Traditionelles Kirmesfest in Scheuren
Scheurener feierten mit ihren Majestäten
Nach Public Viewing war Königsball Höhepunkt des Festes
Unkel. Erheblich früher als in den Vorjahren widmeten sich die Scheurener Junggesellen um ihren Vorsitzenden Eric Strunk ihrem Kirmesmann. Zum Public Viewing hatten sie ihn im Kirmeszelt hoch über den Eingang postiert. Mit Nationalflagge und einem Ball an der Hand erinnerte er entfernt an den Helden aus dem Algerienspiel, Torwart Manuel Neuer, der ebenso gefeiert wurde wie Torschütze Mats Hummels. „Das war ja ein Spitzeneinstieg in unsere Kirmes“, schwärmte Prinzregent Michael Braun. Das war seinem Bürgerverein beim klassischen Kirmes-Kick am Samstagvormittag nicht so ganz gelungen. Aber davon war am Nachmittag, an dem sich der Kirmesplatz um den Power-Dart-Stand und das kleine Kettenkarussell, die den Schießstand flankierten, langsam füllte, nichts mehr zu spüren. Festen Schrittes überwanden Horst Braun, Manfred Mönch, Werner Rolef, Klaus-Dieter Schmitz und Markus Wenger, die mit ihren Partnerinnen Helga Hoffmann, Doris Mönch Monika Rolef, Silvia Schmitz sowie Andrea Wenger, die als Ehrenpaare Sigrid und Michael Braun zur Seite standen, den extrem steilen Anstieg zur Hofburg. Dabei waren sie mindestens so ins Schwitzen geraten wie Verena Braun und Niclas Richarz, Kira Odenthal und Marius Richarz, Lara Odenthal und Nils Hegel, Maria Rechmann und Justin Korfmacher sowie Nina Schmitz und Manuel Braun, die sich Verena Braun und Niclas Richarz als Ehrenpaare auserkoren hatten. „Nur gut, dass auch Verenas Mutter beim Königsschießen am Dom den Goldenen Schuss gelandet hat, sonst müssten wir zwei Königshäuser anlaufen“, seufzten die jungen Ehrenherren, die wie ihre betagteren Kollegen auch arg ins Schwitzen kamen, während ihre Damen die hochsommerlichen Temperaturen bei mehr Sekt als Selters sichtlich genossen. Da hatten der Scheurener Hauptmann Eric Strunk und Leutnant Lukas Schmitz längst den Königszug auf dem Kirmesplatz antreten lassen. In den reihten sich neben den Gastgebern die übrigen fünf Junggesellenvereine der Verbandsgemeinde, auch die Bürgervereine aus Unkel mit ihrem Bürgerkönig, dem Kamener Klaus Osterhaus, und aus Heister mit König Karl-Heinz Buchmüller ein. Musikalisch angeführt vom Unkeler Tambourcorps „Rheinklänge“ und dem Bläserkorps der KG ging es durch den kleinen Ort bis in die Straße „Im Winkel“, von der aus man zur Königsburg hochsehen kann. Auf deren kleinem Vorplatz ging es so eng zu, dass sich nur die Offiziere und Vorsitzenden der Vereine mit den Gast-Majestäten aufmachten, den Anstieg zu meistern. Über eine Stunde harrte die Festgesellschaft an oder unterhalb der Königsburg aus, bis die Offiziere der Scheurener Junggesellen die Musiker zum Aufbruch blasen ließen. Dann ging es rund um den alten Ortskern bis auf die Scheurener Straße, die zum Dorfplatz am Dom führt. Während Sigrid Braun direkt nach dem Königsschießen von ihrem Vorgänger Peter Srol die Königskette erhalten hatte, wurde Tochter Verena erst jetzt dort mit der Kettenübergabe inthronisiert, bevor die Fähnriche der Junggesellenvereine zu Ehren der Majestäten ihre Fahnen schwenkten.
Um diese herum drehten sich im Kirmeszelt Sigrid und Michael Braun sowie Verena Braun und Niclas Richarz wenig später beim Königswalzer, zu dem wie im Vorjahr die Band „Die Steiner“ aufspielte. „Unsere neuen Königspaare, sie leben ...“, kommandierte der Vorsitzende des Sankt Joseph-Bürgervereins von Unkel-Scheuren, Jörg Schröder, woraufhin ihm aus vielen Kehlen ein donnerndes, dreifaches „Hoch“ entgegenschallte. Erst danach konnte die Festgesellschaft am Königstisch Platz nehmen. Eine Verschnaufpause hatten sich die Majestäten verdient, lag doch noch eine rauschende Ballnacht vor ihnen. Entsprechend kurz war die Nacht für viele Scheurener bis zum traditionellen Hochamt am Sonntagmorgen auf dem Dorfplatz vor dem Dom, an das sich die Prozession durch den Ort anschloss. Zum Kirmes-Frühschoppen spielten die Lau-Sitzer und auch die Sängergemeinschaft Unkel/Kasbach-Ohlenberg trug zur Unterhaltung bei. Am Nachmittag machten sich die Junggesellen und Jungmädchen mit ihren Gastvereinen und den „Rheinklängen“ erneut zu einem Umzug durch Scheuren auf, bevor sie zum großen Preis-Fähndelschwenken einluden. Beendet wird die Kirmes anders als noch vor einigen Jahren bereits am Montagabend, an dem die Junggesellen und -mädchen ihrem Kirmesmann um 19 Uhr den Prozess machen. Keine Frage, dass dieser traditionell mit dem Urteil „Tod durch Verbrennen“ endete, wobei die Vollstreckung mit „Heulen und Zähneklappern“ begleitet wurde, wohl wissend, dass der Paias im nächsten Jahr wie Phönix aus der Asche wiederauferstehen wird.
