Linzer Artilleristen luden zu ihrem 7. Oktoberfest ein
Stadthalle verwandelte sich in uriges Hofbräuhaus
Linz. „Feiern wie die Bayern“ hieß es wieder beim Linzer Funkencorps der Schweren Artillerie 1939 um Commodore Christian Sieberz. Dessen Truppe hatte in der Stadthalle alle rut-wiessen Farben der jecken Stadt mit blau-weißen Rauten „übermalt“, hatte sie doch zu ihrem traditionellen Oktoberfest eingeladen. Nach der Trachtenkapelle Pähl im Vorjahr waren dieses Mal wieder die Freunde aus Raisting nahe des Ammersees am Zug, eine tolle Blaskapelle um Dirigent Christoph Drissl, welche die Artilleristen einst auf einer Floßfahrt während ihres traditionellen Bayern-Manövers kennengelernt hatten. Wie seine Mannen hatte Kommodore Christian Siebertz dem Anlass entsprechend seine rot-weiße Uniform mit den goldenen Tressen gegen eine kniebundlange Krachlederne und einen Janker mit Hirschhornknöpfen eingetauscht. Auch bei den zahlreichen Gästen im Saal waren etliche Lederhosenträger neben feschen Dirndl-Trägerinnen zu sehen und natürlich hatten auch die von Franz-Joseph Strauß als „Reagenzgläschen“ verhöhnten Kölschstangen dem bayerischen Maß weichen müssen. „Nachhilfeunterricht in der Fremdsprache Bayrisch brauchen wir nicht mehr, da wir bei unseren ersten Oktoberfesten immer das Wiesn-Lexikon ausgelegt hatten“, erinnerte Heinz Bündgen an der Bonkasse. Und prompt stellte die Linzer Tollität von „Bild und Ton“ aus dem Jahr 1989 seine Kenntnisse unter Beweis, die sich nicht nur auf Busseln beschränkten. „Dibbfalschaissa und Zwiedawuazn“, also pedantische Kleinkrämer und Schreckschrauben werde man in der Stadthalle beim Oktoberfest nicht finden, war er sich sicher. Dafür aber konnten etliche seiner Kollegen ausgemacht werden wie etwa die Ex-Prinzen Murmel, Blitz oder der Nüsselhüter vum Maat. Ja sogar die noch amtierende Tollität Kerky I. war kurzfristig aus China in die Heimat zurückgekehrt und feierte nach dem Besuch des begeisternden Mitsingkonzerts seiner Stadtsoldaten mit der Band „Antweiler, Graf & Co“ auf Hennefer Platt nun zu bayrischer Musi, mit der die Raistinger die Stimmung von einem Höhepunkt zum anderen trieben, nachdem der Stadtbeigeordnete Johannes Hundrieser mit „vui Gfui“ den Hahn zünftig in das Festbiergebinde getrieben und freudig verkündet hatte: „O’zapft is!“ „Stärkt Euch richtig, damit Ihr nachher beim ‚Hau den Lukas‘ auch sicher über die Marken ‚Dressdöppe‘ oder ‚Botzedrisser‘ hinauskommt“, mahnte der Commodore in seiner kurzen Begrüßung die männlichen wie weiblichen Gäste, um sich dann mit Michael Nietzard auf „Dirndl-Fang“ zu begeben. Hatte in den Vorjahren etwa der Wadenumfang der Mannsbilder oder deren Fertigkeit im „Wiagsogschneiden“ sowie im Melken von Kuh Berta im Mittelpunkt gestanden, so ging es beim siebten Oktoberfest der Kanoniere beim Dirndl-Contest wieder um die schönste Kleidung eines zamgramds waibsbuid.
Vor der Kulisse des alten Linzer Rathauses spielten die Raistinger Freunde vom Ammersee zur Musi auf.
