Ministerien führen die Kläranlage Linz-Unkel als Fallbeispiel an
Schlammfaulung senkt den Bezug von Fremdenergie
Linz. Zu einem Pressegespräch hatte der Linzer Verbandsgemeindebürgermeister Hans-Günter Fischer eingeladen, um zusammen mit Dagmar Stirba, der Werkleiterin der Kläranlage des Weckverbandes Linz-Unkel, eine Broschüre der rheinland-pfälzischen Ministerien für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten sowie für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung vorzustellen. Der Grund: In der Broschüre, die energetische und ökologische Optimierungspotenziale aufzeigt, wird die Linz-Unkeler Anlage als Fallbeispiel angeführt. Ziel der Broschüre ist es, dass alle 670 Kläranlagen des Landes eine hohe Energieeffizienz erreichen.
„Wir sind natürlich schon ein wenig stolz, dass wir so kleineren Kommunen den Weg aufzeigen können, wie auch sie ihre Anlagen optimieren können“, erklärte der VG-Chef. Der Zweckverband habe in einem Pilotprojekt, für das die beiden Verbandsgemeinden auf Initiative der Werkleiterin hin schon im November 2007 eine Studie zur Verfahrensumstellung in Auftrag gegeben hatten, nachgewiesen, dass sich eine Umstellung von „aerober Schlammstabilisierung auf anaerobe Schlammfaulung“ auch für Anlagen mit 28.000 Einwohnerwerten durchaus rentiert. Die prognostizierte Kostenreduzierung war so positiv ausgefallen, dass im Juni 2008 die Ingenieurgesellschaft Siekmann mit der Planung des rund 2,5 Millionen Euro teuren Projekts beauftragt wurde.
„Uns ging es darum, externe Größen, die wir nicht beeinflussen konnten, zu minimieren“, erklärte Fischer. Durch die Verfahrensumstellung könnten diese nun weitgehend selber bestimmt werden. Während bei der bislang noch weit verbreiteten aeroben Stabilisierung durch Sauerstoffzufuhr bei relativ hohem Energieaufwand belebt wird, wird in den Anlagen des Zweckverbandes seit dem Probenbetrieb der Faulbehälteranlage und der Inbetriebnahme der Mikrogasturbine Klärschlamm als kontrollierbarer und immer einsetzbarer Energieträger genutzt. „Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass wir durch den Einbau energieeffizienter Belüftungselemente in das Belebungsbecken den Energieverbrauch um mindestens 15 Prozent senken können“, so Dagmar Stirba. Gleichzeitig werde durch einen zweistufigen Kompaktfaulbehälter sowie einen innovativen Doppelmembran-Gasbehälter die Abwärme der Faulgase energetisch genutzt. War man bei den Betriebskosten von Einsparungen in Höhe von 15.000 Euro ausgegangen, so lagen diese im Vorjahr bei über 120.000 Euro. Ein Grund: Mit etwas mehr als 34.150 Kilowattstunden pro Monat konnte der Fremdstrombezug um nahezu 40 Kilowattstunden mehr als halbiert werden. „Und auch die Schlammmengen haben sich von 262 auf 171 Tonnen pro Monat verringert“, rechnete Hans-Günter Fischer vor. Neben diesen „Ersparnissen“ dürfe jedoch nicht die Reduzierung des CO2-Ausstoßes von 600 Tonnen vergessen werden. „Das ist Klimaschutz vor Ort“, konstatierte der VG-Chef zufrieden.
Abgeschlossen ist das Gesamtkonzept aber noch immer nicht. „Wir haben eine weitere Optimierung durch eine Pyrolyse-Anlage angestoßen, bei der ein Entwässerungsaggregat und eine Klärschlamm-Trocknung vorgeschaltet werden , sodass sich die Schlammmenge nochmals verringern wird“, berichtete Dagmar Stirba. Dieser Schlamm kann als Granulat dem Düngekreislauf zugeführt werden. Erste Pflanzenversuche seien positiv verlaufen, die Förderanträge seien bereits gestellt. „Wenn alles nach Plan läuft, können wir dieses 1,5 Millionen Euro-Projekt nach den Sommerferien in Angriff nehmen“, zeigte sich Fischer zuversichtlich.
