Prunksitzung der KG Dattenberg
Närrisches Treiben stellte das Bürgerhaus auf den Kopf
Mit Raketen für tolle tänzerische und gesangliche Darbietungen belohnten die Jecken im Saal die Leistungen
Dattenberg. „Außer Rand und Band im Rööpeland“, hatte die 1936 gegründete Karnevalsgesellschaft Dattenberg für diese Session als Motto ausgegeben.
Entsprechend jeck gestimmt stürmte die Narrenschar am Samstagabend denn auch das Bürgerhaus „Am Schwarzen See“, in das der Elferrat zur Prunksitzung eingeladen hatte. Cowboys, Ritter, Minnesänger und Burgfräulein bevölkerten neben kleinen Hexen und verführerischen Feen den Saal, in den auch Marienkäfer und Bienchen vor der Kälte geflohen waren. Mitten unter ihnen auch Orts-Chef Dieter Runkel, der im bunten Clownskostüm um die Gunst der Oberjecken buhlte, wohl in der Hoffnung, am Karnevalssonntag im Anschluss an die „Fastelovendmess op Daddeberjer Platt“ nicht dasselbe Schicksal erleiden zu müssen, das seinen Kollegen Dieter Sander bereits kurz zuvor ereilt hatte.
Pünktlich um 19.11 Uhr zog Sitzungspräsident Heinz-Peter Schneider, der dieses Amt vor Jahren von dem heutigen Ehrenpräsidenten Matthias Thür übernommen hatte, mit dem Elferrat ein, der von den „Tanzmäusen“ eskortiert wurde, während der Fanfarenzug „Schwarz-Gelb Dattenberg“ für die entsprechend jecken Töne beim Einmarsch sorgte. Direkt nach der Begrüßung durch den Präsidenten fungierten die Musiker in ihren schwarz-gelben Landsknecht-Uniformen unter Leitung von Wolfgang Klockner auch als Eisbrecher. Dabei ließen sie die bekannte „Saints“ einmarschieren, während sie den Dom in „Kölle“ ließen. Danach überließen sie den „Mini Rööpe“ die Bühne, die zu Ballermann-Hits über die Bühne wirbelten.
Raketenreifer Auftritt der Gardistinnen
„Das ist eine absolute Augenweide, so einen Nachwuchs zu sehen“, schwärmte der Sitzungspräsident, bevor er die 20 Tänzer um Daniela Kamper mit Goldbärchen entlohnte. „Jetzt geht’s los, wir sind nicht mehr aufzuhalten“, eroberten direkt danach die Gardistinnen der „Tanzmäuse“ mit „Music es ming Lewe“ die Bühne. Danach standen sie als „ächte Fründe“ nicht nur zusammen, sondern vertrauten auch bei hohen Pyramiden aufeinander, um zu verkünden: „Music was my first love!“ Damit hatten sich die 18 Tänzer von Katja Kröll die erste donnernde Rakete verdient, um sich danach mit ihrer Zugabe zu verabschieden, bei der es auch die grün-goldenen Gäste aus Vettelschoß nicht auf ihren Plätzen hielt.
Als „Village People“ zog dann das Ensemble „Rööpe Underground“ mit „Männergesang der etwas andere Art“ auf. Hatte die Gruppe in den Vorjahren noch nicht live gesungen, so schmetterte sie dieses Mal volltönend ins Mikro. In der Eile hatte es für die jecke Truppe jedoch lediglich zu einem einzigen Text gereicht. Egal ob sie die Melodie von YMCA, vom kleinen grünen Kaktus oder vom „Bett im Kornfeld“ anstimmten, war zur Gaudi der Narrenschar immer nur der Text: „Drink doch eine met, stell dich nit esu ahn. Du steihst he de janze Zick eröm!“ zu hören, was den wandelbaren Sängern aber trotzdem zur Freude ihrer Helferinnen Margit Michels, Ute Wagner und Ruth Zimmermann die zweite Rakete des Abends einbrachte.
Brechend voll wurde es dann auf der Bühne, nachdem mit dem Funkencorps „Blau-Gold“ Leubsdorf um Kommandant Alfons Schriek samt seinem Fanfarencorps nach 90 Minuten die ersten „Auswärtigen“ eingezogen waren. Bereitwillig überließ Heinz-Peter Schneider „Schwadlappe“ André van den Hurk das Mikro, der zunächst die „Funkepänz“ aufmarschieren ließ, um dann Solomariechen Sarah zur Premiere aufzurufen, die zu einem Höhner-Song über die Bühne wirbelte.
Lachmuskeltraining mit Komiker-Duo „Alles Paletti“
Und weiter ging es mit Musik und jecken Tönen, war es Matthias Thür doch gelungen, das Duo „Alles Paletti“ nach Dattenberg zu holen. Und die beiden beherrschten nicht nur klassische Töne und typisch kölsche Krätzjer, sie schwangen sich auch vom „Fiesen“ Moll zu schrillen Jodelern empor, bevor sie vom „Traktor Jünter“ berichteten und „Leedcher“ wie die Plumpsklo-Polka zum Besten gaben. Natürlich kam bei den beiden Komikern auch die Politik nicht zu kurz. Sie mahnten ironisch „Weine nicht, wenn der Euro fällt“, um dann Richtung Griechenland zu erklären: „So schön kann doch kein Land sein, dass man da steckt alle sein Geld rein!“
Nach diesem eher stimmgewaltigen Vortrag dröhnten dann Disco-Bässe durch das Bürgerhaus beim Auftritt der von Sarah Bürder und René Voosen trainierten Showtanz-Gruppe der „Tanzmäuse“. Für ihren fulminanten Auftritt wurden die Tänzerinnen mit der dritten Rakete des Abends belohnt, bevor Dattenbergs Protokollarius, Willi Simons, in „de Bütt“ stieg, um aus dem Dorfnähkästchen zu plaudern.
„Muffensausen im Hause Hausen. Sebastian schoss der Vochel off, bevor der Uli mit der Peng dat schaff“, kommentierte er das diesjährige Königsschießen. Für ihn selbst galt Alarmstufe rot. Seitdem die Glocken aus Maria Laach im Turm der nahen Kirche läuteten, fiel der Putz von der Fassade. „De Wand, wie lang hält se dem Druck noch stand?“, war da die Frage.
Sicher war dagegen, dass auch der Straßenbau nicht unkommentiert blieb, der die „Daddebercher“ zu langen Umwegen auf „Buckelkurvenpisten“ gezwungen hatte. Ergebnis - 20 Unfälle und 100 Stunden weniger Schlaf wegen der Staus.
Nach ihm kam die Zeit der Gäste. Die Große Linzer KG war mit ihrem Prinzen Christian I. „Commodore der Schweren Artillerie“ angerückt, der mit seinen Adjutanten „Bully“ und „Stone“ verriet: „Wenn mer föhle föhle mir, föhle mir vill Freud!“ Da wartete bereits das erste Kürassierregiment Vettelschoss auf seinen Einmarsch, ebenso wie Edno Bommel, der für seinen Büttenvortrag aus dem fernen Osten, aus Glauchau, angereist war. Erst kurz vor Mitternacht kam die „Große Garde“ der Gastgeber zum Zuge und präsentierte ihren Tanz.
Den „Barhockern“ aus Unkel war es dann vorbehalten, nochmals, wenn auch nicht das ganze Rööpeland, so doch den ganzen Saal völlig außer Rand und Band geraten zu lassen und damit den Schlussstrich unter einer Prunksitzung zu ziehen, die sich diesen Namen wirklich verdient hatte.
Zu Hits von Lady Gaga ging es hoch hinaus beim Showtanz der „Tanzmäuse“.
