Sturm aufs Rathaus ging zugunsten der Übermacht des Linzer Corps
Auch die Unterstützung der französischen Freunde aus Pornic konnte Adi Buchwald und Johannes Hundrieser nicht retten
Linz. Die "Bunte Stadt am Rhein" leuchtete im strahlendem Sonnenschein und bei frostigen Temperaturen am späten Sonntagvormittag. Die Temperaturen entsprachen in etwa der Stimmung von Stadtbürgermeister Adi Buchwald, der dem unausweichlichen Rathaussturm grimmig entgegen sah. Erst kürzlich von einem anstrengenden Check-up zurückgekehrt, überließ er es seinem Stellvertreter Johannes Hundrieser die Verteidigungsrede zu schwingen, was ihn jedoch nicht davon abhielt, neben diesem auf dem Strohballen-Feldherrnhügel vor dem Rathaus eine Front gegen die Aggressoren zu errichten. Schützenhilfe erhielten die beiden Strünzer-Schraate dabei dieses Jahr von ihrem Pornicer Kollegen, Philippe Boennec, der seine Bretonen zudem anwies, sich in die Schlachtformation vor der Rathaustür einzureihen. Gerade noch rechtzeitig verkündeten dumpfe Trommelschläge und schmetternde Fanfarenklänge, dass die närrischen Heerscharen von Kurfürst Prinz Kerky I. im Anmarsch waren.
Und schon füllte sich der Marktplatz mit den Corps, die den Namen „Bunte Stadt am Rhein“ alle Ehren machten. Während sie vor der hohen Strohbarrikade Halt machten, führte Kommandant Markus Paffhausen seinen staatzen Kääls vom Stadtsoldatencorps zwischen das Rathaus und die feindlichen Linien. „Ach nein, ach nein, der ist wieder dran, der zweite Mann der Hundrieser Johann muss einmal mehr als Strohmann ran“, höhnte der Kerkys Generalfeldmarschall Alfons Daub. „Wohlan, wohlan, nimm mit viel Fun Lehre an. Lass‘ den Dingen ihren Lauf und gib‘ von vornherein jetzt auf!“, forderte er noch relativ gelassen. „Hast du ’nen Hau, die Grippe der Sau? Und wirst do nochmals richtig fies, mach ich aus dir ’nen Daub am Spieß“, erwiderte Adis Sprachrohr und drohte Alfons Daub und seine Spießgesellen zu treiben in des Rheines Wellen.
Närrisches Gelächter
Über eine solche Fehleinschätzung der Lage konnte die geballte Narrenschar nur lachen. „Auf weiter Flur bist du allein! Lass sein, gib auf - mein Hannilein. Kommst du stattdessen uns noch doofer, wirst du vertrieben zurück nach Hannover in das Land der Niedersachsen. Also mach uns keinen Faxen“, erwiderte Alfons Daub. Das aber schien den Beigeordneten nicht zu beeindrucken. Stattdessen drohte er, seinen Widersacher ins Dschungelcamp zu schicken.
„Dort kannst du futtern Würmer, Maden, Heuschrecken und Ochsenfladen. Als Biobauer wird’s dir nicht schaden“, spielte er auf den bürgerlichen Beruf der kommandierenden Jecken-Generals an. Der aber ließ sich von dem „Mini-Funsel“ nicht ins Boxhorn jagen. „Die Hucke werden wir dir versohlen. Das ist schlimmer als beim Bohlen verhöhnt zu werden und verlacht. Wir kämpfen bis die Schwarte kracht.
Denn eines, das ist sonnenklar: In Linz ist unser Prinz der Superstar“, stellte Alfons Daub die Rangordnung klar. Dann wollte auch die Tollität mit ihren Adjutanten, den warmen Schraatesaal vor Augen, nicht länger in Kälte ausharren. „Johann, mit dem Rücken an der Wand bist du auch Herrscher ohne Land. Komm sei gescheit, vermeid den Streit“, riet er zur Vernunft und listet seine gesamten Streitkräfte auf bis hin zu den Jubel-Cremeschnittchen. „Mit denen kriegen wir dich am Schlawittchen! Als früherer Stadtrat ich dir sage: Gezählt sind hiermit deine Tage“, gab der Kurfürst seinen „Gute-Laune-Truppen“ Befehl zum Angriff.
Widerstand zwecklos
Da war der Widerstand der Räte und Mägde der Stadt völlig zwecklos, zumal sich die Franzosen vornehm zurückhielten. Kein Wunder, dass die Troika so im Handumdrehen überrannt werden und Prinz Kerky I. dem noch geschwächten Bürgermeister den Stadtschlüssel entreißen konnte. „Adi, Johannes, lasst uns Frieden schließen, die Freundschaft nun mit Kölsch begießen. Der Linzer Fastelovend, hoch soll er leben. das ist der Sinn, nach dem wir alle streben!“, beendete Prinz Kerky I. das Schauspiel vor dem Rathaus, um sich mit seinen Getreuen zu seine gerahmten Vorgängern im Schraatesaal zu begeben und dort seinen Sieg zu feiern.
DL
Prinz Kerky I. riss dem Bürgermeister den Stadtschlüssel aus der Hand.
