Allgemeine Berichte | 09.03.2015

Plaidter Schüler-Musicalprojekt ist bundesweit das Größte

„Außergewöhnlich, absolut außergewöhnlich“

Rund 200 Akteure und 10.000 Zuschauer - Die Faszination der „Geheimnisvollen Spieluhr“ lässt nicht nach

Chor und Tanzensemble setzten die Tageszeiten einfallsreich und liebevoll in Szene.MKA

Plaidt. Gäbe es sie doch nur, die „geheimnisvolle Spieluhr“ oder diese Engel, die immer, wenn Menschen Hilfe benötigen und sich in einer hoffnungslosen Lebenssituation befinden, wundersame Dinge bewirken. So mögen Besucher der vier hinreißenden Musical-Aufführungen in der Plaidter Hummerichhalle am vergangenen Wochenende gedacht haben, als sie aus dem inszenierten Traum erwachten und sich mit frenetischen, stehenden Ovationen für einen fast dreistündigen, faszinierenden Ausflug in das Reich der Fantasie bedankten.

Seit Jahren auf Erfolgskurs

„Außergewöhnlich, absolut außergewöhnlich“ - der charakteristische Ausspruch und Running Gag der Spielfigur „Dr. Schmahl“ kann zugleich als Umschreibung für das gelten, was das Musical-Ensemble der Realschule plus/IGS Pellenz Plaidt mit seinem professionell anmutenden und in den Bann ziehenden Musiktheater darbot. Rund 200 engagierte und talentierte 11- bis 16-Jährige präsentierten die Neuinszenierung des Musicals „Die geheimnisvolle Spieluhr„ von Martin Becker und Hans Bretz. Seit November 2013 zeigten die Schüler in Kooperation mit dem Kulturverein „On Stage“ auf den Bühnen der Pellenz in über 23 Vorstellungen insgesamt etwa 10.000 Zuschauern, was an künstlerischen Früchten auf der Basis eines guten Konzepts und eines erfahrenen Teams gedeihen kann. Im Staatstheater Mainz findet im Mai dann die letzte Aufführung des Musicals statt, mit dessen Erstauflage die Verantwortlichen bereits vor Jahren auf eine Vielzahl von Veranstaltungen mit zigtausend begeisterten Zuschauern sowie auf eine Reihe von Auszeichnungen mit Kultur- und Förderpreisen verweisen konnten. Die Musicalaktivität der Realschule plus/IGS Pellenz Plaidt gilt bundesweit als das größte Schul-Musikprojekt.

Eine kurzweilige und rührende Geschichte

Das jugendliche Musical-Ensemble (die Rollen wurden vierfach besetzt) erzählte die kurzweilige und rührende Geschichte von Tina, die bei einem Unfall ihre Eltern verloren hat. Im Internat wird sie von Mitschülerinnen gemobbt. Zu alledem sind auch noch Gangster hinter einem gestohlenen Diamanten her, den sie in Tinas geliebter Spieluhr deponiert hatten. Zum Glück steht Schutzengel Lissi der unglücklichen Tina zur Seite und wendet alles zum Guten. So siegen zuletzt Freundschaft, Liebe und Ehrlichkeit über Neid, Hass und Verbrechen. Das Schüler-Musical strotzte von eingängigen, zum Teil unter die Haut gehenden Melodien, flotten Rhythmen und einer hinreißenden, teilweise akrobatischen Choreografie, präsentiert von einem rund 100-köpfigen Tanzensemble. Ein Chor von Fünftklässlern bot zudem einen raumfüllenden Background-Klang. Die Inszenierung ließ auch Humor nicht vermissen: Schrullige Lehrer und trottelige Gauner sowie die interaktiven Szenen-Überleitungen von Martin Becker garantierten Lacher im Publikum.

Professionelle Erarbeitung

Mit ihren Proben starteten die Musical-Kids bereits im August 2012 und eigneten sich ihre Entertainment-Qualitäten fast ausschließlich in ihrer Freizeit an. Zu den herausragenden Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Durchführung des Projekts zählten zudem ein ernsthaftes Gesangs-und Tanzcoaching durch Profis, die hochwertige Ton- und Lichttechnik, ein abwechslungsreiches und klangvolles Arrangement und ein ansprechendes, wechselndes Bühnenbild. Die tragende Unterstützung durch den von Eltern initiierten Kulturverein „On Stage“ (www.onstage-rlp.de) und der Sponsoren kann als Grundstein des Projekts angesehen werden. Eine Aufbau- und Bühnencrew und zahlreiche ehrenamtlich tätige Lehrer und Eltern wirbelten zudem bei den Vorstellungen vor und hinter der Bühne.

Das Autoren-Duo entwickelte die Geschichte und die Szenen gemeinsam. Martin Becker, Lehrer an der Plaidter Schule, komponierte die Musikstücke und Hans Bretz, sein ehemaliger, jetzt pensionierter Kollege, schrieb die Texte zu den Songs des Bühnenwerks. Dieses stellt nur eins von mehreren beachtenswerten Produktionen der beiden kreativen Pädagogen dar (www.bbmusik.de). Während die Erfolgsgeschichte der „Spieluhr“ in Kürze auslaufen wird, arbeiten die leidenschaftlichen Musikproduzenten bereits am nächsten Projekt, auf dessen Präsentation man sich ab 2016 freuen darf.

Mehr als nur Unterhaltung und Spaß

Gleich zwei Intentionen verbinden die Macher des Musicals mit ihren Werken. So wenden sie sich mit den Projekten vom „Lernen, das Wissen nur ansammelt und dem Vergessen ausliefert“ hin zum „Lernen, das die Persönlichkeit entwickelt“. Unter dem Motto „Kulturelle Projekte verhindern die Gewalt“ und aus der Erfahrung, dass Gewalt „verwelkt und verdorrt, wo kulturelle Projekte gedeihen“, arbeiten sie außerdem mit der Leitstelle „Kriminalprävention“ (Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur Rheinland-Pfalz) zusammen. Sie sehen ihre Projekte als eine Möglichkeit der primären Gewaltprävention. Nicht ohne Grund wurde ihnen dafür 2011 eine Anerkennung mit dem Landespräventionspreis Rheinland-Pfalz ausgesprochen. Detaillierte Informationen zum aktuellen Musicalprojekt findet man unter www.die-geheimnisvolle-spieluhr.de.

Geheimnisvolle Spieluhren und Engel kann es überall geben, wo sich deren Zauber in den Herzen der Menschen entfaltet. Ein Dank an das Musical-Team GS/RS+ Pellenz und On Stage dafür, dass ihm dies gelungen ist.

Freundinnen fürs Leben: Der Mensch gewordene Engel Lissi freut sich mit Tina, dass sich die geliebte Spieluhr wieder in ihrem Besitz befindet.

Freundinnen fürs Leben: Der Mensch gewordene Engel Lissi freut sich mit Tina, dass sich die geliebte Spieluhr wieder in ihrem Besitz befindet.

Das Gaunertrio Ratte, Pistolen-Paule und Ede hatte es auf die Spieluhr mit dem Diamanten abgesehen.

Das Gaunertrio Ratte, Pistolen-Paule und Ede hatte es auf die Spieluhr mit dem Diamanten abgesehen.

Chor und Tanzensemble setzten die Tageszeiten einfallsreich und liebevoll in Szene.Fotos: MKA

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