nagel, Hauptstraße, im Buchhandel und natürlich auch beim Heimatverein erwerben kann.
Zusammen mit Paul Kunert und Martina Rohfleisch stellten die beiden Autoren das Heimatheft vor. Foto: DL
