Neues Museum in Kaltenengers dokumentiert Schwemmstein-Produktion
Eine bleibende Erinnerung an die Verarbeitung des „weißen Goldes“
Kaltenengers. Bis Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts war die Bimsindustrie ein mächtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Wirtschaftsfaktor in der Region. Aufgrund der dramatischen Zerstörungen im 2. Weltkrieg und der daraus resultierenden Aufbauleistung in der Wirtschaftswunderzeit erreichte die Produktion an Bausteinen täglich Millionen-Stück-Zahlen. Auf dem Höhepunkt des Bimsabbaues in den 50er Jahren wurden jährlich 10 Millionen Tonnen Bims abgebaut. Nach 1962 kamen erste Absatzflauten, Anfang der 70´er Jahre nochmals eine Hochkonjunktur. Seitdem ist die Anzahl der produzierenden Unternehmen rapide gesunken. Heute stellt die Bimsindustrie einen (im Vergleich zu früheren Zeiten) kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsbereich dar. Viele der ehemaligen Produktionsbetriebe sind gänzlich von der Bildfläche verschwunden. Ein Glücksfall war das ehemalige Firmengelände Clemens Dott in Kaltenengers, auf welchem noch vor einigen Jahren Bimssteine produziert wurden. Dort entsteht zurzeit ein Bimsmuseum, welches das Angebot der Vulkanpark-Attraktionen im Landkreis Mayen-Koblenz ergänzen soll. Dies macht durchaus Sinn, wurde doch vor Ort ein Rohstoff vulkanischen Ursprungs verarbeitet, der auf den Ausbruch des Laacher Sees vor etwa 13.000 Jahren zurückzuführen ist. Der Ursprung der Bimsindustrie geht auf das Jahr 1845 zurück: Damals erfand Friedrich Nebel einen haltbaren Stein aus Bims, Kalk und Wasser. Wo genau die ersten Schwemmsteinbetriebe entstanden, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Historiker gehen jedoch davon aus, dass es auf alle Fälle im Neuwieder Becken war, genauer gesagt im Raum Urmitz, Mülheim-Kärlich und Weißenthurm. Die Geschichte der Bimsindustrie wird durch den Verein „Kulturelles Erbe der Bimsindustrie e.V.“ dokumentiert. Die Organisation ist auch Initiator des nun entstehenden Museums in Kaltenengers. Dankbare Unterstützer fand man bei der dortigen Ortsgemeinde und der Verbandsgemeinde. Zwischenzeitlich hat sich auf dem ehemaligen Betriebsgelände einiges getan: Durch die Mitglieder des Vereins wurde eine Einfriedung angebracht. Zahlreiche Ausstellungsstücke sowie die noch funktionierende Bimsstein-Produktions-Anlage sollen den Besuchern verdeutlichen, wie aus dem „weißen Gold“ Bims einer der wichtigsten Baustoffe für den Wiederaufbau wurde. Den Interessierten soll anschaulich verdeutlicht werden, wie die Bevölkerung in dieser Region viele Jahrzehnte von und mit dem Bimsabbau lebte. Landrat Dr. Alexander Saftig, Vorsitzender des Vereins „Kulturelles Erbe in der Bimsindustrie“ ist bemüht, das Projekt ohne Gelder der öffentlichen Haushalte zu realisieren. Er und seine Mitstreiter sind daher auch sehr dankbar, dass der Bimsverband die Idee des Bimsmuseums unterstützt. Auch eine wissenschaftliche Begleitung ist gewährleistet. Diese erfolgt durch das Römisch-Germanische Zentralmuseum, genauer gesagt durch dessen Forschungsbereich Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte in Mayen. Das neue Museum soll nach dem Willen aller Beteiligten kein „Vitrinen-Museum“ werden, sondern vielmehr eine Begegnungsstätte und ein Informationsort sein, an welchem Geschichte hautnah erlebbar wird („Geschichte zum Anfassen“). Eine tolle Unterstützung, die genau dieses Anliegen berücksichtigt, erfährt das zukünftige Bimsmuseum aus der Nachbargemeinde Urmitz/Rhein. Gerhard Keßler, Vorsitzender des dortigen Museumsvereins, restauriert derzeit gemeinsam mit zahlreichen engagierten Mitstreitern eine 63 Jahre alte Diesellok. Die im Jahre 1950 von der Ruhrtaler Maschinenfabrik in Mülheim/Ruhr hergestellte Lok mit Mercedes-Motor war bis zum Jahr 1975 bei der Bimsstein-Fabrik Friedrich Lohner in Weißenthurm im Einsatz. Auf Schmalspur-Schienen verkehrte die Diesel-Lok zwischen der Weißenthurmer Luisenhöhe und dem Rheinhafen am „Thur“. Dort wurden die Schwemmsteine auf die Schiffe verladen. Die Restaurierung der Lok wird voraussichtlich noch rund anderthalb Jahre Zeit in Anspruch nehmen, doch der Vereinsvorsitzende Gerhard Keßler denkt schon an die Zukunft. Er kann sich vorstellen, dass die restaurierte Lok auf dem Gelände des neuen Bimsmuseums zur Schau gestellt wird. Wann sich dort die Türen für die Besucher öffnen, steht noch nicht fest. Hinter den Kulissen laufen die Arbeiten jedoch auf Hochtouren.
