Erpeler Stadtsoldaten und Prinzengarde führten jede Menge Gefangene vor das Hohe Gericht
Verstöße gegen die närrischen Gesetze wurden geahndet
Erpel. Hochbetrieb herrschte in der Gaststätte „Om Maat“. Die Große Erpeler Karnevalsgesellschaft (GEK), um ihren Vorsitzenden Uwe Kochems, hatte die Gaststätte ihres Elferratsmitglieds, dem Wolfens Pitter, wieder in einen närrischen Justizpalast verwandelt. Vor dem fuhr ab dem frühen Nachmittag in regelmäßigen Abständen die „jecke Minna“ vor, um inhaftierte Muuzebuckel, Affjebrühte, Schlafröck und Filous dem Hohen Gericht unter Vorsitz von Richter Fritz Dreesbach zuzuführen. Tatkräftig unterstützt wurden die staatsen Kääls der Stadtsoldaten, um Kommandant Felix Weber, von Prinzengardistinnen, die mit ihnen pünktlich, um 13.11 Uhr ausschwärmten. Dabei beschränkten sich die Schergen von Prinzessin Christiane I. bei Weitem nicht nur auf Ortskern. Vielmehr durchkämmten sie die ganze Umgebung zwischen Heister und Linz, wobei natürlich auch „Hohenerpel“ und Orsberg für miesepetrige Karnevalsmuffel und humorlose Trauerklöße kein sicheres Asyl darstellten. Ungeduldig wartete vor allem Staatsanwalt Josef Uhl, der noch unter Günter Marx seine Referendarszeit absolviert hatte, auf die ersten Anklagen, während Pflichtverteidiger Werner Henneker als Azubi Kai Kruse verpflichtet hatte.
Närrische Justitia
Völlig überrascht vom Treiben der närrischen Justitia wurden Besucher, die über den Weißwurst-Äquator an den nördlichen Mittelrhein gereist waren. „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“, ereiferte sich Scharfmacher Josef Uhl, gab sich dann aber doch dem Argument geschlagen, dass man „noch jungfräuliche“ Touristen nicht direkt vergraulen dürfe. Das traf natürlich auf Elke und Bernd Luhmer nicht zu. Mit Müh und Not konnten sie sich von einer harten Strafe freikaufen per Scheinchen und einem großen „Kranz“, von dem auch ein, zwei Stängelche für die Bayern abfielen, „damit auch ihr endlich wisst, wie en Bier schmeckt“, so Fritz Dreesbach, bevor er sich Matthias (Thiss) Ott zuwandte, der von zwei Prinzengardistinnen vorgeführt wurde.
„Du glaubst wohl, du wärst ein Frauenversteher und erdreistest dich sogar, unsere Prinzessin Christiane zur Brust zu nehmen“, wütete der Richter auf das Bild anspielend, das auf dem T-Shirt des Angeklagten zu sehen war. Außerdem habe dieser versucht die Gardistinnen mit Piccolöchen zu bestechen, um so seiner gerechten Strafe zu entgegen, ergänzte Josef Uhl. Und wieder kam der Angeklagte nur davon, indem er der Gerichtskasse Scheinchen zukommen ließ. Da sah es für Günther Hirzmann schon erheblich schlechter aus.
„Du Schiffeversenker, du Abzocker auf dem Rhein“, sprach der Richter den Ex-Vorsitzenden des Arbeitskreises Erpeler Vereine erbost an. Als ihm dann auch noch auffiel, dass dieser nicht einmal seinen Heimatorden „Alt Erpilla“ trug, und sich daran erinnerte, dass Günter Hirzmann zur diesjährigen Ordensverleihung zu spät gekommen war, musste auch Werner Henneker eingestehen, dass er für den aktuellen Bürgerkönig von Erpel keine „jeringe Stroof“ herausschlagen könne.
Bürgermeister-Blitz-Prozess
„Bei uns muss es mächtig in der Kasse klingeln“, zeigte Fritz Dreesbach dem Angeklagten den einzigen Ausweg. Nicht nur ums Klingeln, sondern ums Klüngeln schien es im nächsten Fall von Richter „Scharfmacher“ zu gehen.
Vorgeführt wurde Ex-Bürgermeister Edgar Neustein, ein schwerwiegender Fall, da er den Stadtsoldaten unzureichend kostümiert gegenübergetreten war. „Du bist doch schuld, dass der Tunnel bröselt und die Brückentürme gefährlich bröckeln“, musste sich der ehemalige Ortschef sagen lassen. Da musste sich sein Verteidiger schon in die Vergangenheit bis zum Hambacher Fest 1832 flüchten, weil damals das Gesetz erlassen worden war, dass langjährige Bürgermeister nur wegen Mord und Totschlag vor Gericht gestellt werden können. Erfolg war ihm mit diesem Versuch des Freispruchs jedoch nicht beschieden. Erst die unerwartete Schützenhilfe von Uwe Kochems brachte bei dem Blitz-Prozess die Wende: „Nur dem Engagement meines Vor-Vorgängers habe wir es zu verdanken, dass in Erpole das Brauchtum Fastelovend lebendig ist und ich in der Funktion des GEK-Vorsitzenden hier stehe“, gab er zu bedenken. Als gewiefter Kommunalpolitiker merkte Edgar Neustein schnell, dass sich das Fähnlein zu seinen Gunsten zu wenden begann. Um dies noch zu beschleunigen, winkte er den Richter näher zu sich heran und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich hatte noch jede Menge Schwarz-Geld zu Hause. Nachdem meine Frau Hildegard die Scheinchen gewaschen hat, könnte ich Euch damit unterstützen!“ Mitbekommen hatte dieses Angebot nur noch sein Verteidiger, der nicht nur direkt „Freispruch“ forderte, sondern Edgar Neustein auch noch den geistvollen Orden des Hohen Gerichts verlieh.
Bei diesem Klüngel mit dem Ex-Bürgermeister und Ex-KG-Vorsitzenden Edgar Neustein strahlte der Verteidiger.
