Große Linzer KG
Prunksitzung in der Stadthalle
Vor ausverkauftem Haus genoss Kurfürst Prinz Kerky mit seinem jecken Völkchen die gut fünfstündige Narretei
Linz. Familiäre Enge herrschte am frühen Samstagabend nicht nur in Saal des Linzer Gürzenich, der schon seit Wochen bis auf den letzten Platz ausverkauft war. Auch im Foyer war kurz vor 19 Uhr kein Durchkommen mehr. Dort drängten sich die roten, blau-wießen und grün-weißen Corps um Hunnen, Artilleristen und Möhnen, nicht zu vergessen die Cremeschnittchen vom Elferrat, um den Präsidenten der Großen Linz KG, den Narren-Lyriker Alfons Daub, die dann unter den Klängen der Saalkapelle „Rhein Kölsch“ zur Prunksitzung einmarschierten. Und schon nach einer kurzen Begrüßung forderte der Präsident die Narrenschar auf: "Begrüßen Sie mit mir die Tollität von Linz, Kurfürst Kerky, unseren Prinz!“
Jubel zur Begrüßung
Jubelnd empfingen die bunt kostümierten Jecken, unter diesen auch der Noch-Hausherr, Stadtbürgermeister Adi Buchwald, ihren Narren-Fürsten, der ruude Ruusen werfend mit seinem Burgvogt Graf Paul „aus dem Hause Kremer, derer von und aus Hammerstein“ sowie Zinsbote Fürst Michael „aus dem Schoße derer vom Degen“ das Bad in der Menge genoss. In seinem Gefolge die staatzen Kääls von Kommandant Markus Paffhausen mit dem Stadtsoldaten-Tanzpaar, Hanna Bahles und Stefan Willscheid, sowie dem Musikzug unter Leitung von Christian Vossemer.
Ein bunter Prinz für alle Jecken
„Mein Herz schlägt natürlich für rut-wiess, aber in dieser Session bin ich ein bunter Prinz für alle Jecke“, so Kerky I., bevor er die ganze Stadthalle mit seinem Prinzenlied „Rut un wiess sin die Farben meiner Stadt, rut un wiess ist der Stadtsoldat, rut un wiess höpp dat Hätz vor Freud!“, ans Höppe brachte. Wesentlich graziler gelang dies dem Tanzpaar, das den Jecken versicherte: „Hück weed et joot“, bevor die Männertanzgruppe als wilde „Macho-Macho“-Cowboys in kurzen Höschen über die Bühne wirbelten und ihren inzwischen geadelten „Geschäftsführer a.D.“ dabei einbezog. „Selbst in weißen Strumpfhosen und mit roten Lackschuhen ist er einer von uns“, lobte Marcus Paffhausen der Narrenführer, bevor Sänger Jan Eric Burkard mit dem Musikzug für schmissig kölsche Tön sorgte.
„Schang-Hai Nippes“
Die Gäste mit der weitesten „Anreise“ durften Prinz Kerky dann als erste ihre Reverenz erwiesen. In Chinesen us em „Schang-Hai Nippes“ hatten sich die Linzer Hunnen verwandelt, deren Präsidenten „Hu-Voll“, in dessen Rolle Ehrenattila Wolfgang Kuhsel geschlüpft war, seinen künftigen „Nachbarn im Land des Lächelns“ in fast flüssigem Mandarin begrüßte, um dem künftigen „Wahl-Chinesen“ mit Hilfe des Hunnen-Ensemble der Peking-Oper die Kultur seiner zukünftigen Arbeitswelt näher zu bringen. Kulturell ging es weiter mit dem Leiter der Agentur „KoZ“, Jan Eric Burkard, der mit Mella, alias Manfred Küpper und Wolli, außerhalb von Linz auch als Wolfgang Klein bekannt, zwei der von ihm betreuten „Karnevalisten ohne Zukunft“ präsentierte, die sich ausrangiert aus dem närrischen Treiben als Handwerker über Wasser zu halten versuchten und sehnsüchtig auf Neubauten am „Roniger Hof“ warteten.
„Kul-Fü Plinz Kaka“
Kleine Äugelchen sollen bei den Artilleristen ja schon mal vorkommen. Am Samstagabend aber waren sie zu engen Schlitzen in gelben Gesichtern geschrumpft. Als Klapper-Chinesen spielten die Mannen um Kommodore Christian Sieberts auf Kerkys Leidenschaft als Klapperjunge an, bevor sie die Tollität als „Kul-Fü Plinz Kaka“ begrüßt hatten. Nicht wesentlich besser kam Alfons Daub weg, der als „KG-Pläsident Nie-Schwaad-Lang“ mit den üblichen Kotaus geehrt wurde. „Mil sind in die Bunte Stadt gekommen, um am Leinufel für leiche Toulisten dilekt neben dem Hotel Fishelmen’s Fliends einen Pagoden-Tempel samt China-Lestaulant zu bauen“, verrieten sie zum Gaudi der Narren im Saal.
Optischer Höhepunkt
Bis nach „Sansiba“ ließ dann Ehrenrittmeister Mella das Damentanzcorps der Stadtsoldaten auf ihren Steckenpferdchen reiten, die das starke Geschlecht inständig baten: „Liebchen, vergiss mich nicht!“ Nach diesem optischen Höhepunkt, startete „De Fibbes vom Schnäuzerduo“ einen Angriff auf die Lachmuskeln. Von ihm erfuhr Adi Buchwald, was einen Politiker ausmacht. „Wissenschaftler suchen nach Möglichkeiten, in einem dunklen Raum die Anwesenheit einer nicht vorhandenen schwarzen Katze nachzuweisen. Geistliche glauben an ihre Existenz. Der Politiker schreit: Isch han se!“ Angeführt vom Tambourcorps Blau-wiess Ohlenberg zogen dann die Funken von Kommandant Bernd Rechmann mit der Tanzgruppe und der legendären „Bla Wi Tro“ auf die Bühne. Einmal „In Kölle jebütz“, versprachen die junge Tänzer „Ich schenk dir eine Haifischzahn für ein kleines Lächeln“, bevor die Truppe um Stefan Klein und Theo Schmahl den Jecken nicht die Flötentöne, dafür nachhaltig aber die Paukenschläge und Trommelwirbel beibrachte.
Mitreißende Tänze
Weniger Mantel- und Degenromantik als vielmehr mitreißende Tänze präsentierten danach die Roten Husaren um Rittmeister Michael Königs, obwohl sie sich das Musical „Zorro“ ausgesucht hatten. Auch wenn die Tänzer als Rächer des Volkes für Recht und Gerechtigkeit in dem von spanischen Granden beherrschte Kalifornien sorgen wollten, den verführerischen Blicken der spanischen Schönheiten an ihrer Seite erlagen sie allemal und verhalfen zumindest einigen von diesen, aus höchster Höhe auf die Jecken im Saal herab zublicken. Für eine musikalische Überraschung sorgte dann Kurfürst Kerky mit einem weiteren Prinzenlied selber nach der Melodie des Ostermann-Schlagers „Da wo die sieben Berge“, das er mit seinen Adjutanten vortrug, während alle Jecken im Saal mit dem neuen Text versorgt mitsingen konnten. Mit weißen Tüchern winkend, auf seine Ausreise nach China anspielend, forderte er sein Völkchen auf: „So hebt denn Eure Gläser, ein Prost auf euren Prinz! Alaaf, das soll man hören von China bis nach Linz!“ Selber schuld, wenn man so was singt, dass einem vor Rührseligkeit fast die Stimme versagt. „Ich hann at jez Heimweh. Isch weiß janit, ob isch överhaupt noch fahre soll, Bianca“, wandte sich Prinz Kerky an seine Prinzessin. Nicht wesentlich leichter machten ihm diesen Schritt dann auch das Husarencorps Grün-Weiß mit dem Tanzpaar Sarah Korf und Kai Augsburger, die von Vera Demuth trainierten „Silver Girls“ und die Fanfaren vom TV Linz, die nach langen Jahren wenn auch nicht unter der Leitung ihres Jubelprinzen Mäx I. (Weinberg) „von de Trommele un de Trööte“ aufspielten, sondern von Michael Weinberg. Und auch so komplett verdötschten Tön, wie sie um Mitternacht Feuerwehrmann Kresse von sich gab, dürfte der jüngste Linzer Kurfürst demnächst vermissen. Einziger Trost: Noch liegen vier jecke Wochen vor Prinz Kerky mit dem von seinen Stadtsoldaten organisierten Strünzerball und Bürgerfrühschoppen sowie dem absoluten Höhepunkt, dem Linzer Fastelovend-Zoch. DL
Auch Klappern gehörte bei den Chinese der „Schwelen Atillelie“ zum Geschäft.
