Politik | 06.07.2026

Daseinsvorsorge nicht kürzen

FWM/FWM3: MYK- QuartierPflege als pflegerische Grundversorgung! Mayen schließt sich dem Konzept an

Der Kreis Mayen-Koblenz setzt auf das Konzept QuartierPflege.

Mayen. Aktuell hat der Stadtrat Mayen beschlossen, dem vom Kreis Mayen-Koblenz initiierten Versorgungskonzept der QuartierPflege beizutreten und damit im Stadtteil Hausen zu starten. Um dem vorhandenen Fachkräftemangel im Pflegebereich entgegenzuwirken, setzt dieses Konzept gezielt auf nachbarschaftliche Sorgegemeinschaften, in denen geschulte Bürgerinnen und Bürger die professionelle Pflegearbeit in den Bereichen Alltagsversorgung, Hauswirtschaft und Grundpflege unterstützen und so die Pflegefachkräfte entlasten.

Die beiden lokalen Wählergruppen Freie Wähler Mayen (FWM) und Freie Wähler Mayen-Mittelrhein-Mosel (FWM3) propagieren schon lange das Ausprobieren neuer Versorgungsmodelle in der Pflege, durchaus inspiriert von der Vorgehensweise in den europäischen Nachbarländern. Grundsätzlich verstehen die Freien Wähler von FWM und FWM3 dabei Pflege als gesellschaftliche Aufgabe für deren konkrete Ausgestaltung letztlich alle Gesellschaftsmitglieder Verantwortung tragen. Ein möglicher Ansatz in diesem Sinne sind die vielfältigen Modelle der „Nachbarschaftspflege“ ähnlich dem Quartier-Pflege-Konzept des Kreises MYK. Dabei arbeiten in den Teams geschulte „Laien“ und professionelle Fachkräfte in einem überschaubaren sozialen Umfeld eng zusammen und schaffen so ein belastbares Netzwerk für ein selbstbestimmtes Leben zuhause. Stark vereinfachte Strukturen und Prozesse sparen hierbei kostbare Zeit, die den zu Pflegenden zugutekommt. Die Hierarchien sind flach, Pflegende werden unterstützt, sich eigenständig zu organisieren sowie individuelle Netzwerksuche und -schaffung zu betreiben. Besonders positiv für die Freien Wähler der FWM und der FWM3 ist bei diesem Konzept, dass die Themen Menschlichkeit sowie gesellschaftliche Vernetzung im Fokus stehen und damit der soziale Zusammenhalt im Quartier gestärkt wird.

Leider plant die gegenwärtige Bundesregierung eine Pflegereform, die harte Einschnitte für viele Betroffene und ihre Angehörigen beinhaltet, obwohl die Pflege zum Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge gehört, die in einem der reichsten Industrieländern der Welt vorbildlich ausgestaltet sein sollte! Generell gilt aber für jede Reform, der Pflegebedarf verschwindet nicht, weil etwa Leistungen später greifen, Budgets gekürzt oder Menschen sogar niedriger eingestuft werden. Ja, im Bereich der Pflegeheime können niedrigere Einstufungen letztlich auch zu Personalabbau führen! Besonders hart ist z.B. das Vorhaben, die derzeitigen Rentenbeiträge für pflegende Angehörige, die unter bestimmten Voraussetzungen erworben werden, zu kürzen. Denn der Großteil der Pflege wird in Familien zu Hause gestemmt. Viele Angehörige reduzieren dafür ihre Lohnarbeit oder unterbrechen sie sogar ganz – mit entsprechendem Armutsrisiko. Da vor allem Frauen in den Familien das Pflegesystem jeden Tag stabilisieren, ist das eine massive Zumutung und ein fatales Signal für diese Gruppe. Gravierend auch das Vorhaben, die Tariftreueregelung in der Langzeitpflege auszusetzen. Denn eine gute Bezahlung ist eine wesentliche Voraussetzung zur Personalgewinnung, Personalbindung und Versorgungssicherheit. Die Versorgungssicherheit im Bereich des Fachpersonals auszubauen wird durch den wachsenden Pflegebedarf der nächsten Jahre und Jahrzehnte generell eine gesellschaftliche Mammutaufgabe. Von daher kritisieren FWM und FWM3 die derzeit geplanten massiven Kürzungspläne der Bundesregierung. Stattdessen plädieren sie für eine Pflegereform, die auf Dauer menschenwürdige Zustände in der Pflege garantiert und absichert.

Für eine solche Stärkung der öffentlichen Daseinsvorsorge im Pflegebereich und darüber hinaus ist es notwendig, dass die öffentliche Einnahmen dauerhaft gestärkt werden. D.h. für die Freien Wähler der FWM und der FWM3 konkret, dass die Verteilungsgerechtigkeit bei Einkommen und Vermögen deutlich verbessert werden muss. So sollte das aktuelle Steuersystem gerechter werden und die Reichen sowie Überreichen finanziell deutlich stärker in ihre gesellschaftliche Verantwortung einbinden. Statt immer wieder mit politischen Planspielen für einen neuen - angeblich notwendigen - Sozialabbau die Öffentlichkeit zu verunsichern, sehen beide lokale Wählergruppen in der dann gegebenen stärkeren Heranziehung der Leistungsfähigen zur Finanzierung der Zukunftsaufgaben einen tragfähigen und sozial verträglichen Weg zur Sicherung einer zukunftsfähigen gesellschaftlichen Entwicklung.

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Der Kreis Mayen-Koblenz setzt auf das Konzept QuartierPflege. Foto: Hans-Georg Schönberg

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