Musikalische Völkerverständigung im Eisenbahntunnel an der ehemaligen Ludendorffbrücke
Musikschüler beschworen den „Geist namens Beethoven“
Erpel. Zum Konzert im Erpeler Eisenbahntunnel hatten die Bläser und Streicher der Agundo-Musikschule eingeladen. „Gestatten, dass ich mich vorstelle, Beethoven, Ludwig van. Ich habe den Zentralfriedhof von Wien verlassen, um zu hören, ob meine Musik noch gespielt wird“. Mit diesen Worten wandte sich der Geist des großen Komponisten, in dessen Rolle Wolfgang Haubrich geschlüpft war, an die Zuhörer. Hocherfreut hatte er kurz zuvor der „Ode an die Freude“ gelauscht. Dabei hatten sich jedoch einige Fremde Töne in den Satz seiner 9. Sinfonie gemischt, dem Dominik Art neu arrangiert hatte. „Sie werden einige deutsche Melodien erkannt haben, die mein Mann ebenso eingebaut hat wie Themen aus südpolnischen Liedern“, hatte sich dessen Frau, Agnieszka Sokol-Arz, an die Zuhörer gewandt. Der Ausflug in das östliche Nachbarland war nicht nur ihr geschuldet. Bei dem Konzert unterstützt wurden ihre Musikschüler auch von polnischen Gästen. Lukasz Debski, der Leiter einer Musikschule aus Krakau, hatte zusammen mit Musiklehrerin Brygida Klimas fünf jungen polnische Musiker an den Rhein begleitet. „Über diesen Kulturaustausch mit unseren Krakauern Freunden bauen wir eine Brücke nach Polen“, hatte Dominik Arz tags zuvor beim Ratshausempfang mit dem Ersten Beigeordneten Heinrich Holbrink hervorgehoben. Ein solcher Aufbau internationaler Beziehungen gehe am leichtesten mit Kindern und Jugendlichen trotz der Verständigungsschwierigkeiten. „Die beziehen sich ja nur auf die Sprache, denn Musik überwindet alle Barriere und verbindet“, ist sich das Erpeler Musikerehepaar sicher. So konnten Eryk und Roch Jaworski zwar beim Oden-Einschub der Bläser „Mir losse d’r Dom in Kölle“ zwar nicht mit den Erpeler Streichern mitsingen, dafür betätigten sie sich die beiden Brüder aber, ganz vorne auf der Bühne sitzend, bei dieser „deutsch-polnischen Begegnung“ mit Triangel und Rassel als kleine Rhythmusgruppe. Weiter ging es mit dem zweiten Satz aus dem Trompetekonzert in Es-Moll von Joseph Haydn, bei dem Tim Heider den Solo-Part übernahm. In deutsch-polnischer Kooperation ließen dann Christine Wolscht und Klara Górska den zweiten Satz aus dem Konzert in a-Moll für zwei Violinen des Venezianers Antonio Vivaldi erklingen, bevor die Krakauer Geigerinnen und die beiden Gitarrenbrüder ihn Können mit mehreren Stücken unter Beweis stellten. Ein Spaß, nicht nur für Kinder, war anschließend „Der Elefant“ aus dem „Karneval der Tiere von Camille Saint Savens, bevor alle Musikschüler ihre Zuhörer mit dem „Czardasz“ des Neapolitaners Vittorio Monti nach Ungarn entführten. Der Aufforderung des Themas „Go West“ aus Antonin Dvoraks Sinfonie „Aus der neuen Welt“, das Dominik Art im englischen Pop-Stil arrangiert hatte, waren die Krakauer ja bereits gefolgt. Im Sinne von Beethovens Ode, die nach dem Text von Friedrich Schiller mit „Alle Menschen werden Brüder“, endet, ließen die Musiker auch Dvoraks im Balkan-Stil arrangiertes „Go East“ erklingen.
„Wir haben noch nie in einer so großen Backröhre gespielt. Aber es war trotz der fast schon frostigen Temperaturen in dem Tunnel ein großartiges Erlebnis“, übersetzte Agnieszka Sokol-Arz den Kommentar von Lukasz Debski. Da hatten die Musikschulgäste schon das im Juni zusammen mit den Erpeler Grundschülern rund um den „Agundo-Song“ produzierte Musikvideo „Der Geist namens Beethoven“ genossen. „Mit diesem Filmbeitrag bewirbt sich unser Jugendförderprojekt unter dem ‚Musizieren mit Freu(n)de(n)‘ auch bei dem Wettbewerb ‚Verein(t)‘ der Bad Honnef AG. Mit jedem Votum für den Film auf der Internetseite „bhag.de/vereintgewinnt“ steigen unsere Chancen auf ein gutes Abschneiden und damit auf eine finanzielle Unterstützung“, so Dominik Arz. Die läuft ausschließlich über den gemeinnützigen Kunst- und Kulturkreis „ad Erpelle“, der auch die Einnahmen aus dem Verkauf der DVD verwaltet. Weitere Informationen gibt es unter Tel. (0 26 44) 60 15 86.
An symbolischer Stelle trafen sich Erpeler und Krakauer Musikschüler zum gemeinsamen Konzert.
