Dattenberger Verkehrs- und Verschönerungsverein hatte zum 78. Erntedank- und Winzerfest eingeladen
Motivwagen und Fußgruppen begeisterten an den Straßen des Ortes
Dattenberg. Sorgenvolle Blicke richtete der Verkehrs- und Verschönerungsverein Dattenberg (VVD) um seinen Vorsitzenden Ralf Michels am Samstagmittag Richtung Himmel, hatte er doch zu seinem 78. Erntedank- und Winzerfest eingeladen, das gleichzeitig das Erntedankfest der gesamten Verbandsgemeinde Linz ist. Und wie im Vorjahr drohte dessen Eröffnung wörtlich ins Wasser zu fallen angesichts des anhaltenden Regen, der dann aber doch nachließ, als sich die Honoratioren des Ortes aufmachten, Noch-Weinkönigin Marion I. mit ihren Ehrendamen, Schwester Anne Schmitz, Anja Birrenbach, Eva Gombert und Hannah Mundus zusammen mit der neuen Weinkönigin abzuholen. Dabei tauschte die junge Landwirtin nur mit ihrer älteren Schwester die Rollen, während Kira Michels den Part von Hannah Mundus im Ehrengeleit übernahm. „Der Herbst mit seinen goldnen Tagen hat uns so mancherlei zu sagen. Trauben reifen in der Sonne, auch das sind Früchte, welche Wonne. Und seht, was alles rundum blüht, die schönsten Blumen erfreuen das Gemüt. Pflanze und Blumen sind meine Passion, Gott schuf sie uns zum Dank so viele davon. Blumen und Wein sind für unseren Lohn gemacht, genießt mit mir des Schöpfers Kraft. Zum Wohl!“ grüßte die neue Weinkönigin ihre weinseliges Völkchen im Weindorf, nachdem ihre Schwester ihr bei der Proklamation die Krone übergeben hatte. Mit von der Partie war natürlich auch Kinderweinkönigin Ida I. aus dem Hause Lerach, und ihren Kinder-Weinprinzessinnen, ihrer Vorgängerin Emily Klaus und Ronja Wagner. „Bis auf einen kleinen Schauer gegen 22 Uhr ist es gestern trocken geblieben bei unserem Fest, das wirklich gut besucht war, ohne dass wir unseren Besuchern einen Stargast wie in den beiden Vorjahren mit dem König von Mallorca und der Marry, der Prinzessin von Mallorca, bieten konnten“, freute sich Ralf Michels am Sonntag beim Frühschoppen nach der von Pfarrer Klemens Hombach mit Unterstützung von Diakon Eberhard Roevenstrunk zelebrierten Erntedank-Festmesse, die vom Kirchenchor musikalisch mitgestaltet worden war. Da hatte im Weindorf „Napoleon’s Hijskapel“ die Regie übernommen, die mit ihrem 80-jährigen „Kaiser“ am Saxofon wie vor zwei Jahren von der niederländisch-belgischen Grenze angereist war. Dann zogen die Weinmajestäten Anne I. und Ida I. mit ihrem Ehrengeleit in Begleitung ihrer Kolleginnen vom Mittelrhein von Rheinbrohl bis Rhöndorf auf die Bühne. Willkommen heißen konnte Bürgermeister Dieter Runkel dort neben etlichen Kollegen auch Verbandsbürgermeister Hans-Günter Fischer sowie dessen Vorgänger, Alt-VG-Chef Klaus Hannuschke, sowie viele Mitglieder des VG-Rates, ist das Dattenberger Winzerfest doch auch traditionell das Erntedankfest der Verbandsgemeinde Linz. „Nicht alle Wege führen zurzeit nach Dattenberg“, spielte Hans-Günter Fischer auf die Straßenbauarbeiten an, die etlichen Besuchern lange „Spaziergänge“ nach einer durchaus schwierigen Anfahrt und einer langen Parkplatzsuche beschert hatten. Diese Mühe werde sich aber auszahlen, war sich der VG-Chef sicher. „Dank des Engagements zahlreicher Gruppen und nicht zuletzt des VVD um Ralf Michels erwartet uns ein stimmungsvoll gestaltetes Fest mit einem farbenprächtigen Höhepunkt, dem Festzug“, so Hans-Günter Fischer.
Buntes Treiben beim Festumzug
Auf den mussten die Besucher des Festes jedoch etwas länger warten, versperrten doch einige Autos noch dem großen, mit bunten Blumengebinden und Weinlaub dekorierten Prunkwagen von Anne I. den Weg. Vor nahezu mannshohen Weinkrügen aus geflochtenem Stroh, aus denen dicke Sträuße von blauen und weißen Hortensien ragten, stand die Weinmajestät mit ihren Ehrendamen und ließ den Zug an sich vorbeiziehen, bevor sie sich als krönender Abschluss eingliederte.
Ihre Ernte im Kornfeld abgebrochen hatte die Mäuse aus der „Rappelkiste“, die hinter dem Blasorchester Bruchhausen den Zug anführten. „Kita-Mäuse sind wir groß und klein, heut‘ wollen wir beim Festzug sein!“, verkündeten sie und verteilten großzügig Käsewürfel und Mäusespeck an die Zuschauer. Vor einem prächtigen, ein Rad schlagenden Pfau aus bunten Blumen stand Kinderweinkönigin Ida I. (Lerach) auf ihrem Prunkwagen, den die „Lustigen Landleut‘“ ihr gebaut hatten. Mit Maria, Christine, Veronika und dieses Jahr Anne hat diese Gruppe in den zurückliegenden Jahren vier Dattenberger Weinköniginnen hervorgebracht, sodass sie bei ihrer zehnten Teilnahme gleich zweimal rund um die große und kleine Weinmajestät vertreten war. „Komm auf die Schaukel“, luden die Rööpe Kicker nicht die umworbene Luise ein, da die längst mit zwei Begleitern in dem großen Boot schaukelte.
„Stärke deine Lebenskraft mit dem edlen Rebensaft“
„Genieße einen schönen Wein und schaukle dich in den Himmel hinein“, forderte die Fußgruppe, die um ihren Wagen freizügig Rebensaft ausschenkte. „Nach der Ernte“ mit Kohl, Kartoffeln und Kohlrabi, Möhren aber auch Obst und Weintrauben sowie farbenprächtigen Blumen beladen, hatten sich die „Kleinbauern“ mit etliche Schürreskarren auf den Zugweg gemacht. Wer von den Gästen jedoch dachte, aus den Kaffeekannen, die in ihrer rollenden Kaffeebude permanent nachgefüllt wurden, würde heißer Mokka ausgeschenkt, sah sich getäuscht. Längst hatten sich die Kleinbauern das Motto der „Herbstfreunde“ „Stärke deine Lebenskraft mit dem edlen Rebensaft“ zu Herzen genommen. „Selbst beim kleinsten Brand ist die Feuerwehr zur Hand!“, verkündet der Dattenberger Löschzug, der sein natürlich mit feuerrotem Weinlaub dekoriertes Gerätehaus zu einer Schnapsbrennerei umfunktioniert hatte. Da kamen die deftigen Schmalzbrote, die hinter dem Backes der Dorfgemeinschaft Heeg geschmiert und verteilt wurden, gerade recht, für eine handfeste Grundlage zu sorgen. Die hatten die Weinköniginnen der Region auch notwendig, wurden sie doch von der „Harmonie“ Windhagen zum Samba do Brasil aufgefordert. „Es Leni’s Vurrel on Tour, oh mein Joot, süff dä us de Wing noch fott!“, befürchtete die Gruppe von Weinbau Wagner. Grund zur Besorgnis bestand aber nicht wirklich, da allein die Zugteilnehmer wieder über 1.000 Liter Wein dabei, sodass der mächtige Rabe auf dem Motivwagen aus seinem großen Käfig ruhig gierig auf die lange, prunkvoll eingedeckte Tafel mit dem „Dattenberger Gertrudenberg“ im Weinkühler blicken konnte. Zum arbeitsreichen „Waschtag“ an den Antoniusbrunnen hatten die „Beschwipsten“ aufgerufen, wohingegen die Junggesellen passend zum Lied „Jetzt trink mer noch e Flascherl Wein“ verkündeten: „Will der Junggesellen mal genießen, tut er Käs‘ mit Wein begießen.“ Aber auch das „bitter Ende“ verschwiegen sie nicht: „Und trinkt er zu viel von dem Wein, macht er alles mit der Fräse klein!“ Diese Drohung konnte die „Lustigen Landleut‘“ nicht schocken, die als Gefolge von Weinkönigin Anne den Abschluss des Zuges bildeten. Damit aber war das Erntedankfest längst noch nicht beendet. Zwar nicht so lange wie die Band „Post it“ am Vorabend, aber doch bis tief in die Nacht spielten die Musiker von „impuls“ im Weindorf auf, bevor die Dattenberger ihr großes Fest am Montagabend gemütlich ausklingen ließen.
DL
Schmalzbrote schmieren hieß es für die für die Heeger, nachdem das Korn zu Mehl gemahlen und das Mehl zu Brot gebacken worden war.
