Politik | 14.06.2026

Großflächige PV-Projekte: HFA diskutiert Flächenkonflikte

FWM: Energie- und Wärmewende in Mayen kommt voran – braucht aber klare Steuerung!

Wärmenetze sind zentrale Bausteine der Wärmewende.

Mayen. Die Energie- und Wärmewende bleibt eine zentrale Aufgabe kommunaler Politik. Auch in Mayen stehen grundlegende Weichenstellungen an, die über Klimaschutz, Versorgungssicherheit und die künftige Nutzung der Flächen entscheiden. Der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) hat sich erneut intensiv mit diesen Entwicklungen befasst.

Kommunale Wärmeplanung: richtiger Ansatz – entscheidend ist die Umsetzung!

Eine wichtige Grundlage für die anstehenden Maßnahmen bildet die bereits erarbeitete Kommunale Wärmeplanung. Sie zeigt Wege auf, wie die Wärmeversorgung in Mayen künftig klimafreundlicher gestaltet werden kann. Dazu gehören sowohl der weitere Ausbau des bestehenden Fernwärmenetzes als auch die Prüfung eines grünen Wärmenetzes für den Stadtteil Kürrenberg. Die Wärmewende ist damit ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Energieversorgung.

„Die FWM erwartet dabei, dass die Stadtspitze frühzeitig auf betroffene Landwirte, Grundstückseigentümer und mögliche Projektierer zugeht. Wer Akzeptanz für die Energie- und Wärmewende schaffen will, muss die Beteiligten von Anfang an einbeziehen. Es darf nicht sein, dass Betroffene erst aus der Zeitung erfahren, welche Planungen die Stadt für ihre Flächen oder ihr Umfeld prüft. Transparenz und direkte Kommunikation sind unverzichtbare Voraussetzungen für das Gelingen solcher Projekte“, erklärt der FWM-Fraktionsvorsitzende Hans-Georg Schönberg.

Photovoltaik: Energiewende darf nicht zur Flächenfrage ohne Grenzen werden.

Im Stadtgebiet und seinem Umfeld sind mehrere großflächige Photovoltaikprojekte in Planung. Insgesamt geht es um über 1,1 Millionen Quadratmeter landwirtschaftlicher Nutzfläche. Allein das Projekt „Ober der Geisheck“ umfasst rund 420.000 Quadratmeter und ist bereits als konkrete Fläche in die politische Beratung eingebracht.

Parallel dazu handelt es sich um ein laufendes Bauleitplanverfahren nach §§ 3 und 4 BauGB – also um einen frühen, aber entscheidenden Schritt der planungsrechtlichen Weichenstellung. Gleichzeitig liegt die Fläche im Bereich landwirtschaftlicher Vorrangnutzung, sodass zusätzlich ein Zielabweichungsverfahren erforderlich ist. Damit wird der zentrale Konflikt deutlich: Die Energiewende ist richtig und notwendig – aber sie darf nicht unkontrolliert zulasten hochwertiger Ackerflächen gehen.

Fehlende Gesamtsicht gefährdet Akzeptanz. Die Vielzahl parallel geplanter Photovoltaikvorhaben zeigt: Es geht längst nicht mehr um einzelne Projekte, sondern um eine grundlegende Veränderung der Flächenstruktur im Stadtgebiet. Die FWM warnt davor, diese Entwicklung projektweise zu betrachten. Ohne übergeordnete Gesamtstrategie droht eine schleichende Überlastung landwirtschaftlicher Flächen – ohne dass die kumulativen Auswirkungen ausreichend bewertet werden. Akzeptanz entsteht für die Freien Wähler Mayen nicht durch Einzelbeschlüsse, sondern durch eine nachvollziehbare Gesamtplanung.

Wirtschaftliche Anreize ersetzen keine politische Abwägung.

Die Tatsache, dass Projekte vollständig durch Investoren finanziert werden und langfristige Einnahmen auch für die Kommune ermöglichen, darf nicht den Blick auf die eigentliche Grundsatzfrage verstellen: Wie viel Fläche ist die Energiewende vor Ort tatsächlich wert – und wo liegen die Grenzen? Kommunale Entscheidungen müssen sich an Raumverträglichkeit, Flächenkonkurrenz und langfristiger Strukturentwicklung orientieren – nicht allein an wirtschaftlichen Effekten.

„Ober der Geisheck“: richtiger Zeitpunkt für offene politische Klärung

Die geplante Anlage „Ober der Geisheck“ steht exemplarisch für eine solche Abwägung. Fragen zum Flächenumfang, zur Nutzung landwirtschaftlicher Flächen und den technischen Rahmenbedingungen sind zu Recht noch offen. Von daher ist die Vertagung der Entscheidung im HFA folgerichtig. Sie ermöglicht eine vertiefte Beratung und eine notwendige politische Klärung über Fraktionsgrenzen hinweg.

Weitere Projekte erhöhen den politischen Handlungsdruck.

Zusätzlich stehen weitere großflächige PV- und Energieprojekte im Raum – unter anderem im Bereich Nitztal-Kirchwald, entlang der A 48 in Kombination mit Windenergie sowie im Bereich Bernhardshof - Müllershof. Damit wird deutlich: Die Stadt steht vor einer strukturellen Weichenstellung, die eine übergeordnete Steuerung zwingend erforderlich macht.

Eiterbach: Beispiel für gelungene ökologische Entwicklung

Eine weitere ökologische Weichenstellung hat der Haupt- und Finanzausschuss mit der einstimmigen Zustimmung zur Umlegung und Renaturierung des Eiterbachs im Bereich des Stadions vorgenommen. Die Maßnahme trägt dazu bei, ökologische Strukturen zu stärken und natürliche Gewässerräume aufzuwerten.

Stärkung der Jugendbeteiligung

Einigkeit bestand zudem beim Ziel, die Jugendbeteiligung in Mayen nach der Auflösung des Jugendbeirats neu zu beleben. Die Fraktionen sprachen sich dafür aus, zeitgemäße und attraktive Beteiligungsformen für junge Menschen zu entwickeln. Denn demokratische Teilhabe beginnt vor Ort: Wer Jugendlichen konkrete Mitwirkungsmöglichkeiten eröffnet, stärkt nicht nur ihr Engagement für die Gemeinschaft, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der demokratischen Gesellschaft.

Fazit: Energiewende braucht Steuerung statt Projektlogik!

Die Freien Wähler Mayen (FWM) unterstützen den Ausbau erneuerbarer Energien ausdrücklich. Gleichzeitig braucht es klare politische Leitplanken, eine transparente Gesamtstrategie und eine ehrliche Abwägung der Flächenkonkurrenzen.

„Wenn mehrere großflächige Projekte parallel entwickelt werden, ohne Gesamtsteuerung, entsteht ein strukturelles Akzeptanzrisiko. Die Energiewende in Mayen braucht deshalb nicht weniger Tempo – sondern mehr Steuerung, mehr Transparenz und mehr politische Gesamtverantwortung“, urteilt der FWM-Fraktionsvorsitzende Hans-Georg Schönberg abschließend.

Pressemitteilung FWM: 14.06.2026

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Wärmenetze sind zentrale Bausteine der Wärmewende. Foto: Michael Helsper

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