Große Erpeler KG hatte zu ihrer großen Prunksitzung geladen
Triumphale Thronbesteigung von Prinzessin Christiane I. im „Gürzenich“
Erpel. „Einmal Prinz zu sein, in Kölle am Rhein“, intonierte das Tambourcorps Erpel beim Einzug zur Prunksitzung der Großen Erpeler Karnevalsgesellschaft (GEK) um den Vorsitzenden Uwe Kochems. Die Frage: „Was kann schöner sein?“ konnte Christiane Simon locker beantworten, nachdem die Tollität, von Stadtsoldaten und Prinzengarde eskortiert, mit ihrem ganze Jeschmölje das Gürzenich der Alten und Freien Herrlichkeit eroberte hatte: „Es ist eine unheimliche Ehre und Freude, hier in Erpel Prinzessin sein zu dürfen“, erklärte Christiane I. ihrem jecken Völkchen, das ihr einen unbeschreiblichen Empfang bereitet hatte. „Das kann man nicht in Worte fassen, das muss man einfach erlebt haben. Ich freue mich“.
Umgeben wurde die Tollität nicht nur von Ehemann Erich als Prinzessinnen-Fahrer und Penunzen-Verwalter sowie von Bruder Klaus Sieberz als „Apotheker“. Als Adjutanten hatte Christiane I. die erfahrenen Karnevalisten Joachim „Waldi“ Waldmann als wandelnden Terminkalender und Georg Wambach als Pritsch- und Orden-Verwalter gewinnen können, deren Ehefrauen Petra und Sabine der Tollität als Ehrendamen zur Seite stehen.
Christianes „Gesetze“ kommen Steuersündern entgegen
„Mir fiere Karneval im zehn mal elften Johr, Erpel im Jlück, damals wie hück“, verkündete Christiane I. ihr Sessionsmotto, um direkt ihre Gesetze im Königreich „Alt-Erpilla“ verlesen zu lassen. Nach denen ist „Aschermittwoch“ aus dem Erpeler Wortschatz gestrichen, die Möhnen-Kolleginnen von Christiane I. sind gehalten, ihr jeden Wunsch zu erfüllen, während Miesepitter und Jriesgrame sich nicht sehen lassen dürfen. Gute Nachrichten dagegen für alle Steuersünder: Nach der Ratshauserstürmung sind alle Forderungen und Gebühren erlassen. „Erpel, ewig jung, mer sinn hück all in Schwung“, so die Prinzessin, bevor die Bühne für die Kindergarde freigemacht wurde, die entsprechend forderte: „Mach dein Ding, Dingeling!“. Wichtige Stationen aus dem Leben der Tollität stellte dann Sohnemann Tobias, unterstützt von Schwester Jasmin und Freunden der Narrenschar, vor. Nachdem er als Heintje die Prinzessin inständig gebeten hatte, nicht um ihren Jungen zu weinen, erfuhren die Narren im Saal über die Tollität: „Sie macht sich täglich auf die Wege, zur Caritas und zur Fußpflege“. Auch Christianes Kegel-Leidenschaft und ihr Dirndl-Auftritt als Liebestrank-Verkäuferin beim Weinfest kamen nicht nur zur Sprache, sondern wurden in Sketchen vorgeführt. Keine leichte Arbeit wartete danach auf Richie xxs mit seinen „Liedern, die der Mensch nicht braucht“ und leisen Wortspielereien, um seiner Rolle als Eisbrecher gerecht zu werden. Einfacher hatte es da der Möhnenclub, der für seine Vereinskameradin Nana Mouskouri engagiert hatte und das gleich in achtfacher Ausführung. Mit „weißen Rosen aus Athen“ baten die Möhnen die Prinzessin, recht bald wieder zu ihnen zurückzukommen, bevor sie der Tollität „Auf Wiedersehen“ sagten.
Das gab es dann mit „Oma Finchen“, der ältesten Bewohnerin des Unkeler Christinenstifts aus Erpel - die erinnerte nicht nur an Doris Day, die „super propere Hausfrau, die im Polyester-Pyjama und mit ner Betonfrisur in d’r Küch stund“. Sie rief auch dat jröne Telefon ins Gedächtnis, das später in nen Brokat-Poncho mim Ärmelloch für de Wählscheibe gehüllt wurde und damit den heimischen Flur quasi zum „Schloss Sangsusi“ werden ließ.
„Mer kumme met alle Mann vorbei“, versprach die von Britta Baumann-Peikert trainierte GEK-Prinzengarde, die „oberaffengeil“ über die Bühne wirbelte, bevor die „Gulaschkapell“ die Jecken aufforderte: „Kumm loss mer fiere“. Denen war alles andere als nach lamentiere zumute, stunden se doch längst parat, noch bevor die Schlagzeuger der Stimmungsband et Trömmelche jonn ließen. Und so stimmte die bunt kostümierte Narrenschar Chefkoch Jörg Weich auch uneingeschränkt zu: „Mer bruche kene, der us sät, wie mehr Fastelovend fiere dät“, denn „Wo mir sin, is Kölle“. In den Grundfesten erbebte die närrische Mehrzweckhalle bei dem fetzigen Vortrag der Bläser, die nach ihrem „Mir sin, wie mer sin, mir Jecke vom Rhing“ mit der ersten Rakete des Abends entlassen wurden.
„Appenzeller-Jodler“ riss das Publikum von den Stühlen
Vom „Fäkalienmarkt“ aus München war der „Flachlandtiroler“ Ralf Gerresheim mit seinen jecken Verzällcher an den Rhein gekommen.
So berichtete er von einer mehr als „fürnehmen“ Metzgerei, in der alles so frisch war, dass man sich mit der Rinderzunge noch habe unterhalten können. Die überhöfliche Begrüßung durch die Verkäuferin verführte ihn zu gefühlt dreißigminütigen Bestellfloskeln, die er schließlich aber abrupt beendete: „Dann donn mer ens en Frikadell!“. Seinen Vortrag beschloss er mit einem rasant vorgetragenen „Appenzeller-Jodler“, der die Jecken im Saal unmittelbar vor der kurzen Pause von den Stühlen riss.
Da war schon Prinz Karsten I. mit seinem Gefolge us Hünnije angekommen, um Christiane I. seine Aufwartung zu machen. Erheblicher länger war die Anfahrt der niederländischen Freunde von der „Volle Bloas“, die lange nach Mitternacht mit fetziger Musik für bombige Stimmung sorgten.
Mit einem dreifachen „Alaaf!“ auf Erpel, die GEK und den Fastelovend begrüßte Christiane I. ihr jeckes Völkchen.
Höhepunkte der Prunksitzung waren wieder die Auftritte der Erpeler Prinzengarde.
