Prälat Norbert Trippen forderte die Pilger in seiner Predigt auf, bei Ungerechtigkeit nicht wegzusehen
Wallfahrer baten die Madonna bei der Lichterprozession um Beistand
Bruchhausen. Betend und singend zogen Aberhunderte von Wallfahrer am späten Samstagabend durch die von Kerzen gesäumten Straßen von Bruchhausen. Von nah und fern waren Verehrer der Muttergottes angereist, um zum Hochfest „Aufnahme Mariens in den Himmel“ an der traditionellen Lichterprozession teilzunehmen, die sich an das Festhochamt anschloss, das dieses Jahr von Prälat Norbert Trippen, Domkapitular in Ruhe, zelebriert wurde. Dass dabei die kleine Wallfahrtskirche Sankt Johann Baptist die Gläubigen bei Weitem nicht fassen kann, ist den Verantwortlichen der Gemeinde längst bekannt. Aber auch die zahlreichen, auf dem großen Kirchenvorplatz aufgestellten Bänke reichten nicht aus, um allen Prozessionsteilnehmer Platz zu bieten. So wichen diese auf den Brunnenplatz aus oder folgten den Rändern der Straßen stehend der per Lautsprechern übertragenen Messe, bei welcher Diakon Winfried Reers dem emeritierten Professor für Kirchengeschichte zur Seite stand. Schon am frühen Nachmittag war die gotische Eichenholzmadonna „Maria, Zuflucht der Sünder“ aus ihrem Schrein geholt und vor dem Altar aufgebaut worden. Sie hatte 1745 die in Sandstein geschlagene Madonnenfigur „Maria, Trösterin der Betrübten“ abgelöst, die gut 450 Jahre lang als Wallfahrtsmadonna verehrt worden war. Da zwei junge Bruchhausenerinnen am 21. September 1745 gesehen hatten, dass der Madonna „Refugium peccatorum“ aus „beyden augen eine cristallhelle, klare feuchtigkeit gleich menschlichen zähren trang und über beide wangen floß“, hatte Kurfürst Klemens August I. nach einer Visitation im Dezember desselben Jahres 1745 die ältere, um 1330 geschaffene Eichenholzmadonna zur Wallfahrtsmadonna bestimmt, für die er zudem Schmuck stiftete und ein Seidengewand in Lyon anfertigen ließ. Während die Kerzen tragenden Pilger nach dem Abschlusssegen in der Kirche das Lied „Sei gegrüßt viel Tausend Male, o Maria Jungfrau rein!“ anstimmten, trugen die Junggesellen Johannes und Matthias Alex sowie Christoph Schneider und Jan Schulte die Madonna vom Altarraum zum Eingang der Kirche, wo die von einem Rosenbogen eingefasste Statue traditionell von vier jungen Frauen übernommen wurde. Diese Aufgabe übernahmen dieses Jahr Marie-Claire Arnolds, Eileen Pertze, Regina Selzer und Sabrina Sperling. Gefolgt von dem langen Zug der Geistlichen trugen sie die Wallfahrtsmadonna zur Prozession, die von dem Bruchhausener Blasorchester musikalisch unterstützt wurde. Eine kurze Verschnaufpause bot den jungen Damen die Station am Dorfgemeinschaftshaus. Dort mahnt Norbert Tripppen die Gläubigen in seiner Predigt: „Wir dürfen nicht wegsehen, wo Menschen Unrecht angetan wird. Vielmehr brauchen wir eine weltweite Solidarität mit diesen verzweifelten Menschen.“ Maria als „Madonna Zuflucht der Sünder“ könne bei der Überwindung von Ungerechtigkeit helfen, gab er den Wallfahrern mit auf den Weg, bevor die Lichterprozession zur Kirche weiterzog, an der die Veranstaltung mit dem Lied „Großer Gott, wir loben dich!“ endete.
Aberhunderte große und kleine Pilger aus nah und fern folgten andächtig der Marienstatue.
