Robert-Koch-Realschule Linz
Zwei Jahrgänge waren in Gedenken an Pogrom eingebunden
Wider das Vergessen wurde an jüdische Leben in Deutschland erinnert
Linz. Es ist Tradition in Linz, dass der Gedenktag an die Reichspogromnacht, in der es am 9. November 1938 in Deutschland zu massiven, kriminellen Ausschreitungen gegen Synagogen, jüdische Geschäfte und jüdische Bürger gekommen war, in Linz in Kooperation mit den Schulen gedacht wird. „Auf diese Weise soll ein Beitrag geleistet werden, auch bei der Jugend die Erinnerung wach zu halten und Verständnis dafür zu wecken, dass so ein Verbrechen nie wieder passieren darf“, erklärte der Rektor der Linzer Robert-Koch-Realschule, Joachim Born. Irritiert habe ihn in der Vergangenheit, dass immer nur eine kleine Schülerzahl bereit gewesen sei, sich in die Gedenkveranstaltung einbinden zu lassen. Geradezu peinlich sah er das verschwindend geringe Interesse in der Bevölkerung an, auf welches die Gedenkveranstaltungen stoßen würden. Und so konnte er neben den Offiziellen, Verbandsbürgermeister Hans-Günter Fischer und dem Ersten Stadtbeigeordneten Hans-Georg Faust, den beiden Geistlichen Pfarrer Klemens Hombach und Christoph Schwaegermann sowie den beiden Vorsitzenden des Deutsch-Israelischen Freundeskreises, Ellen Demuth und Bruno Hoppen, als einzige Linzer Bürgerin Irmgard Zemke begrüßen, die als Zehnjährige den Pogrom noch miterlebt hatte.
„Zusammen mit dem Kollegium und Ellen Demuth haben wir überlegt, wie man eine größere Zahl von Schülern einbeziehen könnte in das Gedenken an diesen schwärzesten Tag der deutschen Geschichte, an dem vor genau 75 Jahren mit menschenverachtender Gewalt die Existenz und Menschenwürde jüdischer Mitbürger gedemütigt und vernichtet wurde“, so Joachim Born. Das Ergebnis: Bereits lange vor dem 9. November waren mit den Jahrgängen 9 und 10 unterschiedliche Themenschwerpunkte gebildet worden. So hatte sich der Religionskurs von Eva Wilhelms mit dem jüdischen Leben in Deutschland auseinandergesetzt, während der 10er Jahrgang von Melina Vlassakidis schon am Vortag zwei NS-Filme analysiert hatte, um sich am Freitag mit den anderen 10ern von Christian Beyer im Musikraum dem Projekt „Musik in Konzentrationslagern“ widmen zu können.
„Ich lade Sie ein, in einer Art Werkstattbesuch die weiteren Projekte kennen zu lernen, wobei dies immer nur eine Momentaufnahme sein wird, da sie ja längst noch nicht abgeschlossen sind, erklärte der Schulleiter auf dem Weg zu den Plakatstellwänden, an denen die Schüler von Katrin Sommer ihre Ergebnisse aufgeleistet hatten, die sie während der Auseinandersetzung mit dem Film „Hanna Arendt“ von Margarethe von Trotta zusammengetragen hatten. „Die 1906 in Hannover geborene Hannah Arendt, die 1928 in Heidelberg Philosophie promoviert hat, ist über Paris und Lissabon nach New York geflohen, wo sie ab 1941 als Publizistin gearbeitet hat. 1961 beobachtete sie im Auftrag der Zeitschrift ‚The New Yorker‘ den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem“, berichteten die Schülerinnen. Im Februar 1963 veröffentlichte sie dann die Zeitschrift unter der Schlagzeile „A Reporter at Large. Eichmann in Jerusalem“ ihren mehrteiligen Bericht über den Prozess. Parallel dazu erscheint Hannah Arendts umstrittenes Buch „Eichmann in Jerusalem. A Report on the Banality of Evil“. Auch die Schüler hatten sich die Frage gestellt, ob der SS-Obersturmbannführer, der die Endlösung der Judenfrage organisiert hat, Monster oder Mensch war? Gehorsamer Schreibtischtäter ohne Gewissen oder lediglich um seine Angehörigen besorgter Familienvater? „Uns zieht zwar schon ein verführerischer Duft aus der Küche in die Nase, aber dort ist man noch nicht ganz so weit“, lud Joachim Born zunächst in den gegenüberliegenden Klassenraum ein, in dem sich die Schüler von Alina Schoepe mit „Ritualen und Bräuchen des Judentums“ beschäftigt hatten. Neben den Beerdigungsriten standen dabei vor allem Feste vom Rosch ha-Schana über Jom Kippur, Chanukka und Pessach bis zum Schawuot im Mittelpunkt. Dann ging es zu den Schülern des Wahlpflichtfachs „Hauswirtschaft und Sozialwesen“, die sich mit der Pädagogin Christa Emmel dem Projekt „Koscheres Essen“ gewidmet hatten. „Der Umgang mit geschächtetem Fleisch war mir zugegebenermaßen zu heikel“, gestand die Pädagogin, aber ansonsten sei alles ziemlich koscher zugegangen beim Backen von süßen Challot und Mazzen mit Hoummus sowie Feta-Spinattaschen. Hefezopf und ungesäuertes Brot wurden dann auch den Besuchern zur Stärkung angeboten, bevor man sich zur Gedenktafel am Siegmund Wolf-Platz aufmachte, um dort mit dem Deutsch-Israelischen Freundeskreis ein Gebinde niederzulegen und eine Kerze zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger anzuzünden.
