Allgemeine Berichte | 01.04.2013, 10:07 Uhr

Neues aus der Heimatgeschichte

Das römische „Dreiländereck“

Ausschnitt aus der Karte vom römischen Gallien und Germanien.
923

Kelberg. Vielen ehemaligen Abiturienten wird noch das Erlernen Gaius Iulius Caesars „Gallischer Krieg“ im Lateinunterricht in schmerzhafter Erinnerung geblieben sein. In den Jahren 58 bis 51 v. Chr. eroberte der römische Feldherr das gesamte Territorium, grob gesagt, zwischen Rhein und Atlantik, welches Gallien genannt wurde und nach Caesars Aussage in „partes tres“, das heißt in drei Zonen unterteilt war. Damit wurde dieses von Kelten bewohnte Land Teil des römischen Imperiums und erforderte eine ganz neue, nunmehr dem römischen Staatswesen angeglichene straffe Verwaltung und dementsprechend neue Aufgliederung der Verwaltungsbereiche. Westlich des Rheins wurde Gesamtgallien ein breiter Landstreifen abgetrennt, von welchem der römische Historiograf Cassius Dio sagte: „…in diesem Land lebten Kelten, die sich Germanen nannten, weshalb wir ihm den Namen Germanien gaben…“

Diese neu gegründete Provinz Germanien grenzte im Westen nun gegen den verbliebenen großen Rest Galliens, der zur Provinz Gallia Belgica wurde. Der ungefähre Verlauf der die beiden Provinzen trennenden Grenze war durch den preußischen- wie man heutzutage vielleicht sagen würde: „Supergeografen“ Heinrich Kiepert (1818 - 1899) eruiert worden. Was zunächst alleine der Verwaltung des am Niederrhein und oberen Mittelrhein konzentrierten Militärs diente, den niedergermanischen- bzw. obergermanischen Legionen, sollte im Laufe der folgenden Jahrzehnte, als sich zwangsläufig eine funktionierende Infrastruktur heraus bildete, auch den zivilen Sektor erfassen, möglicherweise war dies schon im Jahr 50, als die Ara Ubiorum (Köln) unter dem Kaiser Claudius zur „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ wurde und damit möglicherweise zur Verwaltungsmetropole einer Teilprovinz Niedergermanien. Im Gegenzug wurde der Standort „Mogontiacum“ (Mainz) zum Verwaltungssitz Obergermaniens.

Beide Teilprovinzen wurden von sogenannten Konsularischen Legaten verwaltet, ebenso die den beiden Teilprovinzen westlich benachbarte Gallia Belgica. Auf dem Ausschnitt der Kiepert´schen Karte sieht man im Schnittpunkt der Römerstraße mit dem Lauf der Nette, dass hier logischerweise Mayen liegen muss. Wie der relativ geradlinige Straßenverlauf zeigt (heute wie damals), betrug die Entfernung von Mayen nach Andernach circa 20 km, der Wegabschnitt von Mayen (auf der Römerstraße zur Maas) bis zur Grenze (G) etwa kurz vor Kelberg somit rund 28 km. Hier in der Nähe zweigte offenbar die Grenze zwischen Ober- und Niedergermanien vom bisherigen Verlauf auf der Kohlstraße ab, verlief unterhalb der „Schildwacht“ und dem „Jonashübel“, zuletzt auf einer Wasserscheide nach Westen (über den Romenberg) im Beobachtungsfeld der römischen Befestigung auf dem Hochkelberg, und traf hier auf die Grenze der „Gallia Belgica“. Letztere kann nur nach Nordwesten auf dem Trierbach und nach Südwesten auf dem Ueßbach zu suchen sein und würde die Kiepert´schen Angaben damit ziemlich genau bestätigen. Somit hätten hier drei römische Provinzen mit jeweils eigener Verwaltung aneinander gegrenzt.

Wenn Kiepert´s Karte auch die Darstellung der Provinzgrenze zwischen Ober- und Niedergermanien vermissen lässt, (weil es über deren zusammenhängenden Verlauf erst seit kurzer Zeit zu plausiblen Vorstellungen kam) so erscheint es nicht weniger als logisch, dass hierfür nur die kürzeste Verbindung zum Rhein infrage kommen konnte. Vereinfacht gezeichnet verläuft nämlich diese Grenze unter anderem längs der Kohlstraße von B (Breisig) über QN (Quelle der Nette bei Lederbach) und Nb (Nürburg), sodann scharf nach Süden bis nach G; der Verlauf der römischen Strecke vom Rhein zur Maas geht unter anderem von Antunnacum (Andernach) über M (Mayen) und G hinaus. Auffälligerweise befand sich an gleicher Stelle (bei G) die Grenze zwischen den Erzbistümern Köln und Trier, deren Anfang ebenfalls an der Vinxtbachmündung in den Rhein nachgewiesen ist, genau dort, wo auch die römische Provinzgrenze begann. Es hat somit den Anschein, als ob der oben beschriebene römische Grenzverlauf in seiner Gesamtheit vom Rhein bis nach Kelberg über viele Jahrhunderte beibehalten wurde.Gerd Otto

Ausschnitt aus der Karte vom römischen Gallien und Germanien.
Kiepertsche Karte vom römischen Gallien und Germanien.

Kiepertsche Karte vom römischen Gallien und Germanien.

Ausschnitt aus der Karte vom römischen Gallien und Germanien.

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Kreishandwerkerschaft
Kreishandwerkerschaft
Imageanzeige
Rund ums Haus Daueranzeige
Zukunft trifft Tradition KW 42
Innovatives aus Weißenthurm
Kreishandwerkerschaft
Empfohlene Artikel
Die nächste Führung über den Hauptfriedhof findet am 7. November statt
166

Mayen. Jürgen Caspary, ehemaliger Bereichsleiter für das Friedhofswesen, und Horst Helmes, aktueller Bereichsleiter, bieten am Samstag, 7. November, für alle Interessierten eine Führung über den Mayener Hauptfriedhof an. Der Friedhof ist nicht nur ein Ort der Bestattung, sondern auch eine parkähnliche Anlage, eine „Grüne Lunge“ mitten in der Stadt. Damit hat er eine hohe ökologische Bedeutung. Zudem beeindruckt auch sein alter und besonders schöner Baumbestand.

Weiterlesen

Zug der RXX-Linie RE5 im Bahnhof von Remagen. Foto: ROB
57

Köln/Bonn/Koblenz. Die National Express Rail GmbH (NX) startete Ende September auf ihren RRX-Linien testweise mit der Nutzung von Bodycams im laufenden Fahrgastbetrieb. Neben Bildaufnahmen zeichnen die Kameras auch Ton auf. Ziel des einjährigen Pilotprojekts ist es, herauszufinden, ob die sichtbaren Kameras Kundenbetreuende vor Beleidigungen, Bedrohungen und körperlichen Übergriffen schützen können.

Weiterlesen

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 28
58

Jede Woche präsentieren wir Euch einen neuen Schnappschuss aus dem BLICK aktuell-Land. Die Bilder zeigen bekannte Orte, besondere Details oder überraschende Perspektiven aus der Region – doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was genau zu sehen ist.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Adobe Stock.
1825

Großer Feuerwehreinsatz in der Nähe des ehemaligen Krankenhauses:

Brand in Remagen: Großer Feuerwehreinsatz mit Drehleiter

Remagen. Ein größerer Feuerwehreinsatz hat sich in der Straße Hinterhausen in Remagen im Bereich des ehemaligen Krankenhauses ereignet. Die Feuerwehr rückte mit mehreren Einsatzkräften und einer Drehleiter zu einem Mehrfamilienhaus aus. Nach ersten Informationen war Essen auf einem Herd angebrannt und hatte den Einsatz ausgelöst.

Weiterlesen

achtung baustelle
524

Fahrbahnschäden erzwingen Anpassung der Verkehrsführung

Engpass auf der A565: Sanierungsarbeiten reduzieren Fahrstreifen ab 16.10.

Meckenheim. In Meckenheim wird die Verkehrsführung auf der A565, zwischen den Anschlussstellen Meckenheim-Merl und Bonn-Hardtberg, im Rahmen der laufenden Fahrbahnsanierung angepasst. Ab dem heutigen Freitag, dem 16. Oktober, steht im Baustellenbereich in Fahrtrichtung Koblenz nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung. Diese Maßnahme wird voraussichtlich bis zum 13. November andauern.

Weiterlesen