Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung in Linz zum Thema Flüchtlinge
Welche Herausforderungen stellen sich für Politik und Gesellschaft?
Linz. Über eine große und positive Resonanz konnte sich das Regionalbüro Rheinland-Pfalz/Saarland der Friedrich-Ebert-Stiftung bei der von ihr organisierten und durchgeführten Podiumsdiskussion zur aktuellen Flüchtlingsthematik in Linz am Rhein freuen. Rund 90 Personen waren in die Kapelle der Senioren-Residenz St. Antonius in Linz gekommen, um nach einem Grußwort von Stephanie Hepper (FES) und Renate Pepper von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Ludwigshafen, die die Veranstaltung im Vorfeld angeregt hatte, Prof. i.R. Dr. Franz Hamburger von der Universität Mainz zu zuhören.
Durch den von ihm gehaltenen Impulsvortrag zur aktuellen Flüchtlingspolitik der Bundesregierung verdeutlichte Hamburger den Zuhörern die Versäumnisse des Bundes mit Blick auf die Antragsstaus, die dazu führten, dass viele Flüchtlinge in Deutschland auf eine Entscheidung bezüglich ihres Aufenthaltsstatus warten müssten. Er kritisierte außerdem den zu langsam voranschreitenden Ausbau des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und die Uneinigkeit der Bundesregierung in der Flüchtlingspolitik, die seiner Meinung nach dazu führten, dass das Vertrauen der Bürger in die Demokratie verloren ginge. Die ansteigenden Delikte gegen Flüchtlingsunterkünfte spiegelten die Verschärfung des Konflikts wider. Trotz aller Kritik lobte Hamburger das Engagement der Bürger, die sich für die geflüchteten Menschen in Deutschland einsetzten.
Ehrenamtlicher Einsatz wurde von allen Teilnehmern gewürdigt
Dieser ehrenamtliche Einsatz wurde auch im anschließenden Podiumsgespräch anerkannt, in dem Dr. Hartmut Froesch stellvertretend für alle Ehrenamtlichen in und um Linz sprach. Er stellte das Patenprogramm vor, das praktische Hilfen für die Flüchtlinge vor Ort organisiert und Unterstützung für verschiedene Lebensbereiche bietet. So würden die ankommenden Flüchtlinge nicht nur mit Möbeln, Wohnungen und Kleidung versorgt, sondern bekämen durch die Ehrenamtlichen auch Sprachkurse vermittelt und vor allem Hilfe beim Ausfüllen von Papieren oder Amtsgängen.
Miguel Vicente, Beauftragter für Migration und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, zeigte sich sensibilisiert für die Arbeit der Ehrenamtlichen und auch deren Bedürfnisse, die durch den Umgang mit teils traumatisierten Geflüchteten entstünden. Er erklärte, dass die Landesregierung sich in der Verantwortung sehe, diese Bedürfnisse ernst zu nehmen und vor allem die Personen der Gemeinden, die die Flüchtlingshilfe organisieren, zu unterstützen. Vicente stellte außerdem fest, dass die starren Strukturen der Bürokratie langsam flexibler würden, aber die Bundesregierung noch verstehen müsse, dass es sich bei der Bewältigung der Flüchtlingslage um eine Gemeinschaftsaufgabe handele, die die Kommunen und die Bundesländer nicht allein lösen könnten.
Gegenseitiges Verständnis und Vertrauen aufbauen
Einen weiteren Aspekt zeigten Wolfgang Gisevius, Bürgermeister von Rheinbreitbach, und Hamburger auf, die sich einig waren, dass bei allen Hürden, die sich bei der Organisation der Flüchtlingshilfe stellten, vor allem die interkulturelle Sensibilisierung im Vordergrund stehen müsse, die erst dazu führe, dass gegenseitiges Verständnis und Vertrauen aufgebaut werden könnten. Dazu sehen sie den persönlichen Kontakt zu geflüchteten Menschen als das wichtigste Instrument.
Um dies deutlich zu machen und einen Einblick in die Welt der Geflüchteten zu geben, führte Moderator Jonas Ludwig, Lehrer am Wiedtal-Gymnasium in Neustadt/Wied, ein Side-Step-Interview mit Jamil Drehjou und Abeer Hai Mosa Albatran, zwei syrischen Geflüchteten. Sie konnten durch ihre lebendigen Erzählungen dazu beitragen, allen Teilnehmern ihre Lebenswelt hier in Deutschland, aber auch die Situation in Syrien näherzubringen.
In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden die große Unterstützung und die positive Haltung gegenüber Flüchtlingen deutlich.
Das Schlusswort des Moderators konnte von allen Teilnehmenden und auch den Podiumsgästen einhellig mit „Wir schaffen das“ bekräftigt werden.
