Allgemeine Berichte | 11.11.2014

Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel Koblenz

Architektonisch und energetisch auf neuestem Stand

Gute Beispiele: Kirchensanierung in Nachtsheim

Die Exkursionsteilnehmer vor der Kirche in Nachtsheim. privat

Koblenz. Das Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel hatte zu einer Exkursion in eine vorbildliche Kirchengemeinde eingeladen. Es ging in die Eifel zur katholischen Kirchengemeinde St. Stephanus in Nachtsheim, einem Ort mit rund 550 Einwohnern. Mehrere Maßnahmen zum Umweltschutz wurden hier umgesetzt, allen voran die energetische Sanierung der Kirche. Die Exkursion startete mit einer Besichtigung des neu gestalteten Umfelds der Kirche. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde entstand an der Kirche ein neuer Ortsmittelpunkt, der es ermöglicht Kirche wie auch Pfarrhaus mit Jugendräumen barrierefrei zu erreichen. Die Kosten für die Gestaltung der öffentlichen Fläche hat die Ortsgemeinde getragen, während die Fläche der Kirchengemeinde auch durch diese finanziert wurde. Die Gestaltung hingegen ist aus einem Guss. Das Pfarrhaus mit der Wohnung des Pfarrers und der Gemeindeverwaltung sowie einem Jugendraum wurde in der Vergangenheit ebenfalls saniert und energetisch optimiert. Neben dem Wohngebäude umfasste das Pfarrhaus ursprünglich auch Wirtschaftsgebäude (Stallungen und Scheune), die heute unter anderem den Jugendraum beherbergen. Auf einer Fläche von 4.700 qm, die an Pfarrhaus und Kirche grenzt, stehen 14 alte, hochstämmige Obstbäume. Die Apfelernte wird zum „Apfelsaft aus Pastorsgarten“ gepresst.

Nach der Besichtigung der Außenanlage ging es dann in die Kirche. Ursprünglich stand an dieser Stelle seit dem achten Jahrhundert eine kleine Kapelle für rund 1000 Jahre. Diese wurde um 1875 durch einen Neubau ersetzt. Rund 100 Jahre später stand man vor der Entscheidung die mittlerweile auch zu klein gewordene Kirche zu sanieren oder durch einen Neubau zu ersetzen. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Neubaus mit einer für die Gegend außergewöhnlichen Architektur. Es entstand von 1968 - 1971 eine sogenannte Zeltkirche, die rund 500 Gemeindemitgliedern Platz bot. Zur Zeit der Errichtung, berichtet Hans Josef Gerharz, war das Heizöl noch günstig und man verbrauchte jährlich rund 25.000 Liter, um die Kirche zu beheizen. Steigende Ölpreise führten auch zu Änderungen im Heizverhalten, um den explodierenden Kosten Herr zu werden, wurden die Temperaturen abgesenkt. Der Heizölverbrauch konnte so auf sieben- bis achttausend Liter gesenkt werden, die Raumtemperatur lag jedoch nur bei sieben bis acht Grad.

Im Jahr 2009 wurden erhebliche Sanierungsarbeiten erforderlich und wieder stand der Abriss der nun zu großen Kirche und deren Ersatz durch einen kleineren Neubau im Raum.

Die Kirchengemeinde entschied sich für eine Sanierung. Um die Mittel hierfür aufzubringen, wurde ein Förderverein gegründet, dem rund 120 Personen angehören.

Saniert wurde das Dach mit rund 1600 qm Fläche. Hier wurde die asbesthaltige Kunstschiefereindeckung durch eine Naturschiefereindeckung ersetzt und die Gelegenheit genutzt eine effektive Dämmung einzubauen. Schiefer und neuartige Dämmung stammen von der Firma Rathschek aus Mayen.

Der Kirchenraum selbst wurde der aktuellen Größe der Kirchengemeinde angepasst. Hierzu wurde die Sakristei in den ehemaligen Kirchenraum verlegt. Gleich einem Raumteiler wird so der Kirchenraum auf knapp 300 Plätze verkleinert und eine Möglichkeit geschaffen direkt in einen Gemeindesaal zu gelangen, der früher die Sakristei beherbergte.

Auch dort hat man zu einer außergewöhnlichen Lösung gegriffen, um den Raum besser nutzen zu können. Für die Arbeit des Chors, war die Deckenhöhe nicht ausreichend. Deshalb wurde in die vorhandene Betondecke ein großes kreisförmiges Loch geschnitten, das den Blick und den Raum in den Dachstuhl öffnet. Der Durchmesser entspricht fast der Raumbreite. Auch die Gebäudehülle wurde isoliert. Beheizt wird die Kirche durch eine Fußbodenheizung, die bereits beim Neubau Anfang der 1970-iger Jahre eingebaut wurde. Da die Kirche wöchentlich an zwei bis drei Tagen genutzt wird, ist es erforderlich die Kirche ständig zu beheizen, da die Fußbodenheizung zu träge reagiert, um gezielt für die Veranstaltungen zu heizen. Heute wird eine Dauertemperatur von 14 Grad Celsius gefahren. Der Heizölverbrauch konnte durch alle getroffenen Maßnahmen auf rund 3.500 Liter gesenkt werden.

Als ein Vorteil der Dauerbeheizung ist wohl die Tatsache zu werten, dass die relative Luftfeuchte nur geringen Schwankungen unterliegt, anders als dies in Kirchen der Fall ist, die ständig große Temperaturschwankungen aufweisen.

Der Erfolg der Dämmung zeigte sich den Exkursionsteilnehmern darin, dass bis Ende Oktober noch keine Beheizung erforderlich war und trotzdem eine angenehme Raumtemperatur herrschte.

Herr Gerharz konnte aus der Vergangenheit berichten, dass durch die große Dachfläche im Sommer sehr hohe Temperaturen in der Kirche erreicht wurden, während es im Winter immer wieder zu Beschwerden kam, dass es kalt ziehen würde, obwohl die Raumtemperatur an sich angenehm hätte sein müssen. Dies war wohl dem Temperaturausgleich mit den nicht isolierten Bauteilen geschuldet.

Positiver Nebeneffekt der Umgestaltung ist die Tatsache, dass die Kirchenbesucher nach dem Gottesdienst viel zahlreicher im integrierten Gemeindesaal verweilen, als das früher der Fall war.

Die Exkursionsteilnehmer waren sich einig, dass die Sanierung ein großer Erfolg war und sich die Entscheidung der Kirchengemeinde für den Erhalt der Kirche gelohnt hat. Die St. Stephanus Kirche überzeugte nach der Sanierung und Umgestaltung nicht nur energetisch, sondern auch architektonisch. Der von außen weniger auffallende Bau bot im Innern eine unerwartete und sehr einladende Atmosphäre.

Mehr Inforationen zur Arbeit des Umweltnetzwerks Kirche Rhein-Mosel sind auf der Homepage www.umweltnetzwerkkircherheinmosel.de zu finden.

Pressemitteilung

Umweltnetzwerk Kirche

Rhein-Mosel

Die Exkursionsteilnehmer vor der Kirche in Nachtsheim. Foto: privat

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