Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Unkel
„Moralische Verpflichtung zur Hilfe“
Wolfgang Reimann erinnerte an die Opfer der Weltkriege und aktueller kriegerischer Auseinandersetzungen
Unkel. Mit dem Lied „Wie sie so sanft ruhn, alle die Seligen“ eröffnete die Chorgemeinschaft MGV Concordia Unkel und MGV Kasbach-Ohlenberg unter Leitung von Andreas Stieger am Volkstrauertag die Unkeler Gedenkfeier, in der der Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht wurde. Eingeladen an die Kriegergedächtniskapelle am Chor von St. Pantaleon hatte die Stadt im Anschluss an die Messe. Begrüßen konnte Stadtbürgermeister Gerhard Hausen neben Verbandsgemeindebürgermeister Karsten Fehr und dessen Vorgänger Werner Zimmermann Vertreter der Unkeler Ortsvereine, allen voran die drei Bürgervereine Sankt Pantaleon, Sankt Josef und Sankt Sebastianus mit ihren Fahnen sowie den Unkeler Junggesellenverein, eine Delegation der Feuerwehr und des DRK, etliche Mitglieder des Stadtrats, das Bläserkorps der KG, das mit den Sängern die Veranstaltung musikalisch gestaltete, sowie Monsignore Franz Lurz und die Grundschülerin Nele Thran, die ein kurzes Gedicht vortrug.
„Volkstrauertage sind älter als die Bundesrepublik“, erinnerte VG-Ratsmitglied Wolfgang Reimann. Den Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs habe der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge 1914 vorgeschlagen. Die erste Gedenkstunde im Reichstag fand 1922 statt. „Die Hoffnung, dass angesichts der unzähligen Toten Vernunft Einzug halten würde, trog“, so Reimann. Vielfach sei der Volkstrauertag genutzt worden, um der Bevölkerung einzuimpfen, dass es das höchste Ideal sei, eigene Ansprüche zurückzustellen und alles für das Wohl des Vaterlands zu opfern. Die Nationalsozialisten übernahmen den Volkstrauertag, wobei aber nicht das Totengedenken, sondern die Heldenverehrung im Mittelpunkt gestanden habe, führte Reimann aus, um dann auf den Zweiten Weltkrieg einzugehen: „Über sieben Millionen Juden wurde bestialisch ermordet, unzählige Vertriebene verloren ihre Heimat.“ Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Volkstrauertag 1948 in den drei westlichen Besatzungszonen wieder in der alten Form eingesetzt. Um ihn vom Heldengedenktag der Nazis deutlich abzuheben, wurde 1952 beschlossen, den Volkstrauertag an das Ende des Kirchenjahres zu verlegen, eine Zeit, in der kirchlich die Themen Tod und Ewigkeit vorherrschen.
„Wir leben hier seit Jahrzehnten in Frieden, junge Bundeswehrsoldaten sterben jedoch auf dem Balkan oder in Afghanistan. Und in anderen Regionen werden Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Überzeugung, ihrer Sprache oder ihrer Herkunft getötet“, so Reimann. Ein Ende kriegerischer Auseinandersetzungen sei weder in der Ukraine noch im Irak oder in Syrien abzusehen. „Angesichts der dortigen Gewalttaten wird uns eine Flüchtlings-Flutwelle erreichen. Jeder von uns ist moralisch verpflichtet zur Hilfe, sei es, indem er Wohnraum zur Verfügung stellt oder mit Kleidung und Spielzeug die Not zu lindern“, forderte der Sozialdemokrat ein, bevor Stadt, Bürgervereine und VdK zum Trauermarsch der KG-Bläser Kränze an der Kriegergedächtniskapelle niederlegten und die Sängergemeinschaft mit dem Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“ die Veranstaltung beendete.
