Bundesministerin Andrea Nahles war beim Neujahrsempfang der Linzer SPD zu Gast
„Taliban und IS fordern unsere Werte heraus, Kulturen prallen aufeinander“
Linz. Zum traditionellen Neujahrsempfang hatten der Linzer SPD-Ortsverein und Gemeindeverband der Sozialdemokraten um die Vorsitzenden Rainer Zimmermann und Hans Joachim Schwedthelm in die Kapelle der Sankt Antonius-Residenz eingeladen. Gastrednerin war Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles. Sie sprach zum Thema „Arbeit 4.0 - Arbeit weiter denken“. Rainer Zimmermann konnte außerdem den Hausherrn, Einrichtungsleiter Sven Lefkowitz, die Landtagskandidatin für den Wahlkreis 3, Birgit Haas aus Straßenhaus, den Kreisvorsitzenden Fredi Winter sowie dessen beiden Vorgänger, Renate Pepper und den Kreis-Ehrenvorsitzenden Peter Zoller, die Kreis-Geschäftsführerin Eva Frömgen, die SPD-Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Petra Jonas, die Erste Beigeordnete des Linzer VG-Rates, Andreas Sünning-Löhr sowie Stadtbürgermeister Hans Georg Faust mit dem Ersten Beigeordneten Thomas Balasus begrüßen. Angereist waren auch zahlreiche Parteifreude aus den Verbandsgemeinden Unkel, Asbach und Bad Hönningen sowie aus Neuwied.
Die Zeit bis zur Ankunft von Andrea Nahles überbrückte das Linzer Duo, Miriam Brackelsberg und Ralph Müllenschläder, musikalisch.
Rainer Zimmermann widmete sich in seinem Jahresrückblick unter anderem auch schrecklichen Ereignissen wie dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ Anfang Januar 2015, dem IS-Anschlag Mitte November in Paris oder den Vorkommnissen in Köln an Silvester. „Wir lassen uns nicht einschüchtern von Fanatikern“, gab er als Devise aus. Er betonte die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung von Linz und der umliegenden Orte. „Auch die Juso-AG ‚Rheinschiene‘ hat mit ihrem internationalen Fußballturnier in der Miesgesweghalle einen hervorragenden Beitrag zur Willkommenskultur geliefert und einen richtigen Weg zur Integration aufgezeigt“, lobte er die Jungsozialisten, bevor er kurz auf die Landtagswahlen Mitte März einging.
Klare Worte
Bevor sich die Ministerin den Themen rund um Automatisierung und Digitalisierung, Crowd- und Clickworking widmete, durch die sich Arbeit und Leben rasant verändern, ging sie auf die Flüchtlingssituation ein. „Die wird hier in Rheinland-Pfalz und damit auch in Ihrer VG hervorragend gemanagt, auch dank eines großen ehrenamtlichen Engagements“, erklärte Andrea Nahles. Natürlich höre man immer wieder die Befürchtung, dass die Welt aus den Fugen gerate. Grund für diese Haltung sei die Tatsache, dass über Jahre hinweg die Illusion einer stabilen Ordnung aufrecht erhalten worden sei, obwohl die Konflikte längst bekannt gewesen seien. „Taliban und IS fordern unsere Werte heraus, Kulturen prallen aufeinander“, konstatierte die Ministerin. Speziell als Frau könne man sich menschenverachtende Vorfälle wie in Köln nicht gefallen lassen. „Wir bieten den Asylanten viel, schützen Familien und Religion. Aber weder Familie noch Religion stehen über dem Grundgesetz“, stellt sie unmissverständlich klar. Wenn Deutschland Schutzsuchende aufnehme, könne man auch verlangen, dass sich diese an die geltende Ordnung halten, so ihr Statement. Rund 70 Prozent der Asylanten seien jünger als 35 Jahre, die Hälfte sei sogar unter 25 Jahre. Damit komme eine Generation nach Deutschland, die in der Bevölkerung unterrepräsentiert sei. Diese Jahrgänge würden entsprechend dringend benötigt, auch wenn man sich nichts vormachen dürfe: „In Arbeit gebracht werden können die Neuankömmlinge nicht von heute auf morgen. Dies kann nur nach Sprachkursen und einer entsprechend umfassenden Ausbildung gelingen“, so Andrea Nahles, bevor sie der ‚Debatte aus dem Süden‘ um eine Obergrenze eine deutliche Abfuhr erteilte. „Wir brauchen eine kontrollierte Begrenzung und eine faire Verteilung in der ganzen EU. Das allein ist der richtige Weg“, schloss Andrea Nahles dieses Thema ab, um sich etwa mit Leiharbeit und Werkverträgen durchaus prekären Beschäftigungs- und Arbeitszeitmodellen für Beschäftigte und Unternehmen widmete.
Besondere Ehre
Anschließend nahm sie mit den beiden Vorsitzenden die Ehrung langjähriger SPD-Mitglieder vor. So überreichte sie für 50-jährige Parteizugehörigkeit dem Ockenfelser Franz-Josef Prangenberg, der auch 25 Jahre Mitglied des Gemeinderates war, eine Urkunde. Wie dieser gehört auch Heinz Stech, der 16 Jahre lang als Ortsbürgermeister die Geschicke der kleinen Rheingemeinde gelenkt hat, zu den Gründungsmitgliedern des Ortsvereins. Seine Frau Maria nahm stellvertretend für ihn die Urkunde entgegen. Für 40-jährige Treue zur SPD ausgezeichnet wurden die Linzer Hans Adams, Harry Biastoch, Ursula Höfer und Karl-Heinz „Flippo“ Wölbert. Ihr Silberjubiläum als Sozialdemokraten feiern dieses Jahr zudem Christel Jurgel, Wolfgang Latz und Herbert Schönlen.
