Allgemeine Berichte | 04.03.2014

Rathaussturm in Linz

Närrische Heerscharen erkämpften die Herrschaft über Linz

Durch die Reihen der Stadtsoldaten hindurch konnte die „Faust von Linz“ ihren Gegner fixieren.DL

Linz. Totenstille lastete am frühen Sonntagmittag über dem Marktplatz von Linz. Keine jecken oder gar aufmunternde Tön waren aus dem Rathaus zu hören, vor dem sich erste Verteidiger um den gehörnten Ratsherrn „Flippo“ scharten. „Meine Verteidiger kommen gleich“, war sich der Erste Beigeordnete der Bunten Stadt am Rhein, Hans Georg Faust, sicher, der Bürgermeister Adi Buchwald während dessen letzten Tagen als Stadtchef den Rücken frei halten sollte. Ob das aber allein mit dem Prinzenorden und einem rostigen Säbel in der Faust des kriegsunerfahrenen Heeres-Sanis möglich sein sollte, schien mehr als fraglich. Auch die ersten fußkranken Kriegsversehrten der Stadtsoldaten, die sich von Henry Dunants Jüngern an die Front kutschieren ließen, stimmten nicht gerade hoffnungsfroh. Dann aber führte Kommandant Markus Paffhausen seine staatzen Kääls auf den Marktplatz und ließ sie in Doppelreihe vor dem Strohhaufen des Beigeordneten Stellung beziehen. So groß das Corps auch ist, gegen die vereinigten Heerscharen, die Christian I. „Commodore der Schweren Artillerie“ dann aufziehen ließ, schienen die Stadtsoldaten aber doch auf verlorenem Posten zu stehen. „Habe nun, ach, Philosophie, die Wege der Politik und der Medizin, auch die Geschichte rheinischer Kunst durchaus studiert mit heißem Bemühen. Da steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor“, erkannte Hans-Georg Faust wie sein berühmterer Namensvetter schon vor Jahrhunderten.

Auch wenn „Junker Jörch“ behauptete, der wie ein bunter Papagei herausgeputzte Prinz mache keinen Eindruck auf ihn, versuchte er, sich hinter dem kleinen Schraaten-Häufchen letzter Getreuer zu verstecken. „Lasst mir aber eine Gasse, denn wenn es gefährlich wird, hab‘ ich einen dringenden Auswärtstermin“, gab er letzte Anweisungen, um dann nach seinen Bütteln zu rufen.

„Die han at seit Donnerstag frei“, höhnte Christian I., der sich nur fragen konnte, wer auf die Schnapsidee gekommen war, den Schmalspurbürgermeister ins Gefecht zu schicken. Und schon schlug er dem Beigeordneten, Mephistopheles zitierend, die Literatur des Dichterfürsten um die Ohren: „Der ganze Strudel strebt nach oben. Du glaubst zu schieben und du wirst geschoben!“ Diese Warnung aber schlug Hans-Georg Faust in den Wind und forderte die Tollität zu einem Faust-Kampf heraus. „Der würde dir aber schlecht bekommen. Deshalb hast du dir wohl mit der gefürchteten Yvonne Verstärkung geholt, die sich wie die Jungfrau von Orleans in die Schlacht werfen will“, spottete der Bürgermeister in spe. Die Strünzer seien klug, erwiderte der Prinz. „Die wollen kein Faust-Recht, sondern Herz und Verstand“, so die Tollität, die auf die gewonnenen Saalschlachten der vergangenen Tage hinwies, so dass man immer voll der Ehre nach Hause gekommen sei.

„Voll ja, aber die Ehre kann man streichen“, erwiderte der Rathausverteidiger, um Christian I. auch noch als „Kanonenchef mit den schönsten Beinen“ zu verspotten. Der aber schlug ihn mit seinen eigenen Kultur-Waffen. „Ich, der Prinz, bin Teil der Kraft, die stets das Gute will und das mit Frohsinn schafft. Der Worte sind genug gewechselt, lasst endlich Taten sprechen“, gab er den Befehl zum Angriff. Im Handumdrehen hatten seine Truppen die Reihen der Stadtsoldaten durchbrochen und bahnten ihm den Weg zum Strohhaufen des Beigeordneten. „Den Fastelovend in seinem Lauf halten weder grauer Faust noch schwarze Demuth, noch roter Lehmann auf“, triumphierte Christian I. nach kurzem Schlagabtausch und übernahm den Rathausschlüssel wie auch das Stadtsäckel. Während sich seine siegreichen Truppen in brüderlicher Eintracht mit den Stadtsoldaten das Mütchen draußen mit Gerstensaft kühlten, musste der frisch inthronisierte Herrscher aller Strünzer im Schraatesaal feststellen, dass in der Stadtkasse trotz jahrzehntelanger Vorherrschaft der CDU nicht einmal Schwarzgeld zu finden war, von einem roten Heller ganz zu schweigen, was der jecken Stimmung einen Tag vor dem Rosenmontagszug keinen Abbruch tat.

Nach kurzem Kampf hatte Christian I. wie seine Vorgänger die Herrschaft über die Stadt gewonnen.

Nach kurzem Kampf hatte Christian I. wie seine Vorgänger die Herrschaft über die Stadt gewonnen.

Durch die Reihen der Stadtsoldaten hindurch konnte die „Faust von Linz“ ihren Gegner fixieren.Fotos: DL

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