Interview mit Michael Groß, Leiter des Orga-Teams der „Kröbbelchesfest 2026 GbR“
Entscheidend sind die Menschen dahinter
Kottenheim. Alle zwei Jahre (immer abwechselnd mit dem Gambrinusfest in Mendig) feiert die Ortsgemeinde Kottenheim ihr Kröbbelchesfest,1952 zum ersten Mal. Damals noch im bescheidenen Umfang. Heute ist es ein Heimatfest, das vier Tage lang von Tausenden von Gästen besucht wird. Das Gemeinschaftsprojekt der fünf Kottenheimer Vereine (TuS Fortuna Kottenheim, Verkehrs- und Verschönerungsverein, die Kottenheimer Karnevalsgesellschaft, der Schützenverein Sankt Hubertus sowie der Junggesellenverein Kottenheim) wird durch ein Organisations-Team rund um Michael Groß geführt und nach außen vertreten.
Seit nunmehr 76 Jahren gibt es das weit über den Kreis Mayen-Koblenz bekannte Kröbbelchesfest. Wie lässt sich dieses Erfolgsgeheimnis begründen? Ist es einfach nur eine gelungene Mischung aus Originalität und Volkstümlichkeit?
Ich glaube, das Erfolgsgeheimnis ist, dass das Kröbbelchesfest bis heute ein echtes Kottenheimer Fest geblieben ist. Natürlich gehören die Kröbbelche, Musik und Geselligkeit dazu. Entscheidend sind aber die Menschen dahinter. Fünf Vereine organisieren gemeinsam ein Fest, bei dem nicht der einzelne Verein, sondern Kottenheim im Mittelpunkt steht. Wer zu uns kommt, soll spüren: Das ist Kottenheim.
Die allgemeinen Kosten explodieren, die GEMA-Gebühren steigen ins Unermessliche. Wo soll das alles finanziell enden?
Das ist mittlerweile eine unserer größten Herausforderungen. Musik, Technik, Sicherheit, Energie und GEMA werden immer teurer. Gleichzeitig muss ein Heimatfest für Familien bezahlbar bleiben. Wir müssen deshalb sehr genau kalkulieren und sind auf Sponsoren und Partner angewiesen. Aber irgendwann sind Grenzen erreicht. Wenn ehrenamtlich organisierte Veranstaltungen mit immer höheren Kosten und Auflagen belastet werden, muss man sich fragen, wie lange solche Feste noch zu stemmen sind.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit den fünf beteiligten Vereinen? Wie viele Helfer werden für ein solches Großereignis über vier Tage benötigt?
Natürlich haben fünf Vereine unterschiedliche Interessen und Strukturen. Aber wenn es darauf ankommt, funktioniert die Gemeinschaft – und das seit vielen Jahren sehr gut. Für das gesamte Fest einschließlich Auf- und Abbau brauchen wir über 400 Helferinnen und Helfer. Diese Zahl zeigt, welche Gemeinschaftsleistung hinter vier Tagen Kröbbelchesfest steckt. Die fünf beteiligten Vereine bilden dabei die Grundlage des Festes.
Was sind die größten Herausforderungen für die Organisatoren?
Ganz klar: Kosten, Auflagen und Menschen, die Verantwortung übernehmen. Ein solches Fest ist heute organisatorisch wesentlich anspruchsvoller als früher. Ich mache das inzwischen seit fast 20 Jahren. Deshalb ist mir wichtig, dass das Kröbbelchesfest nicht von einzelnen Personen abhängig ist. In diesem Jahr arbeiten wir bewusst ein neues, jüngeres Team ein und verteilen Verantwortung und Aufgaben auf mehrere Schultern. Das funktioniert bisher wirklich sehr gut und macht mich auch für die Zukunft optimistisch.
Das Kröbbelchesfest vereint Tradition, Geselligkeit und Genuss. Wird es eine solche Veranstaltung auch in 20 Jahren noch geben? Mit Michael als Groß als Leiter eines Organisations-Teams?
Das Kröbbelchesfest hoffentlich ja – mit mir als Orga-Leitung, aufgrund meines Alters, eher nicht. Genau deshalb stellen wir jetzt die Weichen. Nach fast 20 Jahren in der Organisation ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, jüngere Leute stärker einzubinden und Verantwortung zu übertragen. Tradition funktioniert nur, wenn die nächste Generation bereit ist, sie weiterzuführen – und wenn wir Älteren auch bereit sind loszulassen. In 20 Jahren würde ich lieber mit einem Kröbbelche und einem Getränk auf dem Festplatz sitzen und sagen: „Die machen das anders als wir damals – aber genauso gut.“
SK
Michael Groß, Leiter des Orga-Teams der „Kröbbelchesfest 2026 GbR“. Foto: SK