Nach der Kölschen Mess war der Rathaussturm für die Unkeler KG leichtes Spiel
Nicht benebelt, aber deutlich besiegt, musste Gerhard Hausen Lukas II. und Emma I. die Stadtschlüssel übergeben
Unkel. Hektisches Treiben herrschte am Sonntagvormittag im Unkeler Schraatesaal. Wo sonst die Köpfe rauchen, qualmte nun warme Suppe neben panierten Scheiben vom Schwein und krossen Fleischbällchen. Unentwegt karrten eifrige Helfer zudem Getränke aller Art in das Gebäude, in dem zur Freude von Stadtbürgermeister Gerhard Hausen immer mehr Schraate eintrudelten. Die Zeichen standen ganz eindeutig auf Sturm oder zumindest wiesen sie auf eine unmittelbar bevorstehende Belagerung hin. „Die Jecken wollen unseren kleine Kugelblitz von seinem Thrönchen schubsen und ihm die Stadtschlüssel entreißen“, verriet dessen Stellvertreter Christopher Magawly, der von seinem Kampf gegen Karius und Baktus gestählte Ritter von der langen Gestalt. Sogar VG-Chef Karsten Fehr im groß karierten Schwarz-Weißen, Fehlfarben, die ihm tags zuvor noch die Verhaftung im nahen Erpel beschert hatten, war zur Unterstützung der demokratisch gewählten Stadtspitze herbeigeeilt. Viel Hoffnung strahlte der notorische Brillen-Schwarzseher jedoch nicht aus.
„Da kummen se at“
Ganz anders die Jecken, die nach der von KG-Ehrenmitglied Herbert Breuer zelebrierten Kölschen Mess von Sankt Pantaleon aus durch die Stadt ihre jungen Herrscher Lukas II. und Emma I. mit Pauken und Trompeten vor das Rathaus führten. „Da kummen se at“, wisperte der Hausen Gerhard und rückte die Munitionsbehälter voller Puffreis, Popcorn und Goldbären an den Fenstern zurecht. Vor allem die langen Lakritzstängelcher brachten ihn auf die Idee zunächst einmal Süßholz zu raspeln. „Ich jrüß Üch all Ihr lev Jecke op der Strooß, allen voran die knackigen Herzblättcher un die Heister Möhne, die am Schwerdonnersdaach für so ne arsch dolle Stimmung jesorcht hann!“, begrüßte er die närrischen Heerscharen, um dann mit einem dreimaligen „Emma-Lukas-Kinderprinzenpaar - Alaaf!“ den Tollitäten zu huldigen. Auch der „lev Präsident“, Markus Winkelbach, bekam seine Streicheleinheiten für die gekonnte Sitzungsleitung, allerdings ließen erste Böller aus der Tonne darauf schließen, dass die Jecken auf dieser Schleimerei nicht ausrutschen würden. „Un da is ja auch der joode Pfarrer Breuer, der widder se schön jepredicht hät bei der Kölsche Mess. Kummen doch erin ins Warme“, versuchte der mit allen Wassern gewaschene Kommunalpolitiker einen Keil zwischen die Narrenschar zu treiben. Als dies nichts nutzte versuchte er mit seiner Mannschaft, in die sich auch Klaus Jürgen Philipp der Geschäftsführer von Rabenhorst eingereiht hatte, zu drohen. "Mir losse us nit bange maache, weder vom Christopher, dem wir jlich de Zäng ziehe, noch von demm gedungene Ritter vom ruuude Bäckche. Maach de Potz op“, tönte KG-Sprachrohr „Moses“ Mönch.
Süße Geschosse
„Mir räuchern Üch uss!“ drohte er, und schon war das Rathaus in dichten Rauch eingehüllt, der durch die offenen Fenster ins Innere drang. Lange Zeit war so nichts mehr zu sehen von den Verteidigern, bis plötzlich der Stadtchef über eine lange Leiter auf das äußerste Fensterbrett kletterte und mit Hilfe eines Blätterbläsers gegen die Sichtbehinderung ankämpfte. „Ich lossen mich doch nit benebele he in mingen jerad erst Brandschutz-jeprüften Rothuus. Jeht endlich heim mit Ühre jedungene Hunne, he jitt et für Üch Schwächlinge un Rabauke nix ze holle“, verlegte sich Gerhard Hausen aus Spott und Hohn. Trotzdem unternahm „Moses“ Mönch noch einen letzten Versuch, seinen roten Bruder zur Vernunft zu bringen, um ihm die Misshandlungen der Schwatten zu ersparen. Als gegen Erpeler und Bruchhausener Windmühlen kämpfender Ritter Don Quichotte näherte er sich dem Schraatetempel und bot dem Stadtchef die jecke Kooperation gegen die „vorwitzigen“ Nachbarkommunen an, um doch noch am Asberg Nüssele mit regenerativer Energie zu scheffeln. Da als Antwort aber zur Freude der jungen Zuschauer nur süße Geschosse auf die Jecken hernieder prasselten, setzte die Narrenschar zum Sturm an und schon wehte ein weißes Spitzenbützcher an der Rathaustür.
„Das Rathaus ist unser“
Ohne weiteren Widerstand überwanden die jungen Tollitäten die Rathaustreppe und entmachteten den Stadtchef, so dass Lukas II. triumphierend die Schlüssel der Stadt in die Höhe recken konnte. „Das Rathaus ist unser“, verkündete er der jubelnden Narrenschar, die anschließend hemmungslos im Schraatesaal über die Vorräte der bezwungenen Verteidiger herfiel.
DL
Als gefürchteter „Bläser vom Rathaus“ geht Gerhard Hausen in die Unkeler Geschichte ein.
