Politik | 27.05.2015

Bürgerversammlung zur zukünftigen Nutzung des Freibadgeländes in Unkel

Von vielen favorisierte Lösung wäre ein „offenener Freizeitpark“

Unkel. Seit 1975 ist die Verbandsgemeinde Unkel Eigentümerin des Freibadegeländes, das ihr von der Stadt ohne Rückübertragungsanspruch als Sportanlage überlassen worden war. 30 Jahre später musste das Freibad seinen Betrieb einstellen. Seitdem liegt das rund 23.000 Quadratmeter große Gelände nahezu brach, und nach dem Scheitern des Fördervereins „Freibad Unkel“ könnte das auch so bleiben, sieht man von einigen wenigen Veranstaltungen einmal ab.

Angespannte Finanzlage der VG muss berücksichtigt werden

„Wie soll und wie kann es weitergehen?“, fragte Verbandsbürgermeister Karsten Fehr auf einer Einwohnerversammlung, auf der er auch gleich die Rahmenbedingungen aufzeigte. Erstens: Die VG Unkel habe kein Geld und könne keine freiwilligen Aufgaben in Angriff nehmen, zumal sie in den zurückliegenden fünf Jahren 110.000 Euro für Pflegemaßnahmen bezahlt habe. Allein im Vorjahr schlugen diese wegen zusätzlicher Fällarbeiten im Zuge der Verkehrssicherungspflicht mit 30.000 Euro zu Buche. Zweitens: Das Areal liegt baurechtlich im Überschwemmungsgebiet, auch der Lärm- beziehungsweise der Nachbarschutz muss bei einer Nutzung beachtet werden.

Vorrangig interessierte die Bürger, ob die Verwaltung vorhabe, das Gelände an die Stadt Unkel oder einen anderen Interessenten zu verkaufen. „Grundsätzlich ist das durchaus möglich, die Entscheidung liegt beim VG-Rat. Bisher sind aber weder mit der Stadt Unkel noch mit jemand anderem Verhandlungen geführt worden“, erklärte Fehr, was Stadtbürgermeister Gerhard Hausen, zumindest was einen Verkauf an die Kommune betraf, bestätigte. Damit war allerdings nicht das seit längerem kursierende Gerücht ausgeräumt, ein privater Investor habe lebhaftes Interesse an einem Kauf des Geländes signalisiert. Entsprechend fragte Ulrike Kessel nach, ob Interessenten vorhanden seien und ob das Areal unbebaubar sei. „Im Moment kann das Freibadgelände nicht bebaut werden, allerdings kann man es einer entsprechenden Nutzung zuführen, die ich jedoch aufgrund der Lage im Hochwassergebiet als extrem eingeschränkt einschätze“, so Sonja Klewitz, die Leiterin des Unkeler Bauamtes. Generell könne man eine Nutzung als Bauland zwar nicht ausschließen, sie wäre jedoch mit enorm hohen Hürden verbunden. So dürften keine weiteren Wasserverdrängungen hinsichtlich des Hochwasserschutzes projektiert werden, im Flächennutzungsplan sei das Areal als Grünfläche ausgewiesen, sodass selbst für eine partielle Bebauung einige Planverfahren nötig sein würden, erklärte sie.

Areal soll der Bevölkerung als Freizeitgelände erhalten bleiben

Allein die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, lehnte Katja Lorenzini prinzipiell ab. „Wenn wir dort schon nicht mehr ein Freibad betreiben dürfen, dann sollte das Areal unmittelbar neben dem Sportplatz, das viel zu schön ist, um nur als Wiese zum Grillen genutzt zu werden, der Bevölkerung als Freizeitgelände erhalten bleiben“, forderte sie. Angelegt werden könnte dort im Nichtschwimmerbecken ein Wasserspielplatz, der im Zuge der Freibadsanierung schon intensiv geplant worden sei. Anstatt das 50-Meter-Becken großflächig zurückzubauen, was Kosten in sechsstelliger Höhe nach sich ziehen würde, könne man es mit einem großen Zelt überspannen und darunter eine Zuschauertribüne für ein Freilichtkino errichten, schlug Lorenzini weiter vor. Möglich wäre auch die Umsiedlung des Bolzplatzes aus dem tiefsten Unkeler Süden sowie eine geringe Anzahl an Stellplätze für Mobilhomes anzubieten, das Ganze kombiniert mit einer Gastronomie, die der VG Pachteinnahmen bescheren würde.

Einen kommerziellen Zugewinn sah Christian Rosenzweig auch im touristischen Bereich. „Freizeitangebote gehören dort auf jeden Fall hin, aber man könnte für Mobilhome-Plätze auf so einem schönen Gelände auch sechs bis acht Euro Standgebühr verlangen“, argumentierte er. Da laut Statistik jede Person, die einen ganzen Tag in der Region bleibt, 40 Euro ausgibt, wäre dies auch ein Gewinn für die Gastronomie. Erweitern ließe sich dieses Angebot noch durch Festunterkünfte in Form von mobilen Bau- oder Zirkuswagen.

„So ein Freizeitgelände können wir nicht profimäßig aufziehen. Es gibt aber Leute oder Firmen, die das als Betreiber können, indem sie unsere Ideen professionell umsetzen“, gab Rex Stephenson zu bedenken. Mit diesem Gedanken, der fraglos mit Eintrittsgeld verbunden wäre, konnte sich aber die Mehrheit der Anwesenden nicht anfreunden. Allerdings wollte Alfons Mußhoff eine professionelle Nutzung auf einer Teilfläche zumindest nicht ausschließen. Sprechen müsse man aber auch über eine Rückübertragung von der VG an die Stadt, auch wenn dies vor 40 Jahren nicht vorgesehen gewesen sei. „Ein Anspruch der Stadt auf das Gelände ist heute nicht Thema. Wir werden aber mit Unkel sprechen, auch über die heutigen Vorschläge, sodass die Stadt bei allen Entscheidungen eng eingebunden sein wird“, sagte der VG-Chef zu, nachdem auch der Stadtbeigeordnete Wolfgang Plöger gefordert hatte, dass man wissen müsse, wer letztlich „Herr im Ring“ sei bei der Entscheidung über die Nutzung des Geländes, in dem es am Samstag, 30.Mai, abends wieder „Kultur im Freibad“ geben wird. „Es muss zudem weiterhin eine Ideenbündelung erfolgen, wie das Freizeitgelände gestaltet werden soll“, forderte er.

Projektgruppe soll künftige Schritte koordinieren

Auch für den Verein „Touristik & Gewerbe“ sei es wichtig, dass das Gelände für die Öffentlichkeit frei zugänglich bleibe, zumal es mit dem Wegfall des Freibads weniger Sportmöglichkeiten gebe. „Unkel kann nur profitieren, wenn junge Familien nicht zuletzt wegen attraktiver Freizeitmöglichkeiten hierher ziehen. Deshalb ist es wichtig, dass die Stadt den Finger auf die Nutzung des Areals hält“, forderte T&G-Vorsitzende Kessel. Von einer Polarisierung Stadt gegen VG hielt Rex Stephenson wenig, da diese der Diskussion nicht helfe. Gelenkt werden sollten künftige Schritte seiner Ansicht nach von einer Projektgruppe. Das sah auch Karsten Fehr so. „Die Gruppe könnte mit Vertretern der Stadt, des T&G sowie der Anlieger noch vor den Sommerferien vom VG-Rat eingesetzt werden, sollte aber immer bedenken, dass die VG kein Geld hat“, warnte er vor überzogenen Plänen. Auf den Einwand, es stünden ja immerhin noch 230.000 Euro als Rücklage für die Freibadsanierung zur Verfügung, reagierte er mit Hinweisen auf andere große Aufgaben der VG.

Dem widersprach Carsten Walbröhl vehement. „Bei der Planung muss man zwar peinlichst darauf achten, dass keine neuen Defizite aufgebaut werden, als Mitverantwortlicher für die Freibad-Sonderrücklage plädiere ich dafür, dass diese nicht dazu genutzt wird, andere Begehrlichkeiten zu befriedigen, sondern dass diese Summe, wenn schon nicht dem Freibad, dann doch wenigsten dem Gelände zugeführt wird“, forderte er. Mit dem Geld sinnvolle Nachfolgemaßnahmen zu finanzieren wäre nur fair, zumal man damit auch die jahrelange, enorm engagierte Arbeit des Fördervereins würdigen würde, argumentierte das ehemalige VG-Ratsmitglied.

Bürger können bis 7. Juni weitere Vorschläge einreichen

„Ihre mündlichen Vorschläge für die Nutzung des Freibadgeländes hat Büroleiter Jörg Harperath heute protokolliert. Weitere Ideen können alle Bürger noch bis Sonntag, 7. Juni, mit dem entsprechend Vordruck, der auf der homepage der VG ausgefüllt werden kann, der Verwaltung zusenden“, schloss der VG-Chef die Bürgerversammlung.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
Wir helfen im Trauerfall
Wohnträume
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
Anzeige KW 15
Blütenfest
Stellenausschreibung: Betriebshof
10 Jahre Bella Vita Frauenfitness
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: ROB
100

Jugendliche um drei Uhr nachts von Polizei angehalten

11.04.: Bad Ems: 15- und 13-Jähriger unternehmen nächtliche Spritztour mit Auto

Bad Ems. In den frühen Morgenstunden des 11.04.2026, gegen 03:00 Uhr, wurde durch eine Streifenwagenbesatzung nach einem Hinweis von Zeugen ein Pkw im Stadtgebiet Bad Ems, im Bereich der Straße Am Weißen Stein, kontrolliert. Hierbei wurde festgestellt, dass der Fahrzeugführer erst 15 Jahre alt und demnach nicht im Besitz der erforderlichen Fahrerlaubnis war. Sein Beifahrer war nochmals zwei Jahre jünger.

Weiterlesen

Dauerauftrag Imageanzeige
Wir helfen im Trauerfall
Wohnträume
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606 // Wohnträume MYK
Wohnträume
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, Wohnen
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Wohnträume - Wohnen und Garten im Blick
Wir helfen im Trauerfall
Blütenfest Meckenheim
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Sonderseite Geschäftsführungswechsel
Anzeige Beratertage Schlafexperte
Titelanzeige
Rückseite