Allgemeine Berichte | 17.01.2013, 12:38 Uhr

Mit ihrer Prunksitzung bot die GEK beste närrische Unterhaltung

Der holländische Wahlerpeler, Prinz Karel I., genoss seine Herrschaft in vollen Zügen

Dem Charme von Oma Finchen erlag der tanzende Prinz Karel I. auf der bombastischen Prunksitzung der GEK im Erpeler Gürzenich nicht nur wegen deren Oranje-Krone. DL

Erpel. Kaum ein Durchkommen gab es am Samstagabend gegen 19.11 Uhr im Foyer der Mehrzweckhalle der Sankt Johannes-Grundschule von Erpel, das die Große Erpeler Karnevalsgesellschaft (GEK) mit Mann und Maus fest im Griff hatte. Das aber war kein Problem, denn längst hatte gut 400 bunt kostümierten Narren, darunter die Bundestagsabgeordnete Sabiner Bätzing, die Landtagsabgeordnete Ellen Demuth, VG-Chef Karsten Fehr und die Hausherrin OB Cilly Adenauer im närrisch dekorierten Gürzenich ihre Plätze eingenommen, in dem weniger das traditionelle kölsche Rot, dafür aber Orange vorherrschte.

Dann endlich war es soweit: Angeführt vom Tambourcorps unter Leitung von Melanie Woelk zogen die Karnevalisten um ihren Vorsitzenden Uwe Kochems mit Elferrat, Stadtsoldaten, Kinder- und Prinzengarde ein, in ihrer Mitte Strüssjerwerfend Prinz Karel I. aus Nimwegen mit seinem Gefolge, den Adjutanten, Wilfred Verhaag und Andreas Schwager, sowie Pagin Silvia Rings und Köbes Philipp Krüger, der unter dem Motto „Im Karneval bei Bier und Wein kann jeder Europäer ein Erpeler sein!“ die Narrenschar am Fuße der Ley durch die Session führt.

Ein toller „Oranjetempel“

Sichtlich bewegt und zunächst völlig wortlos blickt die Tollität auf ihr Völkchen, das Karel I. frenetisch feierte. „Die Proklamation war ja schon unheimlich schön und ich habe ja auch auf einigen Veranstaltungen wunderschöne Empfänge genießen können. Aber jetzt hier ist unbeschreiblich. Ein wahnsinniges Gefühl, als holländisches Männeke in einen so tollen Oranjetempel zu kommen, in dem einen alle Herzen so unheimlich warm entgegenschlagen“, schwärmte er schließlich, um dann als Deutschlehrer mit nur ganz wenigen Knubbele seine Regierungserklärung vorzutragen.

Nach der ist es nicht nur verboten, über die Krise und Politik zu sprechen. Vielmehr muss man Instrument parat halten, um für gute Stimmung sorgen zu können, so der Chef der „Vollen Blaos“, der nun schon seit 25 Jahren das Weinfest mit seinem Besuch beehrt. Entsprechend ordnete er an, dass bis Aschermittwoch ausreichend Rebensaft und Kölsch-Batterien in jedem Haus vorrätig sein müssen. Außerdem verordnete Karel I. Kostümzwang in dem von ihm ausgerufenen Freistaat Erpel, in dem ab sofort holländisch-süß jebütz wird und das nicht nur in den einzurichtenden „Besinnungsecken“, den Koffee-Shops. So verkündet und mit einem dreimalig donnernden „Erpel/Karel/GEK - Alaaf!“ besiegelt, übernahm Präsident Jochen Buchmüller die Regie auf der Bühne, während sich die Tollität samt Elferrat in die Ehrenloge zurückzog.

Buntes Programm

Von dort genossen sie die fetzige Musik des TC ebenso wie den Tanz der Kindergarde nach Hits der Gruppe „Brings“. Dann machten die kleinen „Piraten“ die Bühne frei für die betagteste Büttenrednerin von Erpel. Mit einem oranjen Krönchen vorm Dutt schlurfte Oma Finchen (Claudia-Stolte Herdler) auf die Bühne, um ihre Erlebnisse mit „Prostituierten der Verkehrsordnung, den Strafzettel ausstellenden Bordsteinschwalben“ zum Besten zu geben, um sich dann dem Reeperbahn-Ausflug der Feuerwehr zu widmen. Mit dabei neben ihrem Hermännche, dem Wertstoff-Jünter und dem Pätzborn Werner auch d’r auch der Hausens Jerhard, die olle Spardoos. „Prompt gerieten die in den Christopher Street Day mit all der Fakultäten, die früher nit nur jehänselt sondern och jegretelt worden sin“, so Oma Finchen, bevor sie sich der Suche ihres Göttergatten nach „so enem richtigen Dingen“, nem scharfen „Äta-Plissemang“ widmete, in dem „Kätzcher op ihre Hick-Hiels auf der Suche nach kleinen Säbelzahntigern un Matratzenakrobaten sin.“

Nach diesen Attacken des jecken Urgesteins auf die Zwerchfelle der Narrenschar eroberten die Kölsch Rock-Band „De Köbese“, die Bühne und rissen die Jecken mit ihren „Linda Lu“ endgültig von den Stühlen. „Solang mer noch am Läwe sinn“, sind wir auch „nicht mehr aufzuhalten“ im Fastelovend, waren die sich sicher, auch wenn sich die meisten im Saal wünschten. „Man müsste noch mal 20 sein!“ Einig waren sich jedoch alle: Mit diesem Auftritt hatten sich die Köbese die erste donnernde Rakete des Abends verdient, die ihrerseits den Erpelern bescheinigten: „Ihr seid unglaublich jut drauf!“

„Heimat is do, wo de jlüklich bis!“

.Mit einem Liebeslied von enem „Mariechen“, in dessen Rolle Pagin Silvia Rings geschlüpft war, ging es weiter. Keiner, den sie um Hilfe gebeten hatte, wollte ihren „größten Schatz“, die Unschuld hüten, die sie dann dem ehrlichen Karel I. zur Überwachung anvertraute, dem sie versicherte: „Heimat is nit blos e Wood nur, Heimat is do, wo de nit abseits stehst. Heimat is do, wo de jlüklich bis!“ Weiter ging es nach diesem eher besinnlichen Abschluss mit einem mitreißenden Gardetanz der Prinzengarde, dem ganze Stolz der GEK, nach der sich Horst Schlämmer, der stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts, ganz langsam der Bühne näherte. Einerseits hatte er Steiß und eingerissene Zehnägel, andererseits wollte der Charmeur die lecker Schätzelein im Saal genießen, auch wenn die den „Liebhaber der ehrlichen deutschen Küche“ ihm immer wieder aus dem Konzept brachten.

Traditioneller „Wibbel“

Nach der Pause marschierten dann die närrischen Freunde der KG Hünnije um ihren Chef Dietmar Walter mit Pauken und Trompeten in voller Mannschaftsstärke auf die Bühne und natürlich hatte sie ihrem Achim I. auch den blaublütigen Kollegen von Karel I. mitgebracht. Eine Parodie auf die Prunksitzung steuerte dann der Möhnenclub bei, bevor die Stadtsoldaten und die Prinzengarde um ihr Solomariechen Anne beim traditionellen „Wibbel“ gekonnte ihre „Stippeföttche“ präsentierten. Das „De volle Blaos“ Meister der Blasmusik sind, ist in Erpel seit Jahrenden hinlänglich bekannt. Neu in der Alten und Freien Herrlichkeit war dagegen die Koblenzer Showtanzgruppe, die Anfang Januar zum „Oktoberfest“ einlud, bevor die Prinzengarde lange nach Mitternacht mit ihrem von Anika Bent einstudierten Showtanz den krönenden Abschluss einer fantastischen Prunksitzung bot. Zu „I want you to be true and I wanna make love with you“ und „Sometimes I get a good feeling“, was die Jecken im Saal direkt bestätigen konnten, wirbelten die jungen Grazien über die Bühne. Auf der half ihnen nicht „Just a Gigolo“, vielmehr waren zwei Eintänzer im Einsatz, damit die Tänzerinnen die Deckenhöhe des Erpeler Gürzenich unter dem frenetischen Beifall der Narrenschar austesten konnten. DL

Schon bei ihrem Gardetanz testeten die Prinzengardistinnen die maximale Hallenhöhe aus.

Schon bei ihrem Gardetanz testeten die Prinzengardistinnen die maximale Hallenhöhe aus.

Dem Charme von Oma Finchen erlag der tanzende Prinz Karel I. auf der bombastischen Prunksitzung der GEK im Erpeler Gürzenich nicht nur wegen deren Oranje-Krone. Fotos: DL

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