Volkstrauertag in Linz
Musikalische Gedenkfeier in der Kirche
Pfarre Klemens Hombach rief dazu auf, den Frieden zu suchen
Linz. Bei weitem nicht so viele Linzer wie vom Veranstalter erwünscht waren in den Vorjahren der Aufforderung der Stadt gefolgt, am Volkstrauertag an der Gedenkfeier am Sonntagnachmittag teilzunehmen. „Um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, haben wir dieses Jahr nicht an das Ehrenmal auf den vor der Stadt liegenden Waldfriedhof, sondern schon am Sonntagmittag an das auf dem Vorplatz von Sankt Marien eingeladen“, so Stadtbürgermeister Hans Georg Faust. Aus Rücksicht auf die Instrumente des Posaunenchors verlegte er dann aber angesichts des typisch regnerischen Novemberwetters abgesehen von der Kranzniederlegung die Gedenkfeier in die Pfarrkirche, in der er neben dem Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel auch die Landtagsabgeordnete Ellen Demuth sowie den 1. Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach begrüßen konnte. Eröffnet wurde die Gedenkfeier dort vom Posaunenchor unter Leitung von Ursula Höfer, bevor Axel Hoffmann den MGV 1822 die Vertonung des Mörikes-Gedichtes „Ich bin vergnügt, dass alles aus deinen Händen fließt“, anstimmen ließ. „Das Gedenken an die Schrecken der Weltkriege könnte angesichts der vielen Jahre, die wir hier in Frieden leben, als unnötig angesehen werden, so dass man glauben könnte, es sei sinnvoller, die Erinnerung an die Kriegsopfer ruhen zu lassen und den Volkstrauertag mit der Gedenkfeier abzuschaffen“, begann Pfarrer Klemens Hombach seine Rede. Ein solcher Schritt würde aber eine verhängnisvolle „Geschichtsvergessenheit“ befördern, warnte er. Die Erinnerung an Hass und Gewalt in Vergangenheit wie in der Gegenwart dürfe nicht verblassen, sonst könne man den Opfern nicht gerecht werden.
„Abgesehen von dem Respekt vor den Opfern bietet uns der Volkstrauertag die Möglichkeit, einen Moment innezuhalten, den wir benötigen, damit diese dunklen Kapitel unserer Geschichte nicht verdrängt werden können“, betonte der Geistliche. Dieser Tag der Besinnung und des Wachhaltens sei notwendig, zumal, ausgehend von menschenverachtenden Ideologien, Krieg und Gewalt immer noch präsent seien. „Unter den Namen IS und Gaza, Nigeria und Syrien oder Ukraine tauchen tagtäglich in der Presse neue Schreckensvisionen auf, werden wir immer wider mit unglaublich unmenschlichen Ereignissen konfrontiert wie Steinigungen oder Enthauptungen“, so Klemens Hombach.
„Der Volkstrauertag ist aber auch ein Tag des Dankes. Er ermöglicht, alle jenen zu danken, die sich für eine Verständigung von Groß und Klein einsetzen, die versöhnend wirken und sich für mehr Toleranz stark machen“, hob der Redner hervor. Dieser „Friedensdienst“ sei uns allen aufgetragen und an eben diesen Auftrag erinnere der Volkstrauertag, mahne ihn immer wieder aufs Neue geradezu ein. „Suche den Frieden und jage ihm nach!, fordert uns Psalm 34,15 auf“ so Klemens Hombach. Das sei kein Spruch fürs Poesiealbum sondern ein konkreter Auftrag, dem man etwa mit Beiträgen zu einer „Willkommenskultur“ gerecht werden könne. „Damit könnte der Anfang einer heilen Welt gelegt werden“, schloss der Pfarrer seine Rede, bevor der Posaunenchor und der Männergesangverein nach der Kranzniederlegung für die Landesregierung und den VdK-Kreisverband die Gedenkfeier beschlossen.
