Allgemeine Berichte | 23.01.2013

Große Linzer KG

Prunksitzung in der Stadthalle

Vor ausverkauftem Haus genoss Kurfürst Prinz Kerky mit seinem jecken Völkchen die gut fünfstündige Narretei

Sogar zwei berittene Indianer zauberten die Stadtsoldaten-Cowboys auf die Bühne. DL

Linz. Familiäre Enge herrschte am frühen Samstagabend nicht nur in Saal des Linzer Gürzenich, der schon seit Wochen bis auf den letzten Platz ausverkauft war. Auch im Foyer war kurz vor 19 Uhr kein Durchkommen mehr. Dort drängten sich die roten, blau-wießen und grün-weißen Corps um Hunnen, Artilleristen und Möhnen, nicht zu vergessen die Cremeschnittchen vom Elferrat, um den Präsidenten der Großen Linz KG, den Narren-Lyriker Alfons Daub, die dann unter den Klängen der Saalkapelle „Rhein Kölsch“ zur Prunksitzung einmarschierten. Und schon nach einer kurzen Begrüßung forderte der Präsident die Narrenschar auf: "Begrüßen Sie mit mir die Tollität von Linz, Kurfürst Kerky, unseren Prinz!“

Jubel zur Begrüßung

Jubelnd empfingen die bunt kostümierten Jecken, unter diesen auch der Noch-Hausherr, Stadtbürgermeister Adi Buchwald, ihren Narren-Fürsten, der ruude Ruusen werfend mit seinem Burgvogt Graf Paul „aus dem Hause Kremer, derer von und aus Hammerstein“ sowie Zinsbote Fürst Michael „aus dem Schoße derer vom Degen“ das Bad in der Menge genoss. In seinem Gefolge die staatzen Kääls von Kommandant Markus Paffhausen mit dem Stadtsoldaten-Tanzpaar, Hanna Bahles und Stefan Willscheid, sowie dem Musikzug unter Leitung von Christian Vossemer.

Ein bunter Prinz für alle Jecken

„Mein Herz schlägt natürlich für rut-wiess, aber in dieser Session bin ich ein bunter Prinz für alle Jecke“, so Kerky I., bevor er die ganze Stadthalle mit seinem Prinzenlied „Rut un wiess sin die Farben meiner Stadt, rut un wiess ist der Stadtsoldat, rut un wiess höpp dat Hätz vor Freud!“, ans Höppe brachte. Wesentlich graziler gelang dies dem Tanzpaar, das den Jecken versicherte: „Hück weed et joot“, bevor die Männertanzgruppe als wilde „Macho-Macho“-Cowboys in kurzen Höschen über die Bühne wirbelten und ihren inzwischen geadelten „Geschäftsführer a.D.“ dabei einbezog. „Selbst in weißen Strumpfhosen und mit roten Lackschuhen ist er einer von uns“, lobte Marcus Paffhausen der Narrenführer, bevor Sänger Jan Eric Burkard mit dem Musikzug für schmissig kölsche Tön sorgte.

„Schang-Hai Nippes“

Die Gäste mit der weitesten „Anreise“ durften Prinz Kerky dann als erste ihre Reverenz erwiesen. In Chinesen us em „Schang-Hai Nippes“ hatten sich die Linzer Hunnen verwandelt, deren Präsidenten „Hu-Voll“, in dessen Rolle Ehrenattila Wolfgang Kuhsel geschlüpft war, seinen künftigen „Nachbarn im Land des Lächelns“ in fast flüssigem Mandarin begrüßte, um dem künftigen „Wahl-Chinesen“ mit Hilfe des Hunnen-Ensemble der Peking-Oper die Kultur seiner zukünftigen Arbeitswelt näher zu bringen. Kulturell ging es weiter mit dem Leiter der Agentur „KoZ“, Jan Eric Burkard, der mit Mella, alias Manfred Küpper und Wolli, außerhalb von Linz auch als Wolfgang Klein bekannt, zwei der von ihm betreuten „Karnevalisten ohne Zukunft“ präsentierte, die sich ausrangiert aus dem närrischen Treiben als Handwerker über Wasser zu halten versuchten und sehnsüchtig auf Neubauten am „Roniger Hof“ warteten.

„Kul-Fü Plinz Kaka“

Kleine Äugelchen sollen bei den Artilleristen ja schon mal vorkommen. Am Samstagabend aber waren sie zu engen Schlitzen in gelben Gesichtern geschrumpft. Als Klapper-Chinesen spielten die Mannen um Kommodore Christian Sieberts auf Kerkys Leidenschaft als Klapperjunge an, bevor sie die Tollität als „Kul-Fü Plinz Kaka“ begrüßt hatten. Nicht wesentlich besser kam Alfons Daub weg, der als „KG-Pläsident Nie-Schwaad-Lang“ mit den üblichen Kotaus geehrt wurde. „Mil sind in die Bunte Stadt gekommen, um am Leinufel für leiche Toulisten dilekt neben dem Hotel Fishelmen’s Fliends einen Pagoden-Tempel samt China-Lestaulant zu bauen“, verrieten sie zum Gaudi der Narren im Saal.

Optischer Höhepunkt

Bis nach „Sansiba“ ließ dann Ehrenrittmeister Mella das Damentanzcorps der Stadtsoldaten auf ihren Steckenpferdchen reiten, die das starke Geschlecht inständig baten: „Liebchen, vergiss mich nicht!“ Nach diesem optischen Höhepunkt, startete „De Fibbes vom Schnäuzerduo“ einen Angriff auf die Lachmuskeln. Von ihm erfuhr Adi Buchwald, was einen Politiker ausmacht. „Wissenschaftler suchen nach Möglichkeiten, in einem dunklen Raum die Anwesenheit einer nicht vorhandenen schwarzen Katze nachzuweisen. Geistliche glauben an ihre Existenz. Der Politiker schreit: Isch han se!“ Angeführt vom Tambourcorps Blau-wiess Ohlenberg zogen dann die Funken von Kommandant Bernd Rechmann mit der Tanzgruppe und der legendären „Bla Wi Tro“ auf die Bühne. Einmal „In Kölle jebütz“, versprachen die junge Tänzer „Ich schenk dir eine Haifischzahn für ein kleines Lächeln“, bevor die Truppe um Stefan Klein und Theo Schmahl den Jecken nicht die Flötentöne, dafür nachhaltig aber die Paukenschläge und Trommelwirbel beibrachte.

Mitreißende Tänze

Weniger Mantel- und Degenromantik als vielmehr mitreißende Tänze präsentierten danach die Roten Husaren um Rittmeister Michael Königs, obwohl sie sich das Musical „Zorro“ ausgesucht hatten. Auch wenn die Tänzer als Rächer des Volkes für Recht und Gerechtigkeit in dem von spanischen Granden beherrschte Kalifornien sorgen wollten, den verführerischen Blicken der spanischen Schönheiten an ihrer Seite erlagen sie allemal und verhalfen zumindest einigen von diesen, aus höchster Höhe auf die Jecken im Saal herab zublicken. Für eine musikalische Überraschung sorgte dann Kurfürst Kerky mit einem weiteren Prinzenlied selber nach der Melodie des Ostermann-Schlagers „Da wo die sieben Berge“, das er mit seinen Adjutanten vortrug, während alle Jecken im Saal mit dem neuen Text versorgt mitsingen konnten. Mit weißen Tüchern winkend, auf seine Ausreise nach China anspielend, forderte er sein Völkchen auf: „So hebt denn Eure Gläser, ein Prost auf euren Prinz! Alaaf, das soll man hören von China bis nach Linz!“ Selber schuld, wenn man so was singt, dass einem vor Rührseligkeit fast die Stimme versagt. „Ich hann at jez Heimweh. Isch weiß janit, ob isch överhaupt noch fahre soll, Bianca“, wandte sich Prinz Kerky an seine Prinzessin. Nicht wesentlich leichter machten ihm diesen Schritt dann auch das Husarencorps Grün-Weiß mit dem Tanzpaar Sarah Korf und Kai Augsburger, die von Vera Demuth trainierten „Silver Girls“ und die Fanfaren vom TV Linz, die nach langen Jahren wenn auch nicht unter der Leitung ihres Jubelprinzen Mäx I. (Weinberg) „von de Trommele un de Trööte“ aufspielten, sondern von Michael Weinberg. Und auch so komplett verdötschten Tön, wie sie um Mitternacht Feuerwehrmann Kresse von sich gab, dürfte der jüngste Linzer Kurfürst demnächst vermissen. Einziger Trost: Noch liegen vier jecke Wochen vor Prinz Kerky mit dem von seinen Stadtsoldaten organisierten Strünzerball und Bürgerfrühschoppen sowie dem absoluten Höhepunkt, dem Linzer Fastelovend-Zoch. DL

Auch Klappern gehörte bei den Chinese der „Schwelen Atillelie“ zum Geschäft.

Auch Klappern gehörte bei den Chinese der „Schwelen Atillelie“ zum Geschäft.

Sogar zwei berittene Indianer zauberten die Stadtsoldaten-Cowboys auf die Bühne. Fotos: DL

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Daniela Jacobs: Auch Fußgänger ????? sollten beachtet werden!Wenn jeder nur ein bisschen, wäre vieles einfacher!
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Dauerauftrag Imageanzeige
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Container Anzeige
First Friday Anzeige März
Innovatives rund um Andernach
Stellenanzeige
Stellenanzeige Personalreferent/in
Empfohlene Artikel
Bürgermeister Heiko Glätzner (r.) und SVL-Projektverantwortlicher Fabian Schneider mit dem finalen Antrag.
15

Leubsdorf. Die Erneuerung des Flutlichts am Sportplatz in Leubsdorf nimmt weiter konkrete Formen an: Nach rund sechs Monaten intensiver Vorbereitung hat der SV Leubsdorf nun beide Förderanträge gestellt – bereits im Januar beim Sportbund Rheinland und seit dieser Woche auch im Rahmen der ZUG-Förderung.

Weiterlesen

Trophäe Deutscher Tierschutzpreis.
30

Region. Menschen, Vereine oder Projekte, die sich für den Tierschutz stark machen, können sich zwischen dem 1. April und 17. Mai 2026 für die Auszeichnung mit dem Deutschen Tierschutzpreis bewerben oder von anderen vorgeschlagen werden. Der Deutsche Tierschutzbund verleiht den Preis - unterstützt von den Tiernahrungsmarken Whiskas und Pedigree - am 19. November bei einer feierlichen Gala im Berliner Humboldt Carré.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
307

Aufgrund von Wartungsarbeiten muss´die Stromversorgung zeitweise eingestellt werden

Kein Strom in Sinzig-Westum und Löhndorf

Sinzig. Am Dienstag, 14. April, führt die Rhein-Ahr-AöR Arbeiten an der Wasserversorgung in Sinzig-Westum durch. Zur Sicherheit der Arbeiter muss dazu ein Mittelspannungskabel der Energienetze Mittelrhein (enm) zeitweise abgeschaltet werden.

Weiterlesen

Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel.  Foto:privat
15

Allgemeine Berichte

EIN-Spruch: Fest(e) der Befreiung

Vom 01.-09. April wird die jüdische Pessach Woche begangen, die nahezu zeitgleich zusammenfällt mit der von den Christen begangene Kar- und Osterwoche. Durch Jesus bedingt hängen beide Festtraditionen, auch inhaltlich, miteinander zusammen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
411

Leserbrief zu „HeimatCheck: Bad Neuenahr: Zu viele unangeleinte Hunde im Stadtgebiet?“

Leserbrief: „Das ist keine Tierliebe, das ist Egoismus!“

Ich bin fast 75 Jahre alt. Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich Hunde. Zwei dieser Hunde wurden von unangeleinten Hunden angefallen, und so schwer verletzt, dass sie nur durch hohe tierärztliche Kunst gerettet werden konnten. Beide hatten ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen.

Weiterlesen

Rund um´s Haus
Rund ums Haus
Kreishandwerkerschaft
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag 2025
Holz Loth-Entsorgung
Fahrer gesucht (m/w/d)
Kleinanzeigen
Doppelseite PR/Anzeigen
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Osterangebot
Kreishandwerkerschaft
Rund ums Haus
SB Standesamt
Stellenanzeige mehrere Stellen
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Ostergrußanzeige
Stellenanzeige