Allgemeine Berichte | 01.04.2013

Neues aus der Heimatgeschichte

Das römische „Dreiländereck“

Ausschnitt aus der Karte vom römischen Gallien und Germanien.

Kelberg. Vielen ehemaligen Abiturienten wird noch das Erlernen Gaius Iulius Caesars „Gallischer Krieg“ im Lateinunterricht in schmerzhafter Erinnerung geblieben sein. In den Jahren 58 bis 51 v. Chr. eroberte der römische Feldherr das gesamte Territorium, grob gesagt, zwischen Rhein und Atlantik, welches Gallien genannt wurde und nach Caesars Aussage in „partes tres“, das heißt in drei Zonen unterteilt war. Damit wurde dieses von Kelten bewohnte Land Teil des römischen Imperiums und erforderte eine ganz neue, nunmehr dem römischen Staatswesen angeglichene straffe Verwaltung und dementsprechend neue Aufgliederung der Verwaltungsbereiche. Westlich des Rheins wurde Gesamtgallien ein breiter Landstreifen abgetrennt, von welchem der römische Historiograf Cassius Dio sagte: „…in diesem Land lebten Kelten, die sich Germanen nannten, weshalb wir ihm den Namen Germanien gaben…“

Diese neu gegründete Provinz Germanien grenzte im Westen nun gegen den verbliebenen großen Rest Galliens, der zur Provinz Gallia Belgica wurde. Der ungefähre Verlauf der die beiden Provinzen trennenden Grenze war durch den preußischen- wie man heutzutage vielleicht sagen würde: „Supergeografen“ Heinrich Kiepert (1818 - 1899) eruiert worden. Was zunächst alleine der Verwaltung des am Niederrhein und oberen Mittelrhein konzentrierten Militärs diente, den niedergermanischen- bzw. obergermanischen Legionen, sollte im Laufe der folgenden Jahrzehnte, als sich zwangsläufig eine funktionierende Infrastruktur heraus bildete, auch den zivilen Sektor erfassen, möglicherweise war dies schon im Jahr 50, als die Ara Ubiorum (Köln) unter dem Kaiser Claudius zur „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ wurde und damit möglicherweise zur Verwaltungsmetropole einer Teilprovinz Niedergermanien. Im Gegenzug wurde der Standort „Mogontiacum“ (Mainz) zum Verwaltungssitz Obergermaniens.

Beide Teilprovinzen wurden von sogenannten Konsularischen Legaten verwaltet, ebenso die den beiden Teilprovinzen westlich benachbarte Gallia Belgica. Auf dem Ausschnitt der Kiepert´schen Karte sieht man im Schnittpunkt der Römerstraße mit dem Lauf der Nette, dass hier logischerweise Mayen liegen muss. Wie der relativ geradlinige Straßenverlauf zeigt (heute wie damals), betrug die Entfernung von Mayen nach Andernach circa 20 km, der Wegabschnitt von Mayen (auf der Römerstraße zur Maas) bis zur Grenze (G) etwa kurz vor Kelberg somit rund 28 km. Hier in der Nähe zweigte offenbar die Grenze zwischen Ober- und Niedergermanien vom bisherigen Verlauf auf der Kohlstraße ab, verlief unterhalb der „Schildwacht“ und dem „Jonashübel“, zuletzt auf einer Wasserscheide nach Westen (über den Romenberg) im Beobachtungsfeld der römischen Befestigung auf dem Hochkelberg, und traf hier auf die Grenze der „Gallia Belgica“. Letztere kann nur nach Nordwesten auf dem Trierbach und nach Südwesten auf dem Ueßbach zu suchen sein und würde die Kiepert´schen Angaben damit ziemlich genau bestätigen. Somit hätten hier drei römische Provinzen mit jeweils eigener Verwaltung aneinander gegrenzt.

Wenn Kiepert´s Karte auch die Darstellung der Provinzgrenze zwischen Ober- und Niedergermanien vermissen lässt, (weil es über deren zusammenhängenden Verlauf erst seit kurzer Zeit zu plausiblen Vorstellungen kam) so erscheint es nicht weniger als logisch, dass hierfür nur die kürzeste Verbindung zum Rhein infrage kommen konnte. Vereinfacht gezeichnet verläuft nämlich diese Grenze unter anderem längs der Kohlstraße von B (Breisig) über QN (Quelle der Nette bei Lederbach) und Nb (Nürburg), sodann scharf nach Süden bis nach G; der Verlauf der römischen Strecke vom Rhein zur Maas geht unter anderem von Antunnacum (Andernach) über M (Mayen) und G hinaus. Auffälligerweise befand sich an gleicher Stelle (bei G) die Grenze zwischen den Erzbistümern Köln und Trier, deren Anfang ebenfalls an der Vinxtbachmündung in den Rhein nachgewiesen ist, genau dort, wo auch die römische Provinzgrenze begann. Es hat somit den Anschein, als ob der oben beschriebene römische Grenzverlauf in seiner Gesamtheit vom Rhein bis nach Kelberg über viele Jahrhunderte beibehalten wurde.Gerd Otto

Ausschnitt aus der Karte vom römischen Gallien und Germanien.
Kiepertsche Karte vom römischen Gallien und Germanien.

Kiepertsche Karte vom römischen Gallien und Germanien.

Ausschnitt aus der Karte vom römischen Gallien und Germanien.

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